Veröffentlicht in Allgemein, Menschsein

Unfassbar

Seit zehn Tagen schon fühle ich mich innerlich wie gelähmt, hänge im Internet und verfolge das Geschehen. Mir fehlen die Worte. Dabei weiß ich, dass auch ich eine Stellungnahme abgeben muss, denn mein Leben ist tief verwurzelt mit dem Land, das jetzt einen Krieg führt – vor unser aller Augen, ohne Skrupel, eiskalt. Es ist unfassbar! Vor dem 24. Februar hatte ich noch gehofft, dass Putin nur Angst machen will und es nicht wagt, die Ukraine wirklich anzugreifen. Aber er hat es getan.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Kurzgeschichten

Es war einmal in Sibirien – Teil 3

Kurzgeschichte

(Mit Fragmenten aus dem autobiografischen Buch „In der sibirischen Kälte“).

„Also, es war ein schöner sonniger Herbsttag und ich sechs Jahre alt. Mit wem ich auf dem Streifzug durch den großen Garten unterwegs war, kann ich nicht genau sagen, vermutlich mit der damals achtjährigen Mascha. Jedenfalls hatten wir unsere Unterhosen mit Äpfeln gefüllt …“

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Es war einmal in Sibirien – Teil 2

Kurzgeschichte

(Mit Fragmenten aus dem autobiografischen Buch „In der sibirischen Kälte“).

„Auf dem Kartoffelacker verschwand der Schnee immer am schnellsten, weil er ja nicht so fest getrampelt war. Darauf wartete ich schon sehnsüchtig, um mit meinen Feldforschungen loszulegen. Ja, ich hatte meine Bedenken – das gebe ich zu – aber die Erde sah so schwarz, so trocken, so verlockend aus. Kein Fleckchen Schnee mehr, keine Wasserpfützen. Ich wagte es, über den Boden zu laufen, und anfangs ging auch alles gut – fast bis zur Mitte des Feldes. Dann spürte ich plötzlich, wie meine Beine durch das anhaftende Erdreich immer schwerer wurden, und ehe ich mich versah, steckte ich fest. Ich erstarrte vor Schreck, denn der Boden unter meinen Füßen gab mehr und mehr nach. Ich versuchte, ein Bein aus der Erde herauszuziehen. Es gelang mir, allerdings ohne den Gummistiefel – der wollte nicht mit. Was sollte ich tun? Ich sah mich um – kein Mensch zu sehen. Ich war allein! Mitten im Morast! Mich überkam die nackte Panik. Die Vorstellung, in der aufgeweichten Erde zu versinken, war grauenhaft.

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Es war einmal in Sibirien – Teil 1

Kurzgeschichte

(Mit Fragmenten aus dem autobiografischen Buch „In der sibirischen Kälte“).

„Hättest du Lust auf eine Reise?“ Die Großmutter lächelt ihre Enkeltochter an. Julia wundert sich. „Jetzt, bei dem schlechten Wetter? Es regnet doch!“
„Das Wetter kann uns überhaupt nichts anhaben, denn es ist eine besondere Reise. Eine, die kein Fahrzeug braucht, sondern nur die Kraft unserer Vorstellung.“
Julia ist neugierig: „Wohin soll es denn gehen?“
„Tausende Kilometer weg von hier – in ein weites Land und in ein Leben, das ganz anders ist, als du es gewohnt bist.“

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Lawes – das kleine Wunder – Teil 3

Kurzgeschichte

(Für Mikel)

*Vor dem Dienstschluss warf Keri schnell noch einen Blick auf den Bildschirm, dann ungläubig einen zweiten … und schrie so laut, dass alle im Gebäude glaubten, er sei in Lebensgefahr, und in den Beobachtungsraum stürzten.

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Lawes – das kleine Wunder – Teil 2

Kurzgeschichte

(Für Mikel)

*An dieser Stelle muss ich nun meinen Bruder Keri ins Spiel bringen, denn sein Name stand unter dem ersten erschreckenden Bericht über Lawes.

Keri war sehr aufgeregt, als er sich im Beobachtungsraum in den bequemen Sessel vor den großen Bildschirm setzte. Ab jetzt gehörte es zu seinen Aufgaben, die unbekannte Welt da draußen zu ergründen. Draußen – ein vager Begriff! Draußen war mit keinem Maßstab zu messen.

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Lawes – das kleine Wunder – Teil 1

Kurzgeschichte

(Für Mikel)

Normalerweise nahm sich Lukas genug Zeit für seine Hausaufgaben; es war ihm nämlich peinlich, aufgerufen zu werden und wie ein Idiot unvorbereitet vor der ganzen Klasse dazustehen. Aber heute hatte er es eilig. Der Tag war einfach zu voll mit Terminen und am allerwenigsten wollte er seinen Hip-Hop-Kurs ausfallen lassen, der in anderthalb Stunden begann. Also musste er sich sputen.
Er fuhr den Laptop hoch, wartete ungeduldig, bis dieser bereit war, und tippte in die Google-Zeile das Wort Naturkatastrophen ein. Das sollte das Thema seines Referates werden. Er wusste, dass es dazu Treffer ohne Ende geben werde, aber er hatte sich noch nicht auf einen konkreten Bereich festgelegt.

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Das bessere Geschenk – Teil 2

Kurzgeschichte

Erst im Nachhinein vermochte Simon die Dinge einander richtig zuzuordnen, denn ‚wie in Zeitlupe‘ war das Geschehen nicht abgelaufen! Nichts entsprach diesem Klischee und nur eins blieb grausame und unumstößliche Tatsache: Alina ist vor seinen Augen erschossen worden.
Nach Alinas Tod fand Simon tagtäglich nur mit großer Mühe aus den Qualen seiner Alpträume in die Wirklichkeit zurück, die keinesfalls besser war.

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Das bessere Geschenk – Teil 1

Kurzgeschichte

Der Tag fing gut an! Simon saß gerade bei der ersten Tasse Kaffee, als er den schon lange ersehnten Anruf erhielt. Der Anruf kam aus dem Theater, in dem er sich als Klarinettist beworben und auch schon vorgespielt hatte. Es war eine Zusage! Dass er sie gerade heute erhielt, hatte für ihn doppelte Bedeutung, denn an dem Tag hatte er vor einem Jahr Alina kennengelernt. Deshalb wollte er sie am Nachmittag zum Essen ausführen und hatte beim ‚Spanier‘ einen Tisch reservieren lassen. Danach hielt er eine weitere schöne Überraschung für sie bereit. Er hatte für Alina ein Musikstück komponiert, das er ihr zu Hause vorspielen wollte. Nicht der Hauch einer bösen Vorahnung, keine Spur von Unruhe trübten Simons Gemüt. Er war einfach nur glücklich.

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Welten

Kurzgeschichte

(Dies ist die erste meiner nicht allzu vielen Kurzgeschichten, 2010 online gestellt und 2019 überarbeitet). 😊

Sie fand das Büchlein im Bus. Es lag zwischen den Sitzen auf dem grauen Boden und war wegen seines ebenso grauen Umschlags kaum zu erkennen. Jennifer hätte es vielleicht auch übersehen, wenn sie nicht mit dem Fuß dagegen gestoßen wäre. Zuerst hielt sie es für einen ganz gewöhnlichen Taschenkalender, den jemand verloren hatte. Sie hob das Büchlein auf, durchblätterte es flüchtig. Es war kein Kalender. Fast bis zur Hälfte eng beschrieben, sah es eher wie ein Notizbuch oder ein Tagebuch aus – ein Minitagebuch. Unwillkürlich las Jennifer einen Absatz: „Schon der nächste Augenblick zeigt mir, wie sehr ich mich irre. Ich sehe sie kommen – Freunde, die bereit sind, mir in meiner schlimmsten Stunde beizustehen. Mein Hilferuf wurde vernommen, wie leise er auch gewesen sein mag. Ich bin nicht allein – eine überwältigende Erfahrung für mich …“

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Veröffentlicht in Musik, Persönliches

Balsam für die Seele

In dunklen Zeiten der Angst, einer Angst, die mich immer wieder heimsucht, besonders im Dezember, hilft mir die Musik. Das Ergebnis mehrerer Jahre – ist meine Sammlung ziemlich groß. Es sind Klänge, die mich direkt berühren, meine inneren Saiten anspielen; sie sind wie Balsam für meine Seele. Es darf keine Discomusik oder Ähnliches sein – die ertrage ich in solchen Momenten nicht, nein – die Melodien müssen sich meinem Gemütszustand anpassen, mit mir fühlen, trauern und weinen können. Dann denke und spüre ich, dass es sich doch lohnt, zu leben, auch wenn nur, um diese wundervolle Musik hören und genießen zu können. Dann wird der Schmerz erträglicher und ich weiß – ich bin nicht ganz verloren in dieser Welt; ich weiß – ich bin ein kleines, dennoch bedeutendes Teilchen des unendlichen Universums.

Veröffentlicht in Persönliches, Psyche

Wie immer

Der letzte Monat des Jahres und ich – wir vertragen uns nicht. Sobald der Dezember seinen Lauf nimmt, verändert sich unweigerlich auch meine Stimmung. Es wird dunkler in mir; etwas macht mich unruhig, nagt, zieht und zerrt an meinem Gemüt. Dieses Unheimliche holt alle meine Ängste ans Licht, lässt sie größer, bedeutsamer, schwerer werden. Die Angst um meine Lieben, besonders um mein Sorgenkind, macht sich im mir breit, die Furcht vor der ungewissen Zukunft lässt mich nicht los. Das bedrückende Gefühl, das Leben sei nicht lebenswert, ist wieder präsent – schwächer als im Moment einer Panikattacke, dennoch deutlich spürbar.

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Veröffentlicht in Kurzgeschichten

Die Hölle – Teil 2

Kurzgeschichte

So verging der erste Tag ihrer Einsamkeit. Maja schlief in der Nacht wider Erwarten gut und fühlte sich am nächsten Morgen etwas entspannter, obwohl der rechte Fuß genauso schmerzte, wie zuvor und sich an ihrer Lage nichts geändert hatte. Sie war jetzt weniger mit dem Versuch beschäftigt, ihre Angst und Ungläubigkeit zu bändigen; sie richtete ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Umgebung und deren eventuellen Veränderung, sah sich sehr genau die Wohnungsräume an, die Möbel, die Gegenstände und gewann tatsächlich das Gefühl, dass irgendetwas anders war.
War es ein bestimmter Blickwinkel? Ein geschärftes Wahrnehmungsvermögen? Ein besonderes Licht? Es kam Maja vor, als habe sich alles etwas verschoben, als sei das Tageslicht dunkler als sonst.

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Die Hölle – Teil 1

Kurzgeschichte

Zum Wortspiel: „Es war ein verdammter Sonntagvormittag wie immer – nur Luna war nicht da“.

Noch im Schlaf, aber wissend, dass sie träumt, spürte Maja die Panik wachsen. Sie musste sofort aufwachen, sie musste heraus aus diesem Traum, zurück in die Wirklichkeit, sonst war es zu spät. In einem verzweifelten Versuch sich zu befreien, schnappte sie nach Luft, schrie und riss die Augen auf …

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Schritte der Einsamkeit

Kurzgeschichte

Die Idee kam wie auf Flügeln daher, als habe der frische Wind, der heute durch die Stadt fegte, sie irgendwo aufgewirbelt und werfe sie jetzt mit anerkennendem Pfiff der verwunderten Frau direkt an die Stirn. Er zerzauste ihr das Haar, strich die Treppe empor und verschwand hinter dem Gebäude. Danach herrschte Stille.

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Veröffentlicht in Kurzgeschichten

Bügeleisentherapie

(Ein Krimi? … Ein modernes Märchen über zwei Waisenkinder und ihre böse Stiefmutter? … Oder einfach nur die Aufgabe, einen Text zum Bild zu schreiben, gut bzw. schlecht gelöst? Um das herauszufinden, bleibt dir nichts anderes übrig, als diese Geschichte zu lesen).

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Phänomen

Kurzgeschichte

Noch ehe David die Augen öffnet, weiß er – es wird ein herrlicher Tag. Er hört draußen im Garten die Vögel zwitschern und spürt die warmen Sonnenstrahlen auf der Nase. Seinem Gefühl nach muss es schon ziemlich spät am Morgen sein. Eigentlich ist er ein Frühaufsteher, aber heute – am Sonntag – darf er natürlich lange schlafen. David lächelt, reckt sich ausgiebig und springt aus dem Bett. Ein Blick auf die Uhr bestätigt seinen Verdacht – es ist kurz vor zehn.

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