Der folgende Text diente einst als Vorlage für das Drabble „Der Farbmalkasten“. Er entstand etwa 1995, in jener Zeit, als ich eine Schreibwerkstatt besuchte. Natürlich habe ich ihn korrigiert und ein paar Sätze umformuliert, doch zu meinem Erstaunen gab es nicht viele Fehler. Ich glaube, ich kann ihn jetzt guten Gewissens in die Kategorie „Kurzgeschichten“ einordnen. 😃
Viele Kurzgeschichten habe ich zwar nicht vorzuweisen, doch selbst die wenigen finden kaum Beachtung. Nicht, dass ich sie für herausragend hielte – aber manche sind es durchaus wert, gelesen zu werden. Alle bereits veröffentlichten Texte – in Anthologien, online und in meinem Blog – findet ihr hier in diesem Karussell. Bei Interesse einfach auf den gewünschten Beitrag klicken, und schon seid ihr mitten in der Geschichte. Viel Vergnügen!
„Also, es war ein schöner, sonniger Herbsttag und ich war sechs Jahre alt. Mit wem ich auf dem Streifzug durch den großen Garten unterwegs war, kann ich nicht genau sagen, vermutlich mit der damals achtjährigen Mascha. Jedenfalls hatten wir unsere Unterhosen mit Äpfeln gefüllt …“
„Auf dem Kartoffelacker verschwand der Schnee immer am schnellsten, weil er ja nicht so fest getrampelt war. Darauf wartete ich schon sehnsüchtig, um mit meinen Feldforschungen loszulegen. Ja, ich hatte meine Bedenken – das gebe ich zu –, aber die Erde sah so schwarz, so trocken, so verlockend aus. Kein Fleckchen Schnee mehr, keine Wasserpfützen. Ich wagte es, über den Boden zu laufen, und anfangs ging auch alles gut – fast bis zur Mitte des Feldes. Dann spürte ich plötzlich, wie meine Beine durch das anhaftende Erdreich immer schwerer wurden, und ehe ich mich versah, steckte ich fest. Ich erstarrte vor Schreck, denn der Boden unter meinen Füßen gab mehr und mehr nach. Ich versuchte, ein Bein aus der Erde herauszuziehen. Es gelang mir, allerdings ohne den Gummistiefel – der wollte nicht mit. Was sollte ich tun? Ich sah mich um – kein Mensch zu sehen. Ich war allein! Mitten im Morast! Mich überkam die nackte Panik. Die Vorstellung, in der aufgeweichten Erde zu versinken, war grauenhaft.
(Mit Fragmenten aus dem autobiografischen Buch „In der sibirischen Kälte“).
„Hättest du Lust auf eine Reise?“ Die Großmutter lächelt ihre Enkeltochter an. Julia wundert sich. „Jetzt, bei dem schlechten Wetter? Es regnet doch!“ „Das Wetter kann uns überhaupt nichts anhaben, denn es ist eine besondere Reise. Eine, die kein Fahrzeug braucht, sondern nur die Kraft unserer Vorstellung.“
Julia ist neugierig: „Wohin soll es denn gehen?“
„Tausende Kilometer weg von hier – in ein weites Land und in ein Leben, das ganz anders ist, als du es gewohnt bist.“