„Wenn ich heute aus dieser Weite, einer Weite, die weniger in Kilometern als vielmehr in Zeit gemessen wird, zurückblicke, erscheint mir die Vergangenheit zugleich unglaublich fern und seltsam nah. Dann denke ich über den Sinn meines Lebens nach.
In meinem Leben ist in jüngster Zeit einiges passiert, und ich befürchte, es wird noch mehr geschehen – das Jahr ist schließlich noch nicht zu Ende. Vielleicht lassen mich gerade deshalb die Gedanken über den Tod nicht los.
Meine jüngere Schwester ist Baptistin und lebt streng nach der Bibel. Also ist sie sicher, dass sie in den Himmel kommt. Dort will sie unbedingt auch mich sehen; sie weiß, dass ich, obwohl lesbisch, obwohl ungläubig, ein guter Mensch bin, und sie liebt mich. In den Himmel komme ich jedoch definitiv nicht, wenn ich bis zum bitteren Ende Gott leugne …, sagt sie. Demzufolge fehlt mir nur diese eine „Kleinigkeit“ – das Nichtleugnen der göttlichen Existenz. Tja, und da liegt das Problem, denn ich kann mich selbst zum Glauben weder überreden noch zwingen, ebenso wie es kein anderer kann. Oder soll ich den Glauben vortäuschen? … Insofern bleibe ich, wie ich bin, und versuche, weiterhin nichts Unrechtes zu tun, ganz ohne die Angst vor Gottes Strafe.