Veröffentlicht in Literatur, Social Media

Lisas Geschichte

Wie die Novelle entstand (Auszug)

Es sollte eine Kurzgeschichte zu einem Bild werden … einem, auf dem ein kleines Mädchen eine riesige, in die Erde eingepflanzte, leuchtende Glühbirne bestaunt. Eine Mischung aus Fantasie und eigenen Kindheitserlebnissen – zunächst als abgeschlossene Geschichte auf einer Internetplattform.
Im Mittelpunkt steht die kleine Lisa, ein Kind, das in einem sibirischen Dorf aufwächst und Bekanntschaft mit einem geheimnisvollen Fremden macht. Der Fremde will Lisas sehnlichsten Wunsch erfüllen und sie von ihrer Traurigkeit und den Albträumen befreien.

Das kleine Mädchen wuchs mir von Anfang an ans Herz und als ich die fünf Begriffe „Frühlingsbote, Berggipfel, rote Stiefel, Kieselstein, Suppe“ als Vorgabe für eine neue Kurzgeschichte vor Augen hatte, sprangen mich die ‚roten Stiefel‘ förmlich an.
Sie erinnerten mich daran, wie sehr ich mir als Kind neue schwarze, glänzende Gummistiefelchen wünschte (ob es damals überhaupt rote gab?), weil meine alten schon so hässlich aussahen. Dann dachte ich an Lisa – auch sie würde bestimmt gern neue Stiefelchen bekommen, da war ich mir sicher.
Alles andere war nicht mehr schwer und fügte sich wie von selbst in eine ‚Andersrum‘-Fortsetzung ein. Diesen Teil schrieb ich mit einem inneren Lächeln. Ich wollte das Mädchen einmal so fröhlich und unbeschwert sehen, wie es ihrer Natur auch entsprach. Lisa sollte einfach nur Freude erfahren, das schöne Gefühl erleben, beachtet und geliebt zu sein … und wieder wurde es eine in sich abgeschlossene Geschichte.
Dennoch ließ mich die Kleine noch nicht los. Obwohl der Grund von Lisas Bedrücktheit im ersten Teil für den Leser im Unklaren bleibt, wusste ich insgeheim, worin der Auslöser für ihre schlimmen Träume bestand. Und ich wusste, dass ihre Fröhlichkeit und Unbeschwertheit nicht lange währen konnten. Der Stein in ihrem Herzen, mehr schon ein Felsbrocken, war zu schwer, jeden Moment konnte er sich in Bewegung setzen und Lisas Welt aus dem Gleichgewicht bringen.
Nein, die Episode ‚Die lachenden Gesichter‘ war nicht abgeschlossen, ganz und gar nicht! Es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Lisa hatte noch einiges zu bewältigen, und ich konnte und wollte das kleine Mädchen keinesfalls im Stich lassen …
Lisas Geschichte weiterzuschreiben war für mich eine Herausforderung. Ich musste mit dem Kind sehr behutsam umgehen, ihm genau zuhören, mich in seine Gefühle versetzen, es verstehen wie Duh es tat …

Die kleine Lisa aus "Andersrum" hat Geburtstag. Illustration: Jutta E. Schröder
Lisa hat Geburtstag.
Illustration: Jutta E. Schröder

Leserstimmen zu BookRix-Ausgabe (2013)

gittarina

Ich freue mich sehr über diesen Teil – Du weißt warum … und ich will auch gar nicht näher darauf eingehen … aber Deine Art und Weise dies thematisch festzuhalten, ist so wunderbar, dass ich Dir nur ein dickes Dankeschön zurufen kann. Kein Märchen und doch in ein Märchen verpackt – ich könnte ewig weiterlesen, eine bessere Art der Verarbeitung gibt es gar nicht …
Einen dicken Knuddler von Deiner Gitta.


Schneeweisschen

Liebe Rosa,
… gerade bin ich ein wenig sprachlos. Wow. Diese Fortsetzung (ich hab gerade beide Teile direkt hintereinander gelesen) ist wirklich wahnsinnig intensiv. Und ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass du diese Fortsetzung geschrieben hast. Jeden Gedanken und jede Minute, die du hier reininvestiert hast, haben sich gelohnt! Mir hat ja schon die „Hauptgeschichte“ (wenn wir das jetzt einfach mal so nennen mögen) sehr, sehr gut gefallen. Aber hier wird der Fokus noch einmal besonders intensiv auf Lisas Welt gerichtet. Auf das, was unter der Oberfläche von ihrer Bedrücktheit brodelt und einen Weg nach draußen sucht. Es ist wahrlich kein Wunder, dass es Lisa zunächst fortwährend schlechter geht, wenn man bedenkt, was sich da in ihrem Unterbewusstsein vergraben hat und was ihr armes Herz tragen muss. Das ist so eine schwere Last, die viel zu viele Menschen mit sich schleppen müssen. Ob nun bewusst oder unbewusst, sie alle hätten jemanden wie Duh an ihrer Seite verdient. Er ist Lisas Glück im Unglück. Und doch ist es an und für sich schade, dass er sie überhaupt vor Erwin retten muss. Dass es Leute wie Erwin gibt, die sich an anderen vergehen …
Ich kann mir vorstellen, dass es alles andere als einfach war, diese Geschichte zu schreiben. Das packt einen ja an der Wurzel, wenn man so will. Meinen größten Respekt also auf jeden Fall auch dafür! Dieses Werk hier verdient definitiv wesentlich mehr Kommentare und Aufmerksamkeit. Es ist nicht nur die mit höchster Empathie geschriebene Handlung, die einen tief berührt (mich hat’s zwischendurch gefröstelt, aber ich konnte nie aufhören zu lesen!), sondern auch deine Wortwahl, deine Erzählweise. Einfach nur ganz große klasse! Der Stil und die Wortwahl bilden ein so perfekt rundes Bild mit Lisas Charakter. So was muss gekonnt sein.
Dieses Werk hier lässt einen obendrein auch hoffen. Dass, selbst wenn man so etwas Grausames erlebt hat, selbst wenn man – wie die kleine Lisa – all diese beklemmenden Gefühle in sich hat und entscheidet, man teilt sie oder teilt sie nicht (schwere Entscheidung für ein Kind, aber auch für Erwachsene), so schließt man dein Buch doch mit einem Lächeln. Das letzte Wort ist ‚Glück‘. Und es ist wundervoll, dass Lisa dieses Gefühl trotz allem kennenlernen darf 🙂 Dass es quasi in ihrer Zukunft steht und diese Zukunft in der Gegenwart beginnt.
Danke für dieses grandiose Werk! ♥
Liebe Grüße Nora


goldie.geshaar

Du hast diese furchtbare Erinnerung, Lisas schlimmes Trauma, das ihr durch den eigenen Bruder zugefügt wurde, so einfühlsam gezeichnet. Was für ein schlimmes Erlebnis, und doch passiert es so auf der Welt. Jedem Kind, jedem Menschen, der so etwas erleben muss, würde ich einen Duh wünschen, der ihm zur Seite steht. Ganz berührend und toll geschrieben.
LG Uschi


Enya K.

Liebe Rosa!
Es ist unglaublich berührend, auf welche subtile Weise du hier dieses schwierige Thema aufarbeitest, dich Wahrheiten annäherst und deine Lisa einhüllst in ein tiefes Verstehen, ihr durch Duh Kraft, Mut und Liebe gibst, eine Liebe, die nicht fordert. Als Leser ist es für mich eine Erleichterung, dass Duh da ist, ansonsten wäre es kaum auszuhalten.
Jedes dieser Kinder, die solch Schreckliches durchmachen, bräuchten so einen Duh, der sie behutsam hinführt zu den verborgenen Schrecken, der sie „sehen“ lässt und dabei stützt, der sie herausführt hin zu einem guten starken Selbst. Unsere Realität ist kein Märchenland und es ist so traurig zu wissen, dass viele Kinder dies erleiden und dass kein Duh da ist. In unserer Gesellschaft krankt es an vielen Ecken und immer noch wird dem, was unser kostbarstes Gut und unsere Zukunft ist, viel zu wenig Augenmerk gegönnt. „Was nicht sein darf, das ist auch nicht“ – So mag es oft noch aussehen.
Es ist so gut, dass du dieses Buch geschrieben hast, zeigt es neben dem Schrecken und einer oft bitteren Realität aber auch viel Mutmachendes. Und gerade Letzteres darf kein Märchen bleiben. Dass es Wege gibt, ganz reale, die ungeheuer schwer, aber möglich sind, weiß ich durch mein Erleben, vor allem auch in meinem Beruf.
Ich kann dir nur meine Anerkennung sagen und ein riesengroßes Dankeschön für dieses Buch, das wahrlich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. Ich schicke dir noch eine PN.
Liebe Grüße Enya


helgas.

Beeindruckend erzählt. Der Leser ahnte, was es mit dem Bruder auf sich hat. Spannung wird durch den Erzählstil dennoch aufgebaut. Inhaltlich bleibt die Geschichte nach wie vor aktuell. Wie furchtbar. Die psychologische Hilfe einer „höheren Macht“ ist ganz erstaunlich. Die Antworten sind klar und nachvollziehbar. Ach, wenn doch alle kleinen Mädchen diese Antworten und Hilfe erhielten. Das Trauma bleibt. Wie schön auch, dass es dennoch ein Glück gibt, welches Einiges zu lindern versteht. Den schrecklichen Sachverhalt in so eine wunderbare Geschichte zu kleiden ist quasi schon Anarosas Markenzeichen. Ich bin sehr berührt und nach wie vor begeistert von dem literarischen Erzählstil, ein Vorbild für die Autoren. Die ganze Geschichte gehört gedruckt.
Herzlich grüßt Helga


m.editha3

Liebe Rosa, heute Nacht habe ich alle Teile noch einmal gelesen und jetzt möchte ich auch etwas dazu schreiben. Zuerst einmal hat es Dich sicher eine riesige Überwindung gekostet, das herauszulassen! Du hast einen genialen Weg gefunden, zu einem überhaupt darüber zu schreiben und das dann noch in eine Art Geschichte zu verpacken! Danke für Deinen Mut und schreib einfach so weiter. Ich hoffe – es hilft, mag gar nicht sagen, es zu verarbeiten …
Alles Gute und viel Kraft und liebe Grüße, Michaela


taphozous

Liebe Rosa, eine schöne Geschichte hast du da geschrieben. Der traurige Inhalt ist behutsam, aber eindeutig verpackt. Ich wünsche jedem Kind, dem so etwas passiert, einen Freund wie Duh an seiner Seite, der hilft das ganze zu verarbeiten. So etwas zu schreiben ist nicht leicht.
LG, Taps


Geli57

Liebe Rosa, ich bin unglaublich erschüttert und habe diesen Teil sofort gelesen. Ich habe vier Brüder, aber niemals wäre so etwas bei uns passiert und wenn doch, hätte ich mich dann jemandem anvertraut? ich weiß es nicht, aber ich weiß seit kurzer Zeit, dass ich mit 13 Jahren auch einmal ein sehr unangenehmes Erlebnis hatte, bisher habe ich nie daran gedacht und es keinem erzählt.
Du bist eine so starke Frau, wer deine Bücher kennt, weiß, was du durchgemacht hast in deinem Leben und trotzdem strahlst du Zuversicht und Freude aus. Ich finde das unglaublich.
Die Geschichte ist so schön geschrieben so voller Hoffnung, ich habe ein paar Tränen in den Augen.
Mit einem ganz lieben Gruß an dich Geli


sweder2

Es ist hier bei Bx nicht so oft, dass gute Erzählungen auch die entsprechende und verdiente Resonanz finden. Hier ist das der Fall und mir bleibt nur übrig, bei den vielen, so wunderbaren, verständnisvollen Kommentaren, mich anzuschließen.
LG S.


summerblue

Eine so tiefgründige Geschichte hab ich noch nie gelesen, und ich bin echt froh, dass ich diese Bücher lesen konnte, sie sind mit solcher Ehrlichkeit geprägt, wie es nur von einem Kind kommen kann. 


Mehr zu „Andersrum“: https://www.rosa-andersrum.de/alles-zu-andersrum/

Autor:

Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern für meine Blogs und für die Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: "In der sibirischen Kälte" und "Andersrum". Einige meiner Texte sind auch als eBooks im Internet frei zugänglich.

11 Kommentare zu „Lisas Geschichte

  1. „Das Mädchen nicht im Stich lassen ..“ ist wohl einer der besten Sätze und Ideen, die bisher gelesen habe.

    Da muss ich meinen Glauben offenbaren: Ich denke, dass alles gleichzeitig passiert und nur die Zeit alles streckt.

    Wenn ein Kind bzw. eine Jugendliche sich ausgeliefert fühlt, dann hofft sie auf die Zeit, zum einen, dass es vergeht und zum anderen, dass sie einst älter und wehrhafter sein wird. Sie baut also auf das ICH, dass sie einmal sein wird und dass es ihr helfen wird, aber der Gedanke daran hilft ihr schon. Sie hofft also auf Hilfe aus der Zukunft.

    Wenn sie dann älter ist und ihre Zukunft erreicht hat, hat sie auch die Pflicht, sich um das Kind bzw. die Jugendliche zu kümmern, die sie mal war und die da in der Vergangenheit auf sie baut. Was du also heute schreibst, hilft dem wehrlosen Kind bzw. der Jugendlichen in der Vergangenheit, weil es ja noch in der Vergangenheit lebt und die Zukunft ihre einzige Hoffnung ist.

    Schwer zu erklären und meinen Gedankengängen zu folgen. Das verstehe ich. Du solltest vielleicht einmal von Jostein Gaarder lesen: „2084 – Noras Welt“ Hier trifft ein 16jähriges Mädchen, die einen magischen Ring geerbt hat mit einer alten Frau zusammen und es ist nicht ihre Großmutter: Es ist sie selbst in der Zukunft.

    Ich wünsch dir nur das Beste, Sven 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sven,
      doch, ich verstehe sehr gut, was du mir sagen willst, jedenfalls mit dem Herzen. Es ist auch mein Gefühl, das die kleine Rosa (Lisa 😉) mit der großen Rosa – die Vergangenheit mit der Zukunft – verbunden ist. Ein bisschen wie Magie. Dieses Gefühl gibt mir eine gewisse Sicherheit und ich weiß, dass alles nicht umsonst gewesen ist, alles seinen Sinn hat. Eine Verbundenheit … Ich nehme die Kleine oft gedanklich in den Arm und das tut uns beiden gut.
      Danke dir fürs Lesen und Verstehen
      Rosa
      PS: Lisa ist ein wunderbares Mädchen 😊

      Gefällt 1 Person

    2. Ja, und danke für den Lesetipp. Gaarder habe ich früher gern gelesen ( von „Sofies Welt“ war ich ganz fasziniert), dann irgend wie aus den Augen verloren. Das Buch werde ich unbedingt kaufen.

      Gefällt 1 Person

      1. Sophie lebt sozusagen in Nora weiter, weil Nora sehr kritisch ist und die Welt beobachtet, was das Sterben der Arten betrifft und ihr Einsetzen gegen die Umweltverschmutzung durch CO2. Nora verliebt sich nebenbei auch zum ersten mal, ist also alles drin, was ein Buch packend machen kann .. Ich selbst kann das Buch nur empfehlen. Wenns dir nicht zusagt, bekommst du von mir dein Geld zurück. LG PP

        Gefällt 1 Person

      2. Soweit kommt es noch – Geld zurück! 😃 Ich bin mir sicher, das es mir zusagen wird. Bis jetzt hatten mir noch alle Gaarders Bücher gefallen, also keine Sorge. 😉

        Gefällt 1 Person

  2. Hallo liebe Rosa,

    das klingt wirklich alles superschön und traurig und noch mal schön. Es stimmt auch neugierig darauf, Dein Buch einmal selbst zu lesen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s