Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Im Schatten

Alles, was in Deutschland nicht zu gebrauchen war, ließ ich in Russland zurück, nicht nur materielle Dinge, auch veraltete Lebenseinstellungen und sogar einige Gewohnheiten im Alltag. Nur die Depression konnte ich nicht abwerfen, sie blieb in meinen Schatten hängen und sobald sie die erstbeste Gelegenheit bekam, trat sie hervor. Lange hatte sie nicht warten müssen, schon bei der Ankunft am 4. Dezember 1992 im Frankfurter Flughafen schlug sie erbarmungslos zu. Seitdem läuft sie zwar meistens nebenher, findet jedoch ab und an immer noch ein passendes Schlupfloch, um sich zu zeigen und mir den Weg zu erschweren.

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Veröffentlicht in Übersetzung, Memorial

Nicht im Krieg, nicht einmal in der Dürrezeit …

Erinnerungen von I. G. Hentosch

(aus dem Russischen von Rosa A. übersetzt)

Winter 1932-1933 in Rostow am Don. Ich bin sieben Jahre alt. Immer öfter höre ich das Wort Hunger. Es gibt auch andere neue Wörter: Essensmarke, Bons, Torgsin*. Torgsin ist für mich so etwas wie ein Märchen, ein Schlaraffenland. Mama bringt ihren Ring und ein paar silberne Löffel dorthin. Ich stehe am Schaufenster und sehe Würstchen, schwarzen Kaviar, Süßigkeiten, Schokolade, Törtchen. Ich verlange nicht danach – verstehe ich doch sehr gut, dass meine Mutter das nicht kaufen kann. Aber ich bekomme etwas Reis und ein Stückchen Butter.

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Veröffentlicht in Kurzgeschichte, Literatur

Julia schreibt

Julia ist meine Enkeltochter (geboren 2008) und ein sehr lebhaftes und fröhliches Mädchen. Sie erzählt gern, was sie so tagsüber in der Schule, zu Hause oder mit Freunden erlebt, sie lacht viel und fühlt sich wohl mit Menschen, die sie liebhat und die sie lieben.
Zu meiner Freude hat Julia entdeckt, dass nicht nur das Erzählen, sondern auch das Schreiben großen Spaß macht. Vielleicht hat sie das von ihrer Oma geerbt – wer weiß? Jedenfalls hat Julia angefangen, kleine Geschichten über Igor und seine Familie zu schreiben. Selbstverständlich habe ich ihr ein wenig geholfen – hier und da etwas verbessert, die Verbesserungen mit ihr besprochen und erklärt, warum ich es so richtiger finde.
Mit der Erlaubnis ihrer Eltern und zu Julias Begeisterung habe ich für ihre Geschichten eine Seite in meine Homepage eingebunden. Eine dieser Geschichten – Geschichten der Familie Müller 🙂 – möchte ich euch hier vorstellen. Die nächste ist übrigens schon in Arbeit 😉

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Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches, Psyche

Positiv ist mehr

Mit positiven Gedanken der depressiven Stimmung entgegenwirken, auch wenn sie sich bereits nachts in deine Träume eingeschlichen hat? Ist das überhaupt möglich?
Um darauf zu antworten, will ich erst einmal eine Liste der guten Dinge zusammenstellen. Die Liste des Negativen darf allerdings dabei nicht fehlen.
Eins vorweg: Alle Beispiele und Vergleiche mit dem anderen Land betreffen die Zeit vor meiner Aussiedlung nach Deutschland. Darüber, wie es in Russland heute aussieht, will ich nicht spekulieren, dazu fehlt mir die eigene Erfahrung. Allerdings, demnach, was ich so alles im Netz lese, sehe und höre, wage ich zu bezweifeln, dass es wesentlich besser geworden ist.

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Veröffentlicht in Persönliches, Psyche

So war es und so ist es – Im Krankenhaus

Sechsundzwanzig Jahre schon lebe ich in Deutschland und muss zugeben, ich vergleiche immer noch – dieses Land mit dem anderen, den ersten Teil meines Lebens mit dem zweiten. Das geschieht ohne mein Zutun, die Gedanken sind einfach da – beim Einkaufen, beim Bus- oder Zugfahren, bei alltäglichen Erledigungen. Ich finde die Unterschiede stets aufs Neue erschreckend und bedrückend.
Da ich in den letzten Tagen oft die Wände einer Klinik von innen sehe, erinnere ich mich zwangsläufig daran, wie es einst in Russland für mich war, ins Krankenhaus zu kommen.

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