Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Orden des mütterlichen Ruhms

In einer Schubladenecke zwischen den alten, noch aus meiner früheren Heimat mitgebrachten Zeugnissen, Scheine und Urkunden, fand ich neulich ein kleines festes, rotes Büchlein – ein sogenanntes Orden-Zertifikat (Орденская книжка). Ausgestellt wurde es 1959 auf den Namen und zu Ehren meiner Mutter, die im Oktober 1957 (damals war sie 44 Jahre alt) ihr siebtes und letztes Kind zur Welt gebracht hatte. Der Orden selbst muss wohl noch in Russland abhandengekommen sein. Meine Schwester (die Verursacherin sozusagen) besitzt ihn jedenfalls nicht, kann sich aber noch erinnern, wie er aussah und auch daran, dass ihr zur Hochzeit von den Eltern 600 Rubel überreicht worden waren, eine Summe, die im Laufe der Jahre aus dem Kindergeld zusammenkam. Ich weiß nicht, wie lange das Geld gezahlt wurde, aber es waren 10 Rubel im Monat. Ein lächerlicher Betrag, der immerhin zu einem schönen Hochzeitsgeschenk angewachsen worden war, wenn man bedenkt, dass ich als Bibliothekarin (zum Beispiel) nicht mehr als 90 Rubel monatlich verdient hatte.

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