Veröffentlicht in Literatur, Rezension

Das Leben hat ihn wieder

„Die Nacht dazwischen“ von Heather M. Kaufmann ist keine reale, sondern eine Fantasy-Geschichte. Dennoch hat sie viel mit dem wahren Leben gemein. Es geht darin um schmerzliche Verluste, um Schuldgefühle, um Wiedergutmachung. Aber kann man noch etwas wiedergutmachen, wenn ein geliebter Mensch für immer von uns gegangen ist? Wir wissen, dass es nicht möglich ist, ihn zurückzuholen, ihn noch einmal zu umarmen, ihm das zu sagen, was man zu Lebzeiten versäumt hat, zu sagen.

Der zwölfjährige Lenny macht eine abenteuerliche, hindernisreiche und gefährliche Reise, geführt und unterstützt von einem sonderbaren Mädchen, das gar nicht existieren dürfte. Aber so ist es nun mal in märchenhaften Geschichten. Es gibt immer jemand, der heldenhaft, hilfsbereit ist und einem zur Seite steht, und es gibt denjenigen, der boshaft, leidbringend und aufs Vernichten aus ist, und dem der Kampf angesagt werden muss.

Der Junge soll seine in der Zwischenwelt gefangene Zwillingsschwester befreien, deren Tod er noch nicht verarbeitet hat, weil er sich schuldig fühlt für das, was passiert ist. Diese schreckliche Last raubt ihm den Schlaf und die Lebensfarben.

Alle seine Fähigkeiten werden auf die Probe gestellt. Wozu ist er bereit, um am Ende das zu erreichen, was sein sehnlichster Wunsch ist? Wie geht er damit um, dass es nicht wirklich nach seinem Plan läuft? Ja, die Enttäuschung ist groß. Und doch bereichert ihn diese Reise, gibt seinem Denken einen neuen Anstoß und lenkt es in eine andere Richtung.

Lenny hat eine lange Nacht, wahrhaftig zwischen Sein und Nichtsein, hinter sich. Obwohl er keine Erinnerung davon behält, kehrt er verändert in sein Zimmer zurück. Der Junge hat gelernt, das Leben in all seinen Regenbogenfarben zu schätzen, aber auch zu akzeptieren, dass es nicht immer nach eigenen Wünschen geht, dass es manchmal notwendig ist, loszulassen. Loszulassen, um einen anderen Menschen zu befreien, aber auch um die eigene Freiheit zu erlangen. Nur so ist man offen für neue Erfahrungen. Und ihn erwartet etwas Neues – eine überraschende Wende in seinem Leben. Vielleicht ist es die Belohnung für das, was er in der Nacht geleistet hat? … Vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? … Das Leben hat ihn auf jeden Fall wieder.

Fazit: „Die Nacht dazwischen“ ist ein großartiges und, im wahrsten Sinne des Wortes, fantastisches Buch für Kinder und Jugendliche. Aber auch ich als Erwachsene habe es gern gelesen!

Bild von Tomislav Kaučić auf Pixabay

Autor:

Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern für meine Blogs und für die Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: "In der sibirischen Kälte" und "Andersrum". Einige meiner Texte sind auch als eBooks im Internet frei zugänglich.

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