Jedes Jahr hoffe ich, dass ich „diesmal“ von ihrem Besuch verschont bleibe. Aber nix da – sie kommt, ohne auch nur anzuklopfen, und macht sich wie selbstverständlich in mir breit. Sie weiß – es ist ihre Zeit, der letzte Monat ist für sie quasi reserviert. So war es schon immer … Und so wird es auch bleiben, sagt sie mir und grinst selbstgefällig. Sie vertreibt meine Lebensfreude, sät dafür nagende Unruhe, Hoffnungslosigkeit, Schwermut und noch einiges mehr von dieser Art Empfindungen. Sie holt meine Sorgen um Menschen, die mir lieb sind, in den Mittelpunkt und lässt sie langsam wachsen, bis hin zur Unerträglichkeit. Sie versteht und beherrscht es gut, die Seele zu quälen – dafür ist sie geschaffen. Das ist ihre Aufgabe, ihr Lebensziel. Aber ich habe andere Ziele, sage ich ihr voller Verzweiflung. Sie schweigt darauf bloß und hört nicht auf zu grinsen. Ich weiß, sie wird nicht einfach so nachgeben – ich muss die „Notbremse“ ziehen … Es gefällt ihr nicht, das Grinsen verblasst in ihrem Gesicht und all‘ die Abscheulichkeiten, die sie in ihrem Gepäck hat, werden etwas leichter …
Wenn endlich der Dezember vorbei ist, verabschiedet sie sich und zieht von dannen. Mit der getanen Arbeit ist sie zufrieden, nun braucht sie eine Abwechslung – jemand anderes, den sie weiter demütigen kann. Zum letzten Mal dreht sie sich um und zwinkert mir zu: „Bin weg, komme aber wieder – verlass dich drauf!“
„Wir werden sehen, hau bloß jetzt ab!“
Kategorie: Psyche
Der unsichtbare September
In meinem Blog-Kalender fehlt er – der September. Ich habe in diesem Monat zwar einen Entwurf gespeichert, jedoch keinen einzigen Beitrag veröffentlicht. Ja, ich hatte Urlaub. Aber gerade da wäre es doch angebracht, die Ruhe zu nutzen, die Gedanken zu sammeln und etwas zu schreiben. Themen gibt es schließlich genug und Mecklenburg-Vorpommern, wo ich zwei Wochen verbrachte, ist ein wunderschönes Land …
„Der unsichtbare September“ weiterlesenSo war es und so ist es – Im Krankenhaus
Sechsundzwanzig Jahre schon lebe ich in Deutschland und muss zugeben, ich vergleiche immer noch – dieses Land mit dem anderen, den ersten Teil meines Lebens mit dem zweiten. Das geschieht ohne mein Zutun, die Gedanken sind einfach da – beim Einkaufen, beim Bus- oder Zugfahren, bei alltäglichen Erledigungen. Ich finde die Unterschiede stets aufs Neue erschreckend und bedrückend, besonders im Bereich der Medizin.
„So war es und so ist es – Im Krankenhaus“ weiterlesenDie Geschichte (m)einer Depression
Das Thema Depression kommt immer wieder in meinen Texten vor, und trotzdem fehlen mir für die Beschreibung dieser grauen Hexe oft die passenden Worte. Ja, für mich ist sie eine graue Hexe und dazu auch noch mit vielen Gesichtern. Es kann ein hämisch grinsendes, ein Panik einjagendes, ein aus der Ferne beobachtendes, es kann aber auch ein gleichgültiges und nichtssagendes Gesicht sein, aber es ist stets dunkel, farblos und hässlich. Mit einem Wort – grauenvoll.
Sie nahm von mir Besitz, als ich etwa fünf Jahre alt war. Vielleicht war sogar die folgende Episode, die ich noch gut in Erinnerung habe, der Moment, in dem sie sich mir zum ersten Mal zeigte.
Heimsuchung
NIBIRU schreibt ausdrucksstarke und wunderschöne Gedichte, die so viel an Lebenserfahrungen, Gefühlen und Empfindungen wiedergeben, dass ich oft denke: Ja, so hätte ich es auch gern in Reime gefasst, wenn ich denn könnte. Aber zum Dichten fehlt mir das Talent, dafür kann ich jedoch ein bisschen Prosa.
„Heimsuchung“ weiterlesen

