Wir waren gerade an Mikels Grab. Es ist immer noch mit Kränzen und Blumen übersät. Ich kann es kaum glauben, dass darunter, unter einer Erdschicht, mein Enkelkind liegt. Tot. Nie wieder wird er mir am Telefon sagen: „Hallo Oma! Wie geht es dir, was macht ihr heute Schönes?“ Nie mehr wird er Weihnachten mit uns am Tisch sitzen und uns sein Lächeln schenken.
Aber wie unbegreiflich und grausam es auch ist, es bleibt real und unabänderlich. Mikel ist nicht mehr da. Und ja, wenn ich könnte, würde ich ohne zu zögern den Platz mit ihm tauschen. Aber das Leben fragt nicht nach unserem Willen.
Nun sitze ich hier am Computer, starre auf Worte, die ich vor wenigen Tagen noch für wichtig hielt, und frage mich nach dem Sinn von alledem. Für Anfang Mai hatte ich einen Blogartikel vorbereitet – in einer Welt, die damals noch heil schien, nicht ahnend, was der 1. Mai uns nehmen würde … Jetzt lese ich diese Zeilen und denke: Was für ein belangloses Zeug. Wem nützt das? Wen interessiert es, was ich schreibe, wie ich meine Gedanken forme und ordne? Wozu das alles? In mir kommt der Wunsch auf, mich zurückzuziehen. Es sein zu lassen – das mit dem Blog, dem Schreiben, Facebook, Instagram und allem anderen. Andererseits würde es dadurch nicht besser werden – im Gegenteil. Grübeln hilft nicht, und sich weinend die Decke über den Kopf zu ziehen, hilft auch nicht. Ich habe mein Leben weiterzuleben und es zum Besten zu bringen, ganz gleich, was noch kommt.
Heute ist etwas Merkwürdiges geschehen. Auf dem Weg zum Friedhof begann, wie aus dem Nichts, im Radio genau das Lied, das während der Trauerfeier gespielt worden war – einer Mikels Lieblingssongs: „Die With A Smile“ von Lady Gaga und Bruno Mars. Es begleitete uns, ohne Unterbrechung, den ganzen Weg und verklang erst, als wir vor dem Friedhof parkten.
Ich glaube nicht an Zeichen, und doch war es in diesem Moment, als wollte Mikel uns zuflüstern: Hey, ich habe euch nicht verlassen. Ich bin bei euch. Auf meine Weise.


Wir müssen im Moment versuchen weiterzumachen, ganz egal wie komisch oder falsch sich das vielleicht anfühlt. Wir tun es für uns, aber ganz besonders für Mikel – so wie er es gewollt hätte. 🫂❤️🩹
Ja, liebe Julia. So schlimm es auch ist, wir müssen unser Leben weiter leben. Wir sind in dieser schweren Zeit füreinander da. Zusammen schaffen wir das. Und Mikel ist immer bei uns, in unseren Herzen und in unseren Gedanken. Für dich war er – und bleibt – der beste Bruder der Welt und für uns der beste Enkelsohn, neben der besten Enkeltochter. 🫂♥️
Dein Text ist sehr berührend und macht vielleicht annähernd nachvollziehbar, was ein derart grosser Verlust bedeutet. Fast hat er mich zum Weinen gebracht. Vielleicht ist das der Sinn des Bloggens – anderen unsere Welt verständlicher zu machen. Ich hoffe immer, dass das Schreiben – und das Lesen – uns mitmenschlicher macht. Aus der Ferne eine herzliche Umarmung.
Liebe Frau Frogg,
ich schließe mich Deinen Worten von ganzem Herzen an. Es sind auch meine Gedanken.
Ich lese mit großer Berührung und sehe ihn wie Du, den Sinn des Bloggens. Sich mitteilen, sich verständlich machen – immer mit der Möglichkeit, berührbar zu bleiben.
Liebe Rosa,
ich kann sehr gut verstehen, dass Dir der Sinn nach Rückzug ist. Gleichzeitig weißt Du, dass Du das Leben zu leben hast. Und dass Schreiben einiges bewegen kann.
Dieses Lied von Bruno Mars und Lady Gaga ist so hinreißend schön wie zutiefst schmerzhaft.
Ich habe wiederholt von Zeichen gelesen, gehört – und sie auch selbst erlebt. Ich glaube, es wird nicht bei diesem einen Zufall bleiben. Und ich möchte Dir auf diesem Wege mitgeben, dass alles, worüber Du schreibst, Lesende findet, die berührt sind und ihre Emotionen haben.
Ich wünsche Dir, all das zu leben, was Deine Momente aufhellt – für mich hoffe ich, dass Du weiterschreibst. Deine Gedanken bewegen und inspirieren, mit Sicherheit nicht nur mich.
Eine ganz liebe Umarmung, C Stern.
Liebe C Stern,
danke für Deinen Zuspruch und die aufmunternden Worte. Du hast recht – ich darf nicht aufgeben, auch wenn das, was ich tue, nur ein Tropfen im Ozean ist. Doch ich sorge dafür, dass es ein guter Tropfen und nicht der einzige ist und dass ich nicht allein damit bin. Viele Tropfen füllen den Ozean – das will ich mir immer vor Augen halten.
Herzliche Grüße
Rosa
Ja, da gebe ich dir recht. So verstehe ich das auch. Bloß im Moment finde ich nicht wirklich wieder ins Schreiben hinein, nicht wirklich ein Thema, denn alles erscheint bedeutungslos …
Ein lieber trauriger Gruß
Rosa
Liebe Rosa,
Ja, es scheint momentan bedeutungslos. Das ist selbstverständlich. Da ist eine tiefe Wunde der Trauer in dir, die jetzt deine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bitte achte gut auf Dich und deine Lieben, die mit dir trauern. Ja, ihr seid jetzt füreinander da und wenn es aktuell auf deinem Blog dieses Thema der Trauer gibt, dann sind es wertvolle Worte und Zeilen, die wir mitfühlen können, weil uns alle die Trauer auf unterschiedliche Weise im Leben trifft. Es sind wertvolle Texte, die daraus entstehen. Wertvoll, wenn sie dir und deiner lieben Enkelin und anderen Angehörigen vielleicht auch, helfen diesen Schmerz zu heilen. Aber es sind auch wertvolle Zeilen für deine Leser:innen, weil auch sie vielleicht etwas heilen können im Mitfühlen, was auch immer es sei.
Wir wünschen dir und deinen Lieben ganz viel Kraft und Ja, auch wir halten dieses Lied für ein Zeichen.
Das Allerbeste für euch alle in dieser schweren Zeit. Es werden wieder andere Themen kommen und dann werden auch diese wieder gut sein.
Von Herzen alles Liebe für dich.
„Benita“
Liebe Benita,
danke euch für eure herzlichen Worte. Ja, die Trauer braucht ihre Zeit und diese Zeit wird sie sich auch nehmen. Aber wir halten zusammen und unterstützen einander.
Viele liebe Grüße
Rosa
Lieben Dank 🙂
Vielleicht war es doch ein Zeichen, liebe Rosa?
Hm, vielleicht. Wie gesagt, ich will nichts ausschliessen.
Liebe Rosa,
Es tut mir so leid, zu lesen, dass dein Enkelkind gestorben ist. Ich wünsche dir von Herzen, dass du jeden Tag auf’s Neue Trost erfährst. Trauer ist eine grosse Reise, die wir unfreiwillig antreten, aber glaube mir, es warten unglaublich schöne Momente auf dich. Es ist eine Endeckungsreise. Es werden am Wegrand immer wieder Blumen blühen, überraschend, nur für dich.
Mikel ist gegangen, aber er wird in dein Herz einziehen und ganz nahe bei dir sein.
Ich umarme dich, liebe Rosa.
Alles Liebe und Gute von Brig, die auch auf dieser grossen Reise ist.
Danke, liebe Brig!
Noch empfinde ich Schmerz und finde kaum Trost. Nur das Schreiben bringt einen Hauch der Erleichterung. Aber du hast recht: Mikel ist in mein Herz eingezogen und dort wird er bleiben.
Herzlichst
Rosa
Liebe Rosa, wie gut kann ich dich verstehen. Morgen jährt sich der Todestag unserer über alles geliebten Tochter zum zweiten mal. Und es ist doch, als wäre es gestern gewesen. Das Leben ist nicht mehr das, was es vorher war und da kommt man auch kaum raus. Die Ironie des Schicksals ist, dass morgen auch der Geburtstag meiner Frau ist.
Das tut mir sehr, sehr leid, lieber Wolfgang. Ich kann deinen Schmerz gut nachempfinden. Denselben Schmerz, den jetzt auch mein Sohn verspürt …
Ich wünsche dir und deiner Frau heute (und nicht nur heute) viel Kraft. Keine Worte können euch trösten – das weiß ich. Denkt an die schönen Momente mit eurer Tochter, diese kann euch keiner nehmen. Die bleiben für immer in euren Herzen, zusammen mit der Liebe. Fühl dich umarmt.
Aus der Ferne
Rosa
Vielen Dank liebe Rosa, das ist lieb.