Veröffentlicht in Autobiografie, Memorial, Persönliches

Das Grab meiner Mutter

Es ist für mich inzwischen so selbstverständlich – mein Leben im Wohlstand, in der Demokratie. Und doch denke ich oft an vergangene Zeiten, daran, was für ein Glück (im Unglück) ich hatte, in Russland als Deutsche geboren zu sein. Sonst wäre meine Familie dem totalitären Regime wohl niemals entkommen.
Eigenartig, dass das Land mir erst im Nachhinein wie ein Albtraum vorkommt. Als ich noch dort lebte und keine Alternativen kannte, schien mir mein Leben normal zu sein.
Ich hatte zu arbeiten und meine Kinder zu versorgen, mich um meinen Mann zu kümmern und meine Freundschaften zu pflegen. Natürlich hatte ich reichlich Kummer, aber auch viele Glücksmomente.
Was der Sozialismus wirklich bedeutet, zeigte sich den Menschen erst in den letzten Jahren der Sowjetunion. Denn als das morsche System in sich zusammenbrach, erblickten wir die zahllosen Leichen im Keller. Die ganze Welt erschauderte angesichts der unmenschlichen Verbrechen an der eigenen Bevölkerung.

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Veröffentlicht in Übersetzung, Memorial

Im Januar 1938

Die Waffen in den Händen der kühnen Tschekisten, mit denen nicht nur Männer, auch Frauen, Kinder und alte Menschen getötet wurden, kühlten keinen Tag lang ab. Die Vollstrecker, treu dem „Führer aller Nationen“ hatten sie dauernd im Gebrauch. Jeder dieser Tage hat sich für immer als blutiger Fleck in die Geschichte Russlands eingebrannt.

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Veröffentlicht in Memorial, Persönliches

Beschlossen – Ausgeführt

So unbürokratisch, so zügig, so routiniert (automatisiert, könnte man sagen) wurde meinem Großvater der Prozess gemacht – damals im Jahr 1937. Er war einer von zehn Angeklagten aus demselben Dorf und nur einer von vielen Millionen repressierten Menschen, die in Russland verurteilt, deportiert, in Lager gesperrt, gefoltert und hingerichtet wurden. Wenn ich die wenigen Zeilen aus dem Protokoll der sogenannten Troika lese – und viel mehr noch zwischen den Zeilen – dann wird mir ganz anders …

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