Veröffentlicht in Persönliches, Social Media

Der Vierjährige oder Schreiben macht frei

Mein Blog ist heute vier Jahre alt geworden. Klingt ein bisschen nach Kindergeburtstag, für einen Blog jedoch sind vier Jahre kein schlechtes Alter, um über Erfolge und Fortschritte berichten zu können und auch zu dürfen.
Alles hat mit einem NETzWorking-Kurs für Bibliotheksangestellte angefangen … dann konnte ich nicht mehr aufhören und der Blog wuchs über den Kurs hinaus – zu einem kleinen „Universum“. Meinem Universum.

Es ist viel passiert in dieser Zeit, sowohl virtuell als auch in Wirklichkeit.
Follower kommen und gehen, die meisten bleiben. Im Moment sind es 104 an der Zahl. Eigentlich überschaulich, wobei ich davon ein Teil als Schläfer bezeichnen würde und einige als desinteressiert an meinem Tun, da sie keine Reaktion zeigen.
Ob die „Schläfer“ irgendwann noch zum Leben erwachen und aktiv werden, ist schlecht einzuschätzen. Manchmal nehme ich mir vor, sie als Blogfreunde zu entfernen, zögere dann aber. Vielleicht findet der eine oder die andere doch noch zu seiner / ihrer Seite und zum Schreiben? Dann wäre es ja schade, wenn keine Fans mehr da sein würden, und derjenige oder diejenige alle wieder zusammensuchen müsste … Ist natürlich nicht mein Problem, aber ich werde die Verbindungen zunächst doch noch nicht kappen.

Am 16. Oktober 2017 also ging mein erster kurzer Beitrag, bestehend aus wenigen Worten, online:

Hallo, die Welt da draußen!
Ich habe es geschafft – einen Blog erstellt – und bin selbst noch ahnungslos und neugierig, was dabei alles herauskommt. Ich hoffe, nur Gutes. Zunächst aber als Gruß diese paar Zeilen von mir – ich muss mich hier noch umsehen und zurechtfinden.
😉
Bis bald!

Mittlerweile sind es 157 Artikel. Nicht besonders viel für ein virtuelles Tagebuch, das vier Jahre alt ist. Ich schreibe eben nicht täglich, auch nicht unbedingt wöchentlich, sondern wie es mir so in den Sinn kommt und wenn ich ein Bedürfnis dazu habe. Und ehrlich gesagt, gehe ich auch nicht immer meinem inneren Bedürfnis nach, sonst wäre es mehr. Manchmal gelingt es mir nicht, das in Worte zu fassen, was mich bewegt, oder, obwohl ich schon viel Persönliches preisgebe, traue ich mich doch nicht, über so einiges offen zu erzählen.
Trotz alledem tut der Blog mir gut. Schreiben ist befreiend!
Auch wenn die seelische Last nicht vollständig abgelegt werden kann, so verringert sie sich doch, wenn ich sie in Worten schwarz auf weiß ablade und vor mir sehe.
In diesem Sinne mache ich weiter, solange es geht und solange ich das Verlangen dazu habe. Irgendwann (ich hoffe, nicht allzu bald) werde ich verstummen, werde gar nicht mehr existieren.
Was geschieht dann mit „meinem Universum“? Verschwindet es im schwarzen Loch? Spurlos? … Sollte ich mir vielleicht jetzt schon Gedanken darüber machen?
Nun – heute nicht! Heute bin ich noch da. Heute schreibe ich noch. 😊
Herzliche Grüße an euch alle da draußen, die mein Universum regelmäßig oder auch nur gelegentlich besuchen und ein Herzchen oder ein Wörtchen dalassen. 💗

Nachfolgend noch ein Blogartikel, einer der meistbesuchten. Ich finde ihn selbst immer noch sehr schön. Aber lest selbst. 😉

Autor:

Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern für meine Blogs und für die Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: "In der sibirischen Kälte" und "Andersrum". Einige meiner Texte sind auch als eBooks im Internet frei zugänglich.

8 Kommentare zu „Der Vierjährige oder Schreiben macht frei

  1. Guten Morgen, liebe Rosa, und meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum Blog-Geburtstag! 💐🥂
    Ja, Schreiben ist das Ventil, durch das wir unseren Innendruck ein wenig reduzieren und einer Explosion vorbeugen können. Oder ist es womöglich umgekehrt und der Druck von außen muss reduziert werden, um im Fall innerer Leere nicht zu implodieren? Wie auch immer – es hilft!

    Wie Du, bin auch ich ein wenig enttäuscht über die nachlassende Kommunikation auf den Blogs, da hatte ich eine andere Erwartung/Hoffnung. Es scheint so, als wolle sich jeder nur noch selbst ‚erleichtern‘. Blogs werden zu Einbahnstraßen und wer fährt schon gerne durch Städte voller Einbahnstraßen? Wir wollen keine parkenden Autos sehen, wir wollen Gegenverkehr, Mitreisende, Überholer, Schleicher, freundliche Gesten, auch mal erbostes Hupen, Anhalten für Fußgänger … soziale Interaktion, geben und nehmen. Manchmal steht mir deshalb der Sinn danach, Blogs und Instagram-Account einzustampfen, um mich von diesem Druck zu befreien. Viele beklagen derzeit diese große Müdigkeit.

    Mir ist auch (das mag an unserem gleichen Alter liegen) der Gedanke nach dem ‚Danach‘ sehr vertraut und da mir irgendwo, irgendwann auf dem holprigen Lebensweg der Glaube aus dem Herzen gefallen sein muss, ich ihn auch nicht wiederfand, sehe ich für mich buchstäblich schwarz. Aber um so intensiver muss die Zeit von uns genutzt werden, denn wir mögen verschwinden, aber Partikel dessen, was wir zeitlebens waren, was wir taten und dachten und wofür wir eintraten , haben Bestand. Niemand erinnert sich heute noch an eine einzelne Frau, die einst am Kochfeuer vor ihrer Höhle saß und für die Sippe Büffelfleisch briet, aber wir alle tragen eine winzige Idee dieser Zeit und der folgenden Geschichte in uns. Wir müssen nicht selbst Größe erlangen (auch sie ist irgendwann vergessen), werden aber dauerhaft Teil von etwas unfassbar Großem sein. Ich kann mit diesem Gedanken leben und muss mit ihm sterben. Doch damit lassen wir uns noch ein wenig Zeit, okay? 😉

    Ich lese sehr gerne weiter bei Dir mit und wenn ich glaube, etwas sagen zu wollen, werde ich es tun, denn ich gehöre dem Team Klopfer (der schnuffige Hase aus Disneys „Bambi“ 🐰) an, aus dessen Schnütchen der berühmte Satz „Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man den Mund halten“ stammt. Das ‚Nettes‘ würde ich allerdings für mich streichen.

    Hiermit hinterlasse ich Dir sowohl ein Wörtchen als auch ein ❤️chen oder das WordPress- ⭐️chen !

    Liebe Sonntagmorgen-Grüße,
    Heather

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, liebe Heather!

      „Blogs werden zu Einbahnstraßen und wer fährt schon gerne durch Städte voller Einbahnstraßen? Wir wollen keine parkenden Autos sehen, wir wollen Gegenverkehr, Mitreisende, Überholer, Schleicher, freundliche Gesten, auch mal erbostes Hupen, Anhalten für Fußgänger … soziale Interaktion, geben und nehmen.“ Das hast Du schön gesagt, besser kann man es nicht ausdrücken.

      Jeder, der schreibt, möchte beachtet und gelesen werden. Zumindest. Warum das so simpel nicht funktioniert, ist schwer zu sagen. Manchmal denke ich: Es gibt mittlerweile mehr Schreibende als Lesende und so bleiben viele Blogs auf der „Einbahnstraße“. Ideal wäre doch – Lesende folgen Schreibenden, freuen sich über neue Themen, die sie ansprechend finden (oder auch nicht), liken, kommentieren, wenn sie es für nötig halten, erwarten jedoch von den AutorInnen keine Gegenleistung, lassen ihnen die Freiheit und die Zeit für ihr Schaffen. Leider ist es aber anders – nicht die reine Leserschaft folgt uns, sondern überwiegend wir selbst einander. Das führt dazu, dass wir nicht nur Zeit für den eigenen Blog uns nehmen müssen, sondern auch für das Lesen und Beachten der anderen. Ich habe, wie ich schon erwähnte, 103 (ab heute 104) Follower, folge selbst 144 Blogs. Gut, davon sind wiederum nicht alle aktiv, trotzdem ist es ein großer Aufwand, alle zu lesen. Man will ja keinen übergehen und es ist viel Interessantes dabei. 👍

      Mein eigenes Problem ist – ich bin noch bei einigen weiteren Plattformen angemeldet (BookRix, Belletristica, Lokalkompass … auch bei drei russischen, wo ich meine Übersetzungen einstelle), und überall wollen die Teilnehmer nicht nur bei mir lesen, sondern selbst auch gelesen werden. Ich schaffe es aber nicht, es ist einfach zu viel. Wahrscheinlich wäre es besser, sich auf 2 – 3 Accounts zu begrenzen und alle anderen deaktivieren, das bringe ich aber nicht übers Herz, steckt doch überall meine Arbeit – viel Arbeit – drin. 😔

      Ja, es ist eine große Frage: Was bleibt nach mir von alledem, was ich virtuell erschaffen habe (und nicht nur virtuell)? Ich habe mir vorgenommen, mich in der nächsten Zeit damit zu beschäftigen. Mein Blog und meine Homepage werden deaktiviert – so viel ist klar (obwohl ich das sehr schade finde), denn sie sind kostenpflichtig und wer soll für mich bezahlen?

      So wie Du, denke auch ich, dass ein Teil von mir – in welcher Form auch immer – der Welt erhalten bleibt. An Gott glaube ich von klein auf nicht, obwohl meine Eltern sehr religiös waren. Der Gedanke, dass es da jemand gibt, der über Menschen herrscht – der allerhöchste Diktator sozusagen –, ist mir einfach zuwider. So gütig kann er gar nicht sein, wenn er erwartet, dass ich ihn anhimmele und wenn ich das nicht tue, bestraft er mich. Um Mensch im wahrsten Sinne zu sein, muss ich nicht an einen Gott Gebete schicken, es reicht, menschlich zu bleiben. Vom Tod habe ich seit Kindesalter meine eigene Vorstellung, aber das ist eine längere Geschichte und schwer erklärbare Sache. Es ist mehr ein Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt. Es ist wie ein Teil von mir – von meinem Bewusstsein unzertrennbar. 🙂

      Ja, wir lesen uns, wir lesen bei den anderen, und wir hoffen, dass auch unsere Beiträge gelesen werden. Dafür schreiben wir. 🙂

      Viele herzliche Grüße
      Rosa

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      1. Du hast recht, liebe Rosa, diese Antwort hatte ich zwar gelesen, aber offen gelassen – Du weißt, wie´s ist: Die Gedanken sind schneller als die Hand und die Zeit verrinnt noch schneller. Ich denke, wir müssen uns mit der Tatsache arrangieren, dass nicht nur unser Leben, sondern auch unser Schaffen endlich ist. Mit Glück lebt in unseren Kindern etwas davon weiter, die den Staffelstab wiederum an die nächste Generation übergibt. Aber alle Erinnerungen und Erlebnisse, alle Ideen, Vorstellungen, Werte und Ideale werden durch Neues überlagert. Wie ein Speicherstick, der Information um Information überschreibt. Unser Leben ist nur für die uns geschenkte Zeit und die Menschen, die uns umgaben und umgeben, von Bedeutung und keines davon besteht ewig. Deshalb kommt es auf jede noch so kleine Geste oder Tat an, die wir in dieser kurzen Zeitspanne Mitmenschen angedeihen lassen, denn mehr Zeit haben wir nicht.

        Wir sind schon im Vorteil – wir können lesen, schreiben und für einen längeren Zeitraum ein Erbe hinterlassen. Denk´ nur an all die Leben, die ohne Gehör, ohne Stimme vergehen …

        Ein autobiografisches Buch ähnlicher Thematik, das ich kürzlich las, hat mich besonders berührt und nachdenklich zurückgelassen. Vielleicht findest Du Gelegenheit, es auch einmal zu lesen oder kennst es womöglich schon (Du bist ja vom Fach)? Es ist das letzte aus Henning Mankells Feder und trägt den Titel „Treibsand“.

        Es gibt übrigens gute Fotobuch-Plattformen, bei denen man Privatfotos und Texte in attraktive Layouts verwandeln und letztlich zu einem Fotobuch binden lassen kann. Ich habe auf diese Weise schon vor Jahren begonnen, alte, teils geerbte, Fotoalben neu zu gestalten (Fotoqualität durch Einscannen verbessert, mit erklärenden Texten versehen und vor allem stark komprimiert, da nicht mehr alles für die ‚Nachwelt‘ gleichermaßen interessant ist. Vielleicht konservierst Du so wichtige, von Dir verfasste Beiträge, zusammen mit Deinen Fotostrecken zu einem Fotobuch-Unikat, auf das Deine Söhne und deren Erben zugreifen können und sich alle Informationen etc. abrufen können? Ein Hybrid sozusagen, zwischen normalem Fotoalbum und veröffentlichtem Werk.

        Schreib´ gelegentlich, in welche Richtung Deine Ideen gehen, wenn Du magst.

        GlG, Heather

        Gefällt 1 Person

      2. Jeder von uns trägt seinen Teil zum allgemeinen Wohl bei – mit guten Gedanken und guten Taten. Ja, und ich hoffe, dass das Positive überwiegt und sich vermehrt … also, ganz simpel ausgedrückt. 🙂
        Das mit dem Fotobuch ist eine gute Idee, bloß besitze ich nur wenige alte Fotos. Früher, im Dorf, in Russland gab es kaum Möglichkeiten dazu – keine Fotoapparate und es war auch nicht so wichtig. Andere Dinge standen im Vordergrund. Ich denke eher an eine Sammlung meiner Beiträge im Selfpublishing. Oder an Veröffentlichungen auf einer kostenlosen Plattform, z.B. BookRix. Da habe ich ja auch mit dem Schreiben angefangen. Inzwischen ist BX auch nicht mehr das, was es einmal war, wegen der gleichen Problematik – zu viele Schreibende, zu wenig Lesende. Auch da „kocht“ mittlerweile jeder sein eigenes Süppchen und „gekostet“ wird kaum. Das sind so meine ersten Überlegungen.
        „Treibsand“ habe ich nicht gelesen, merke ich mir.
        Herzlichst
        Rosa

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  2. Liebe Rosa,
    Ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem Jubiläum! Vier Jahre sind schon sehr beachtlich, finde ich. Du schreibst ja nicht nur kurze Geschichten, sondern ausführliche, intensive Gedankengänge, die zum Nachdenken, Nachempfinden anregen. Ich lese und kommentiere nicht immer alles, aber das, was ich bisher gelesen habe, ist wertvoll.
    Mach so weiter, das Schreiben befreit, es tröstet, schafft Klarheit im Kopf und in der Seele, es gibt deinen Lesern viel, aber dir selber auch.
    Ganz liebe Grüße,
    Christel

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Christel,

      ich danke dir für deine herzlichen Worte. Es ist schön zu wissen, dass mein Schreiben so ankommt. Was will eine Autorin / Bloggerin mehr? 😃 Und deinen letzten Satz kann ich nur unterstreichen – so ist es. Und so ist es gut.

      Viele liebe Grüße
      Rosa

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