Veröffentlicht in Menschsein, Persönliches, Social Media

Es macht mir Angst

Das russischsprachige Forum „Odnoklassniki“ (Mitschüler) hatte ich schon in meinem Blog erwähnt. In gewisser Weise ist es wie Facebook. Ich bin da auch angemeldet, ebenso wie viele meiner ehemaligen Mitschüler, Leute aus dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Einige leben in Deutschland, die anderen in Russland oder sonst wo auf der Welt. Obwohl ich schon mehrmals kurz davor war, die Mitgliedschaft zu beenden, habe ich es noch nicht getan. Es gibt da so viele Putin- und sogar Stalin-Anhänger, dass es manchmal nur noch widerlich ist. Gerade jetzt, in diesen schlimmen Zeiten, kristallisiert sich deutlich heraus, wer wer ist, und leider musste ich schon etliche Namen aus meinem Freundeskreis entfernen. Aber ich stehe auch im Kontakt mit Menschen, die ich sehr schätze, die kritisch das Geschehen in Russland sehen und sich nicht scheuen, ihre Meinung offen zu schreiben. Diese Menschen möchte ich dann doch nicht ohne Unterstützung lassen. Bedauerlicherweise sind wir in der Minderheit und ich gebe zu – das macht mir Angst. Was ist nur los mit der Welt?

Letztlich entbrannte eine Diskussion, nachdem Katharina Martin-Virolainen die Sendung „Wie die Herkunft unser Leben bestimmt“ (Nachtcafé vom 1. April), in der sie zu Gast war, bei Odnoklassniki geteilt hatte.
Natürlich ging es in den Kommentaren um die momentane Situation in der Welt.
Oft konnte ich nur mit dem Kopf schütteln: Wie kommt man (Frauen, Mütter!) zur Überzeugung, der Krieg wäre gerecht, die Ukrainer hätten es verdient? Sie sind im Bilde, was in diesem Land gerade passiert, wie die Diktatur in Russland sich immer mehr ausbreitet, immer finsterer wird, aber sie finden es wohl gut so. Da bleibt einem (mir auf jeden Fall) die Spucke weg, wie man so schön sagt. Ich kann nur wiederholen, was solchen Menschen immer wieder gesagt wird: Geht doch zurück nach Russland, zu eurem geliebten Putin und freut euch des Lebens dort! Hier habt ihr nichts verloren, insofern auch nichts zu suchen.

Großen Respekt an Katharina – besser als sie es in der Diskussion unter ihrem Beitrag geschrieben und erklärt hat (mehrmals sogar!) kann man es nicht machen. Trotzdem sind ihre so eindringliche Worte anscheinend fruchtlos geblieben. Es hat keinen Sinn – solche Subjekten lassen sich nicht umstimmen.

Eine Userin, die besonders übergriffig geworden ist, wurde letztlich von Katharina gesperrt, so konnte sie die Antworten (darunter auch meine) nicht mehr lesen und schrieb mich deswegen persönlich an. Diesen Wortwechsel möchte ich hier als Beispiel anführen. Die vielen Schreibfehler der Frau habe ich beseitigt.

[05.04.2022] N.: Ich konnte Ihre Antwort leider nicht lesen, da ich von der Moderatorin gesperrt wurde. Falls es Ihnen keine Umstände macht, schreiben Sie es noch mal privat bitte.

Nun antwortete ich ihr (auf diesen ihren Kommentar: Das wurde heute hier in den Medien erzählt [es ging um Butscha], nachdem die russischen Soldaten schon seit über 3 Tagen da weg waren und es gab auch Videos von diesem Ort, aber ohne Toten. Klar, um so ein Filmchen zu drehen, hat man auch Zeit gebraucht … Sie sind auch zum Opfer der Fake News geworden. Schauen Sie jeden Film genauer an, einfach kritischer, sehr viele davon sind schlecht gemacht).

[05.04.2022] Rosa Ananitschev:
Wenn es Sie interessiert, kann ich gern meine Worte hier wiederholen:
„Das Interessante oder eher das Schlimme an Ihren Aussagen ist – Sie wollen gar nicht die Wahrheit sehen. Sie klammern sich regelrecht an das, was russische Patrioten und andere Putinversteher verbreiten. Sie schauen nur darauf, haben nur dafür ein Auge. Wahrscheinlich haben Sie sogar Angst, den Blick in eine andere Richtung zu wenden, denn dann sehen Sie womöglich etwas, was gegen Ihre sture Überzeugung spricht.
Es ist mir ein Rätsel, warum manche Russlanddeutsche so an Putin hängen und seine Diktatur begrüßen. Wollen sie die Verfolgungen, Repressalien, das Morden ohne jeglichen Grund wieder zurück haben? Kann jemand von denen mir das einmal erklären? …
Ich persönlich sehe das als Verrat an unsere Großeltern und Eltern, die so viel gelitten haben, die vom besseren Leben träumten und wussten, dass es nur ein Traum bleibt. Was würden sie heute sagen? Ihre Nachfahren haben jetzt ein gutes Leben – in Freiheit und Wohlstand, in der Demokratie. Und was tun sie? …“

[05.04.2022] N.:
Sie haben wahrscheinlich alle meine Antworten gelesen. Nun, ich kann nur eins sagen, ich war nie in Russland, hatte nie einen Pass … Ich war 2001 in der Ukraine und schon damals als Kind wurde ich für die russische Sprache auf der Straße bedroht, mit Schlägen (Cherson, nicht Donbass). Ich schaue ukrainisches TV, da russisches aus demokratischen Gründen verboten ist😅, und was dort ganz offen gesagt wird, wozu da die Ukrainer aufgerufen werden … das hat wenig mit Menschlichkeit zu tun. Ich schaue ebenfalls amerikanische News, selbst dort gibt es weniger Lügen als hier bei uns, in Freiheit, wie wir meinen.
Zu der Frage, was ich tue: Ich bilde mir meine Meinung, dank meiner verschiedenen Sprachkenntnisse und vertrete sie auch. Denn hier im Land ist nur eine Meinung richtig, die von den Politikern vorgeschriebene. Vor kurzem hat man noch die Ungeimpften genauso durch die Gegend gehetzt. Ich bin gegen Menschenhass und Verteufelung von allem „Russischen“.

[05.04.2022] Rosa Ananitschev:
Dem letzten Satz stimme ich zu, dagegen bin ich auch. Was das Leben in der Ukraine betrifft, kann ich nicht beurteilen, kann nur vermuten, dass Russland nicht unschuldig am Hass den Russen gegenüber ist. Zu viel hat das Land sich an Grausamkeiten zuschulden kommen lassen. So wie jetzt. So wie früher. Ich habe 38 Jahre meines Lebens in Russland verbracht, ich weiß, dass russische Soldaten zu allem fähig sind. Ich weiß, was für grausame „Sitten“ da herrschen. Da wundert es nicht, dass sie im Krieg solche Gräueltaten begehen.
Zum Nachdenken: Mein Großvater (und neun weitere Deutsche aus dem Dorf!) wurde 1937 verhaftet und schon nach wenigen Tagen hingerichtet. Einfach, weil eine Direktive von „oben“ kam, in diesem Sinne: Minimum zehn Personen aus jedem Dorf sind als Feinde zu beseitigen.
Und – wenn hier im Land nur eine Meinung vorgeschrieben und erlaubt ist, wie viele Meinungen sind denn in Russland erlaubt? Werden hier Bürger für ihre Ansichten verhaftet, oder vielleicht doch – in Russland? Werden hier Demonstrationen verboten oder doch – in Russland?
Zum Thema Geimpfte, nicht Geimpfte – es war und ist nun mal so, dass die Ungeimpften sich „hinten anstellen“ müssen. Das ist verständlich und hat mit Menschenhass nichts zu tun.

[05.04.2022] N.:
So war die Zeit damals, sie hatten Angst, dass die Deutschen während des Überfalls auf die Sowjetunion helfen werden, deswegen wurden sie „verbannt“. Ich sehe, die Sorgen der Sowjets waren nicht umsonst … Auch egal.
Zur heutigen Zeit: was Ze. [Selenskij] gestern der NATO-Versammlung sagte, wie er offen aufrief, alle Russen in der ganzen Welt zu töten, ist nicht normal. Oder wurde hier auch nur die verkürzte Version gezeigt? Ich sehe, dass es hier auch schon geschieht, z. B. letzte Woche wurde ein Jugendlicher von ukrainischen Jugendlichen verprügelt und starb 6 Tage danach. Polizei hat sie nicht mal bestraft, nur zurück zum Heim gebracht. Ist es gerecht?

Für mich war damit das „Gespräch“ beendet. Die Sorgen der Sowjets waren nicht umsonst? … Spätestens nach diesem Satz wusste ich: Es ist sinnlos. Es hat nicht einmal Sinn, diese Frau darauf hinzuweisen, dass es 1937 noch keinen Krieg gab. Wie kann man mit so einem Menschen weiter reden, nach solchen Aussagen? Dabei ist die Frau selbst eine Deutsche (aus der damals noch UdSSR).


PS: Vorhin bin ich in einer ähnlichen Diskussion, jedoch von Putin-Anhängern geführt, gesperrt worden, zusammen mit Irina. Thema: Autokorso in Berlin, aber in russischer Sprache. Es gefiel ihnen nicht, was Irina und ich darüber zu sagen hatten. So viel zur Meinungsfreiheit. Wenigstens waren wir zu zweit, wenn auch gegen eine ganze Horde Patrioten. Und wir haben uns gut geschlagen. 😀

Katharina Martin-Virolainen im Nachtcafe, 01.04.2022
Katharina Martin-Virolainen

Autor:

Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern für meine Blogs und für die Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: "In der sibirischen Kälte" und "Andersrum". Einige meiner Texte sind auch als eBooks im Internet frei zugänglich.

29 Kommentare zu „Es macht mir Angst

  1. Liebe Rosa, tausend Dank dir und all den Anderen im „Odnoklassniki“-Forum, die weiter beharrlich versuchen, Aufklärung zu betreiben und sich so viel Zeit nehmen, den Dialog trotz allem aufrecht zu erhalten. 💖

    Mir macht die von dir geschilderte Entwicklung ebenfalls große Angst und auch ich stoße kräftemäßig immer wieder an meine eigenen Grenzen im Versuch, noch irgendwie mit den RelativiererInnen zu reden. 😿

    Daher ganz viel 🌞 und Kraft an euch… Es ist wundervoll, was ihr macht. 😻

    Herzlichste Grüße! VVN

    P.S.: ist es OK, deinen Beitrag zu teilen? 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke euch!
      Es ist mühsam, aber schweigen und wegsehen hilft keinem. Um so mehr reißen die Putinversteher dann die Mäuler auf und fühlen sich womöglich noch bestätigt. Das darf nicht passieren.
      Du kannst gern meinen Beitrag teilen, Valentin, warum auch nicht? 👍
      Herzliche Grüße 💕
      Rosa

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Rosa,
    vielen Dank für den Einblick, den du über diesen Beitrag uns gewährt hast.

    Ja..Es ist schwer auszuhalten, wenn Menschen einen Krieg sogar befürworten und sie dabei das Leid und die Not derer, die schwer vom Krieg getroffen sind, einfach ausblenden.

    Was die Akzeptanz z.B. was die Pandemie betraf, verhielten die Menschen ja ähnlich. Sie blendeten die Gefahr, die vom Virus ausging einfach aus und beschuldigten die Aufklärer sogar der Lüge.

    In Konflikten verhalten Menschen sich immer so und zeigen dabei ihr wahres Gesicht noch deutlicher, wenn sie durch ihr Umfeld darin gestärkt sehen.

    Unter ihnen gibt es Menschen, die ohne ein Feindbild nicht auskommen. Und dieses wird durch Menschen wie z.B. Putin nur noch in seine Richtung gelenkt. Putin zeigt ja auch erst jetzt sein wahres Gesicht, d.h. er hat sich für die Welt nur klein gemacht, damit niemand den BigBoss in ihm sieht. Die Ukraine hatte er wohl schon lange auf dem Zettel. Er hatte nur auf den besten Zeitpunkt gewartet. Die Pandemie hat der Demokratie arg zugesetzt, die Wirtschaft konnte auch nur abgeschwächt durch die Zeit kommen. Dem Staat hat die Pandemie etliche Milliarden gekostet und nun kommt noch die Abhängigkeit von Gas u Öl für Europa. Ein EnergieEmbargo würde der westlichen Wirtschaft weiteren Schaden zufügen. Ein idealer Zeitpunkt für Putin und solange kann er auch nicht mehr warten…er ist ja schon 70 Jahre alt.

    In solchen Konfliktbeladenen Zeiten teilt sich sehr häufig die Gesellschaft, weil sie „Partei“ (dafür – dagegen) nehmen. Und für jede Seite wird verbal aus vollen Rohren geschossen. Bei den Russen jedoch nur eine Seite, die andere wurde gekappt und unter Strafe gesetzt.

    Die Frage ist, warum Menschen in solchen Momenten für Ihre Argumentation Grausamkeiten ausblenden und davon nichts wissen wollen? Ich habe dafür nur eine einzige Antwort. Sie haben Sorge, dass ihre Position, einen Krieg zu befürworten, in sich zusammen fällt. Und das passiert immer, wenn man der Wahrheit näher und näher kommt. Dann nimmt auch die Bissigkeit zu. Später will sich dann vielleicht keiner eingestehen, dass er sich geirrt hat.

    Und etwas anderes spielt noch eine wichtige Rolle. Es gibt mehr Menschen, als wir denken, auch hier bei uns in der Demokratie, die sich einen BigBoss an der Regierungsspitze wünschen. Und die Russen hatten in der Geschichte einen Zar, also auch einen BigBoss. Und Putin bedient das Bild des Zaren. Er tritt ja immer durch eine goldene Tür, (wie ein goldenes Tor) wenn er ans Rednerpult geht und seinem Volk etwas zu sagen hat. Und, das fiel mir kürzlich auch erst auf, er lässt sich auch gern allein von der Kamera begleiten, wenn er über einen Platz geht. Vielleicht will er damit einen eisamen Wolf demonstrieren, der, so wie wir nun alle wissen, als Wolf im SchafsPelz auf der politischen WeltBühne
    agierte.

    Liebe Rosa, wir dürfen nie die Hoffnung verlieren, das am Ende das Gute doch siegen wird. Das klingt etwas nach Märchen, aber historisch gesehen, konnte zumindest in Europa kein Machthaber wie Putin, in dem aggressiven Stadium, in dem er sich jetzt befindet, lange im Sattel halten.

    LG aus Rostock 🙋🏻‍♀️
    Ostseemaus

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Ostseemaus,
      vielen Dank für den ausführlichen und interessanten Kommentar, für deine Sicht der Dinge.
      Ich denke, du hast recht.
      „Sie haben Sorge, dass ihre Position, einen Krieg zu befürworten, in sich zusammen fällt. Und das passiert immer, wenn man der Wahrheit näher und näher kommt. Dann nimmt auch die Bissigkeit zu.“ Stimmt, sie werden immer bissiger. Ob sie dann später die Wahrheit erkennen werden? Wahrscheinlich eher nicht – sie werden der Meinung bleiben, alle Welt sei gegen Putin, weil alle den Guten, den Kämpfer für Gerechtigkeit vernichten wollen (aus welchem Grund auch immer). In diesem Sinne. Russland ist eben eine Supermacht – so wird es den Russen schon ein ganzes Jahrhundert lang eingerichtet und es fällt ihnen schwer, sich von dieser Illusion zu trennen. Leider arbeitet die Lügen-Propaganda in diesem Land sehr überzeugend.
      Ich würde nur zu gern sehen, wie der „Gute“ von seinem Thron stürzt – mit Karacho. Hoffentlich geschieht das auch bald.
      Herzliche Grüße
      Rosa

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      1. Liebe Rosa,
        das mit der Lügenpropaganda kenne ich ja auch schon aus DDR Zeiten. Dafür gab es den Bereich, der sich Agitation und Prodaganda nannte. Ich arbeitete damals für die Partei hauptberuflich. Alle Medien mussten dem folgen und wehe, sie taten das nicht. Dann rollten Köpfe, die Verantwortlichen mussten gegen.

        Putin macht es genau so und als Volk möchte man zu gern glauben, daß man ein besonderes Volk ist.
        Das es nur Geschichten sind, die man ihnen erzählt, Geschichten, die nichts mit der Realität zu tun haben, das wollen und können die Menschen dann nicht glauben. Die Wahrheit würde Ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen.

        Im Falle der DDR hielt man damit das Volk unter Kontrolle, im Falle von Putin wird das Volk ebenfalls kontrolliert, aber Putin geht jetzt weiter und beansprucht sogar Raum/Land.

        Eine Buch „erzählende Affen“ geschrieben von Samira El Ouassil & Friedmann Karg beschäftigt sich damit, wie solche Geschichten von Politikern unser Leben bestimmten und immer noch bestimmen. Die wie sie diese Geschichten permanent in ihr Volk posaunen. Putin spricht ja unentwegt vom russischen Reich und das die Ukraine dazu gehört. Er spricht von der Entnazifizierung und spricht damit die Helden des 2. Weltkrieges an, die Hitler damals das Handwerk legten.
        Alles führt dazu, das sein Volk nationalistisch geprägt wird. Und wer diese Prägung nicht annimmt, verschwindet hinter Gitter im eigenen Land.

        Leider sterben im Putin-Krieg viele unschuldige Menschen. Die Ukrainer sowieso, denn sie verteidigen sich und ihr Land, aber auch Russen, die verblendet wurden und werden.

        Das empfohlene Buch gibt es zur Zeit im Buchhandel. Es ist gut zu lesen und hilft dabei, die eigenen Gedanken gut zu sortieren. So bist du für Gespräche besser berüstet.

        Auf der anderen Seite wird auch in solchen Situationen empfohlen, in solchen Gesprächen tatsächlich nur die andere Seite erzählen zu lassen und sie mit Fragen tiefer in das Thema eindringen lassen. Sie kommen dabei vielleicht auch selbst auf den Widerspruch, der in ihrer Argumentation ruht.

        Willst du sie von der Realität überzeugen, werden sie sich angegriffen fühlen und schon eskaliert das Gespräch.
        Ich weiß, es ist nicht einfach zu ertragen, solch ausgemachten Unsinn anzuhören, aber vielleicht der einzige Weg, im Gespräch zu bleiben und darüber doch dem Gegenüber seine Verblendung bewusst zu machen. Damit nimmst du dir selber das Gefühl der Ohnmacht.

        Ob Putin bald seine Koffer packen muss, darüber spekulieren schon viele Sachkundige. Sie kamen alle zu dem Schluss, dass es noch viele PutinKöpfe in den oberen Reihen der russischen Regierung gibt. So, wie vor 30 Jahren die DDR Regierung in sich zusammenfiel, wird es im Russland wohl nicht klappen.
        Gegenwärtig können wir nur hoffen, dass die Ukraine standhält und der Krieg sich nicht weiter in Europa hineinzieht.
        Aber unser aller Leben wird der Krieg beeinflussen, so oder so. Die wirtschaftlichen Folgen spüren wir ja schon.
        Komme gut durch die Woche

        LG Ostseemaus 🙋🏻‍♀️

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      2. Liebe Ostseemaus,
        danke für deine Sicht der Dinge. Ja, es ist nicht gesagt, dass nach Putin jemand kommt, der dem Land auch wirklich guttut. Es wird sich viel verändern, vielleicht in der ganzen Welt. So viel ist sicher.
        Das ist ein guter Tipp – dem Gegenüber mit Fragen den Wind aus den Segeln nehmen und vielleicht damit ein wenig lenken. Merke ich mir. 😉
        Schöne Ostertage wünsche ich dir! 🌼
        Rosa

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    1. Lieber Michael,
      so gesehen, nützt es ja nicht viel, hier in Deutschland gegen den Krieg protestierend auf die Straßen zu gehen. Das müssten die Menschen in Russland machen, und zwar möglichst alle. Aber dort sind die meisten für Putin, und die anderen haben Angst. Kann ich verstehen – ich würde in Russland auch nicht ins Gefängnis wollen.
      Aber ja – gegen Coronamaßnahmen zu demonstrieren, weil sie angeblich der Freiheit beraubt werden, da waren viele ganz schnell zur Stelle. Dabei wissen sie wirklich nicht, was Freiheit ist. In die UdSSR müssten sie wenigstens für einen Monat versetzt werden, dann würden sie es am eigenen Leib erfahren.
      Herzliche Grüße
      Rosa

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    1. Es scheint wirklich sinnlos, mit denen zu diskutieren, aber manchmal packt einen doch die Wut, die Empörung und der Drang, sich zur Wehr zu setzen, zu sagen, was Sache ist. Ja, und dann merkt man wiederum – es hat keinen Zweck, es ist wie Öl, dass sie noch mehr befeuert, noch aggressiver macht. Das russische Volk kennt in der Gewalt keine Grenzen …
      Herzliche Grüße
      Rosa

      Gefällt 1 Person

      1. Dass das russische Volk als ganzes in der Gewalt keine Grenzen kennt, finde ich auch ungerecht. Aber „Öl“ und vor allem „Gas“ sind schon wichtige Stichwörter!

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      2. Gut, ich korrigiere 🙂 – nicht das gesamte Volk, aber ein großer Teil des Volkes, der Männer hauptsächlich. (Ich hatte, als ich das vorhin schrieb, an die schrecklichen Geschehnisse, angefangen mit Lenin, über Stalin bis zum heutigen Putin, gedacht). Leider ist die Gewalt, die Bereitschaft dazu extrem hoch, wie wir in der Ukraine sehen. Das spricht nicht gerade für die Gutmütigkeit der Russen.

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      3. Das kann man so sehen, man könnte auch meinen, dass das russische Volk extremes Pech mit seinen Anführern hatte. Ich finde überhaupt, dass praktisch die gesamte Welt ein Führunsproblem hat …

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  3. Wenn ich eines in fast 68 Lebensjahren gelernt habe, liebe Rosa, dann, dass es ein aussichtsloses Unterfangen ist, sich an verbohrten Weltansichten Einzelner zu reiben. Sie leben auf einer unerreichbaren, überbevölkerten Inselgruppe im Meer der Uneinsichtigkeit und Ignoranz!

    Ein Volk, auch wenn es groß und durch schon pränatal verabreichte Lügen und Propaganda fehlgeleitet wurde, kann nicht dauerhaft so blind bleiben oder den Verstand auf dem Abort verloren haben, um nicht zu erkennen, WEM sie kollektiv auf den Leim gehen. Und wenn russische Soldaten sich durch Barbarei, durch psychopathisches Morden und durch lustvolles Gemetzel als Grauen erregende Monster zu erkennen geben, so zeichnet einzig ihr/e Führer dafür verantwortwortlich! Putin ist somit das für die Verrohung verantwortliche Obermonster und wenn er stürzt (das wird er!), warten in der Schlange schon die neuen Scheusale. So lange, bis das russische Volk sich endlich erhebt und in unserem Jahrhundert ankommt! Der Aufschrei, die Demos und Sanktionen demokratischer Länder können allenfalls dem Volk auf die Sprünge helfen, um sich frei zu machen, aber die Bestien und ihre Claqueure auf oben benannter Inselgruppe (ja, eine Insel heißt ‚Isla Querdenker‘) erreicht leider niemand mehr.

    Traurig bin ich aber auch darüber, wie selektiv unser Mitgefühl für das unbeschreibliche Leid der Kriegsopfer ist. Ja, die Ukraine ist europäischer Boden und uns in vielerlei Hinsicht nah. Aber ein paar Kilometer (was sind heutzutage schon geografische Entfernungen?) weiter betrifft es die Türkei, Armenien, den Irak oder in Nordafrika Libyen und Somalia, ganz Zentralafrika oder in weiterer Ferne Kolumbien oder Haiti. Überall Konflikte, Katastrophen, Krisen, Gräuel und humanitäres Elend. Wir sind Lichtjahre entfernt von einer lebenswerten, gerechten Welt und haben nur stets den eigenen Teller im Sichtfeld. Und dann gibt es Querdenker, die sich allen Ernstes existenziell ‚bedroht‘ sehen?

    Ich staune, wie viel ich geschrieben habe, wo ich doch eigentlich sprachlos bin!

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    1. Liebe Heather,
      wahrscheinlich hat Dich gerade die Sprachlosigkeit dazu verleitet, so viel zu schreiben. 😉 Aber Spaß beiseite, zu ernst ist das Thema.
      Ich habe auch schon eingesehen, dass es fruchtlos ist, mit solchen Menschen zu diskutieren, zumal sie sofort aggressiv und verbal ausfällig werden. Die Russen sind ja bekannt für ihre Schimpftiraden unter jedem Niveau. Sogar in einer völlig normalen, friedlichen Unterredung können die Männer nicht anders, als jeden Satz mit Fluchworten zu verseuchen. Und Frauen machen es ihnen nach.
      Es ist wirklich noch nicht gesagt, dass nach Putin jemand an die Macht kommt, der besser als er sein wird. Dem russischen Volk steht noch einiges bevor. Aber vielleicht haben sie Glück, wünschenswert wäre es.
      Ich finde es auch traurig, dass das Mitgefühl in unserem Land so selektiv ist, dass nicht alle Flüchtlinge gleich Flüchtlinge sind. Woran liegt das? Daran, dass die einen „fremdartiger“ sind, als die anderen? Daran, dass gerade Russland diesen unmenschlichen Krieg führt? Weil wir Angst haben, da wir nicht weit weg sind und auch betroffen sein können? Aber vielleicht lernen wir daraus und werden Flüchtlinge, die nicht aus Europa kommen, mit anderen Augen sehen? Ich hoffe es.
      Herzliche Grüße
      Rosa

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      1. Genau da liegt aber der Hase im Pfeffer: Wir hoffen auf Änderung (passiv), aber wir verändern uns nicht (aktiv). Die Geschichte hat uns schon so viele Chancen gegeben, zu erkennen, was falsch oder richtig, gut oder böse ist. Nach den Katastrophen geloben wir Besserung, um sofort da weiterzumachen, wo wir zuvor ‚gestört‘ wurden. Unser Mund sagt „Oh, wie furchtbar, die armen Menschen!“, doch unsere Hände raffen, grabschen, hamstern und bunkern Lebensmittel gleichzeitig ohne Sinn und Verstand, bzw. um die Sachen für horrendes Geld weiter zu verhökern.
        Wieviel Egoismus verträgt die Welt?

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  4. Liebe Rosa,
    es ist wirkich schlimm und beängstigend und auch niederschmetternd. Offensichtlich ist die Putinsche Propaganda sehr wirkmächtig – in Russland selbst (obwohl ich persönlich von Menschen weiß, die „dagegen“ sind, aber wie sollen sie sich zusammenschließen zu einem gemeinsamen Protest? Ich hätte auch Angst). Es ist ein geschlossenes Argumentationssystem und wer daran glauben will und keine anderen Möglichkeiten der Information hat, der findet Bestätigung. Ich habe – nur zweimal, zu mehr hatte ich nicht die Kraft – übers Internet geschaut, was das Staatsfernsehen in Russland so zu sagen hat. Die Mär von den bösen Faschisten, gegen die sich Russland wehren muss, wird sehr „überzeugend“ immer wieder betont, den Leuten wird eingeredet, dass Russland in Gefahr sei, die russische Kultur, die Menschen in Russland, dass nun alle zusammen halten müssten.
    Schlimm ist, dass diese Propaganda auch bis hierher in Deutschland wirkt und hier auch Menschen erreicht, die keinen „russländischen“ Hintergrund haben, die der russischen Propaganda mehr glauben als den westlichen Medien.
    Alles in allem – ich bin verzweifelt, erschöpft, tieftraurig und beunruhigt.
    Ines

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Ines,
      weißt du, ich habe auch einmal ins russische TV reingesehen, ebenso übers Internet … Es war unheimlich, weil es so ernst und überzeugend klang. Ich ertappte mich sogar bei dem Gedanken: Ist da nicht doch etwas Wahres dran? Gleichzeitig war ich mir sicher, dass es eine Lüge ist. Ich habe gelesen, dass die Fernsehmoderatoren und Propagandisten in Russland speziell ausgebildet werden, mit Schwerpunkt „Gehirnwäsche“. Wen wundert es dann, dass die meisten ihnen glauben? Andererseits müssen die Bürger doch auch mitbekommen, wie Menschen verhaftet werden und einfach so weggesperrt, es sogar am eigenen Leib erfahren? Geschweige denn von vielem anderem, was in dem Land öffentlich passiert?
      Ich bin ratlos und noch nie habe ich mich so hilflos gefühlt …
      Herzliche Grüße
      Rosa

      Gefällt 2 Personen

      1. Liebe Rosa, ich bin Dir sehr dankbar für die Einblicke in die russischen Medien, in russische Diskussionen und in Deine persönliche Wahrnehmung, Erfahrung und Haltung!
        Obwohl hier schon so viel Kluges und Interessantes gesagt worden ist, das ich mit Interesse gelesen habe, muss ich Dir einfach auch noch meine Wertschätzung ausdrücken.
        Und übrigens, mein Vater erzählte uns oft aus seiner Zeit in Russland, aus den 40er Jahren, in denen er mit den Deutschen kämpfen MUSSTE als 20ig-Jähriger Soldat (und schließlich einen Kopfschuss erlitt). Wenn sie ein Dorf überfallen mussten und in die Häuser eindrangen, so habe er die Menschen begrüßt mit: Hitler nix gut, Stalin nix gut. Die Menschen in den Häusern sollten keine Angst haben, er wolle ihnen nichts tun, er (und seine Kameraden) brauchte(n) nur ein Dach über dem Kopf. Das fällt mir oft ein: Hitler nix gut, Stalin nix gut.

        Gefällt 2 Personen

      2. Liebe Elsa,
        danke für Deine Wertschätzung! 💗
        Ja, gegen Putin-Versteher anzukämpfen, ist ziemlich sinnlos. Und wenn sie nicht mehr weiterwissen, dann kommen persönliche Beleidigungen zum Einsatz. Für mich ist dann die Diskussion zu Ende – auf deren Niveau lasse ich mich nie ein.
        „Hitler nix gut, Stalin nix gut“ – das war die richtige Begrüßung! Wobei – Stalin hat Hitler weit übertroffen. Ich habe schon viel davon gehört und gelesen, dass die deutschen Soldaten die Zivilisten gut behandelten, was man von den sowjetischen Soldaten nicht behaupten kann. Sie waren grausam, töteten ohne Rücksicht, vergewaltigten und plünderten. Heute, wie wir sehen, ist es leider nicht anders
        Schöne Ostern wünsche ich Dir.
        Herzliche Grüße
        Rosa

        Gefällt 1 Person

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