Veröffentlicht in Übersetzung, Memorial

Nicht im Krieg, nicht einmal in der Dürrezeit …

Erinnerungen von I. G. Hentosch

(aus dem Russischen von Rosa A. übersetzt)

Winter 1932-1933 in Rostow am Don. Ich bin sieben Jahre alt. Immer öfter höre ich das Wort Hunger. Es gibt auch andere neue Wörter: Essensmarke, Bons, Torgsin*. Torgsin ist für mich so etwas wie ein Märchen, ein Schlaraffenland. Mama bringt ihren Ring und ein paar silberne Löffel dorthin. Ich stehe am Schaufenster und sehe Würstchen, schwarzen Kaviar, Süßigkeiten, Schokolade, Törtchen. Ich verlange nicht danach – verstehe ich doch sehr gut, dass meine Mutter das nicht kaufen kann. Aber ich bekomme etwas Reis und ein Stückchen Butter.

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Nichts für Querdenker …

… Oder vielleicht doch?

Dokumentation im Fernsehen gestern Abend. Sehr sehenswert!

https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/geklaute-geschichte---querdenker-und-unsere-vergangenheit-100.html

Es empfiehlt sich auch, das Geschehen der letzten Tage auf den Straßen Russlands vor Augen zu halten – davon gibt es massenhaft im Internet und auf Facebook. Erschreckende und erdrückende Bilder und Videos, die allen zu denken geben sollten.

Video vom 31.01.2021
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Bin ich gegen die Demokratie?

Immer wieder lese ich darüber, auch hier – bei WordPress – dass Angela Merkel und Co. uns in die Diktatur führen würden, dass sie sich das gar zum Ziel gemacht hätten. Bei Facebook sind manche Posts noch extremer. Dort wird die Impfung mit Mord gleichgestellt und Quarantäne mit dem KZ.

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Veröffentlicht in Übersetzung, Memorial

Im Januar 1938

Die Waffen in den Händen der kühnen Tschekisten, mit denen nicht nur Männer, auch Frauen, Kinder und alte Menschen getötet wurden, kühlten keinen Tag lang ab. Die Vollstrecker, treu dem „Führer aller Nationen“ hatten sie dauernd im Gebrauch. Jeder dieser Tage hat sich für immer als blutiger Fleck in die Geschichte Russlands eingebrannt.

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Das Alte von Neuem?

Dezember überstanden, wieder einmal. Der Januar und somit das Jahr 2021 nimmt seinen Lauf. Meine Stimmung hat sich gebessert. Bis zum nächsten Dezember oder bis zu irgendeinem Vorfall, der mich wieder aus der Bahn wirft. Da braucht es eigentlich nicht viel. Ich sage nur: Mein Kind. Meine Sorgen. Mein Sorgenkind. Das ist etwas, das ich nicht lösen kann, da hilft auch keine Therapie. Irgendwie muss ich allein einen Weg finden. Oder weiter mir selbst Angst machen, mich quälen …

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Veröffentlicht in Allgemein, Menschsein

Warum?

Ein Text über ein Thema, das in unserer Welt leider immer noch aktuell ist – auch in besinnlichen Weihnachtszeiten. Wird die Menschheit irgendwann zur Vernunft kommen und anfangen, ihren Planeten, das Leben zu schätzen und zu schützen? Ich habe da, ehrlich gesagt, wenig bis gar keine Hoffnung.

Geschrieben im August 2011 …

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Veröffentlicht in Persönliches, Psyche

Graues Grinsen

Jedes Jahr hoffe ich, dass ich „diesmal“ von ihrem Besuch verschont bleibe. Aber nix da – sie kommt, ohne auch nur anzuklopfen, und macht sich wie selbstverständlich in mir breit. Sie weiß – es ist ihre Zeit, der letzte Monat ist für sie quasi reserviert. So war es schon immer … Und so wird es auch bleiben, sagt sie mir und grinst selbstgefällig. Sie vertreibt meine Lebensfreude, sät dafür nagende Unruhe, Hoffnungslosigkeit, Schwermut und noch einiges mehr von dieser Art Empfindungen. Sie holt meine Sorgen um Menschen, die mir lieb sind, in den Mittelpunkt und lässt sie langsam wachsen, bis hin zur Unerträglichkeit. Sie versteht und beherrscht es gut, die Seele zu quälen – dafür ist sie geschaffen. Das ist ihre Aufgabe, ihr Lebensziel. Aber ich habe andere Ziele, sage ich ihr voller Verzweiflung. Sie schweigt darauf bloß und hört nicht auf zu grinsen. Ich weiß, sie wird nicht einfach so nachgeben – ich muss die „Notbremse“ ziehen … Es gefällt ihr nicht, das Grinsen verblasst in ihrem Gesicht und all‘ die Abscheulichkeiten, die sie in ihrem Gepäck hat, werden etwas leichter …
Wenn endlich der Dezember vorbei ist, verabschiedet sie sich und zieht von dannen. Mit der getanen Arbeit ist sie zufrieden, nun braucht sie eine Abwechslung – jemand anderes, den sie weiter demütigen kann. Zum letzten Mal dreht sie sich um und zwinkert mir zu: „Bin weg, komme aber wieder – verlass dich drauf!“
„Wir werden sehen, hau bloß jetzt ab!“


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Feedback der besonderen Art

… und das Autorenherz schlägt höher. 💗

Eine Leserin aus Hemer ist so sehr von meinem Buch „In der sibirischen Kälte“ beeindruckt, dass sie das Buchcover nachgemalt und das Bild vor ihrer Haustür aufgestellt hat.

Ich bin überwältigt …

"In der sibirischen Kälte" von Rosa Ananitschev
„In der sibirischen Kälte“ (Buchcover)
"In der sibirischen Kälte" - Autobiografisches von Rosa Ananitschev
Autobiografisches

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Zum Thema Diktatur – Mischas Verbrechen

Diesen Beitrag schrieb ich vor fast genau drei Jahren und heute möchte ich ihn noch einmal veröffentlichen – aus aktuellem Anlass.

In Gedenken an alle, die in den Zeiten des kommunistischen Terrors und unter Stalins Regime leiden und sterben mussten.

Übersetzung (von mir) aus dem Russischen und Fotos – mit freundlicher Genehmigung von Andrej Schalajew – dem Gründer und Betreiber der russischen Internet-Plattform Bessmertny Barak

Wir wissen nicht viel über das Leben von Mischa Schamonin, nur – wie es zu Ende ging. Er war ein Straßenkind und dreizehn Jahre alt, als er am 4. Dezember 1937 in Hungersnot zwei Brotlaibe stahl. Dabei wurde er erwischt und der Miliz übergeben. Es passierte  in einem Laden, also war es Unterschlagung von Staatseigentum und somit ein besonders schweres Verbrechen. Kinder zu töten erlaubte Stalin schon 1935, indem er die Anwendung des höchsten Maßes an Sozialschutz – die Erschießung – ab dem zwölften Lebensjahr legalisiert hatte.

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