Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches, Psyche

Vor dem Morgengrauen

20. Waren Sie als Kind oft krank?

Als Kind war ich kaum krank. Ich hatte zwar ab und zu Ohren- oder Halsschmerzen, aber sonst, was den Körper angeht, nichts Gravierendes. Zum Glück hatte ich auch keine Zahnprobleme und blieb somit von den damaligen grausigen Behandlungen verschont.
Die Psyche ist eine andere Geschichte. Erst im erwachsenen Alter ist mir klar geworden, dass ich als Kind depressiv war. Wenn man mich gefragt hätte, was mir fehlt, hätte ich das damals nicht sagen, nicht beschreiben können. Es war wie ein unangenehmer Beigeschmack am Dasein, wie ein Ziehen und Nagen an der Seele … Wie ein Schatten in der Ferne, über dem grünen Waldstreifen; ich spürte ihn, wenn ich meinen Blick an den Horizont richtete. Etwas Dunkles schaute mir entgegen und mein Herz zog sich zusammen.

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Veröffentlicht in Persönliches, Reise

Zwei Orte – zwei Charaktere

Im Beitrag „Ein Ort zum Innehalten“ habe ich schon erwähnt, dass meine Frau und ich auf dem Nachhauseweg aus Bayern einen Abstecher nach Kirchheimbolanden machen werden, in den Ort, aus dem die Vorfahren meiner Mutter kommen.
Das haben wir auch getan.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Freundschaft ist etwas sehr Wertvolles

15. Wer war der beste Freund, die beste Freundin? Was war das Besondere an ihm/ihr?

Gestern habe ich von meiner besten Freundin geträumt … Wahrscheinlich deswegen, weil ich mich in den letzten Tagen mit der entsprechenden Frage wieder einmal auseinandersetzte. Im Traum trafen wir uns und wir sprachen uns endlich aus. Sie sagte mir, dass sie mich sehr vermisse, aber gewisse Umstände (Menschen) hindern sie daran, mit mir Kontakt aufzunehmen. Zum Schluss haben wir uns sogar umarmt und beide geweint. Ich weiß nicht, ob ich dem Traum Glauben schenken soll, aber es war ein wunderbares Gefühl, so vertraut wie früher miteinander umzugehen, einander aus dem eigenen Leben zu erzählen und einander zuzuhören.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Schönes und weniger Schönes

Und weiter gehts …

Fragen und Antworten, 10 – 12

10. Was war die schönste Erinnerung?

Gewiss habe ich nicht nur Schlimmes und Negatives in meiner Kindheit erlebt, sondern auch viel Freude und Glücksmomente gehabt. Aber was war am schönsten? …
Mein erstes Buch, dass mich sofort in seinen Bann gezogen hat? Schwimmen im Baggersee? Erdbeeren und Pilze im Wald sammeln? Die Fahrten mit den Eltern im Elektrozug (wie riesig der mir vorkam!) in die große Stadt, wo alles so ungewöhnlich und aufregend gewesen war? Das Ende der Winterzeit und wie ich den Jahreswechsel empfunden habe? … Ja, das Letzteres ist etwas, worüber ich gern ausführlicher erzählen möchte.

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„Ich bin eine dreifache Regelbrecherin“ – Interview

Die Autorin Rosa Ananitschev im Gespräch über russlanddeutsche Literatur, persönliche Erfahrungen und Tabus in der russlanddeutschen Community:

„Ich bin eine dreifache Regelbrecherin“ – o[s]tklick – demokratisch antworten

Das Interview auch in russischer Sprache auf guru-art.com (übersetzt von Katharina Martin-Virolainen):

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Das Grab meiner Mutter

Es ist für mich inzwischen so selbstverständlich – mein Leben im Wohlstand, in der Demokratie. Und doch denke ich oft an vergangene Zeiten, daran, was für ein Glück (im Unglück) ich hatte, in Russland als Deutsche geboren zu sein. Sonst wäre meine Familie dem totalitären Regime wohl niemals entkommen.
Eigenartig, dass das Land mir erst im Nachhinein wie ein Albtraum vorkommt. Als ich noch dort lebte und keine Alternativen kannte, schien mir mein Leben normal zu sein.
Ich hatte zu arbeiten und meine Kinder zu versorgen, mich um meinen Mann zu kümmern und meine Freundschaften zu pflegen. Natürlich hatte ich reichlich Kummer, aber auch viele Glücksmomente.
Was der Sozialismus wirklich bedeutet, zeigte sich den Menschen erst in den letzten Jahren der Sowjetunion. Denn als das morsche System in sich zusammenbrach, erblickten wir die zahllosen Leichen im Keller. Die ganze Welt erschauderte angesichts der unmenschlichen Verbrechen an der eigenen Bevölkerung.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Im Schatten

Alles, was in Deutschland nicht zu gebrauchen war, ließ ich in Russland zurück, nicht nur materielle Dinge, auch veraltete Lebenseinstellungen und einige Gewohnheiten im Alltag. Nur die Depression konnte ich nicht so einfach loswerden, sie blieb in meinen Schatten versteckt und sobald sie die erstbeste Gelegenheit bekam, trat sie hervor. Lange hatte sie nicht warten müssen, schon bei der Ankunft am 4. Dezember 1992 im Frankfurter Flughafen schlug sie erbarmungslos zu. Seitdem läuft sie zwar meistens nebenher, findet jedoch ab und an immer noch ein passendes Schlupfloch, um sich zu zeigen und mir den Weg zu erschweren.

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Veröffentlicht in Menschsein, Persönliches, Psyche

Das Alte von Neuem?

Dezember überstanden, wieder einmal. Der Januar und somit das Jahr 2021 nimmt seinen Lauf. Meine Stimmung hat sich gebessert. Bis zum nächsten Dezember oder bis zu irgendeinem Vorfall, der mich wieder aus der Bahn wirft. Da braucht es eigentlich nicht viel. Ich sage nur: Mein Kind. Meine Sorgen. Mein Sorgenkind. Das ist etwas, das ich nicht lösen kann, da hilft auch keine Therapie. Irgendwie muss ich allein einen Weg finden. Oder weiter mir selbst Angst machen, mich quälen …

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Veröffentlicht in Persönliches, Psyche

Graues Grinsen

Jedes Jahr hoffe ich, dass ich „diesmal“ von ihrem Besuch verschont bleibe. Aber nix da – sie kommt, ohne auch nur anzuklopfen, und macht sich wie selbstverständlich in mir breit. Sie weiß – es ist ihre Zeit, der letzte Monat ist für sie quasi reserviert. So war es schon immer … Und so wird es auch bleiben, sagt sie mir und grinst selbstgefällig. Sie vertreibt meine Lebensfreude, sät dafür nagende Unruhe, Hoffnungslosigkeit, Schwermut und noch einiges mehr von dieser Art Empfindungen. Sie holt meine Sorgen um Menschen, die mir lieb sind, in den Mittelpunkt und lässt sie langsam wachsen, bis hin zur Unerträglichkeit. Sie versteht und beherrscht es gut, die Seele zu quälen – dafür ist sie geschaffen. Das ist ihre Aufgabe, ihr Lebensziel. Aber ich habe andere Ziele, sage ich ihr voller Verzweiflung. Sie schweigt darauf bloß und hört nicht auf zu grinsen. Ich weiß, sie wird nicht einfach so nachgeben – ich muss die „Notbremse“ ziehen … Es gefällt ihr nicht, das Grinsen verblasst in ihrem Gesicht und all‘ die Abscheulichkeiten, die sie in ihrem Gepäck hat, werden etwas leichter …
Wenn endlich der Dezember vorbei ist, verabschiedet sie sich und zieht von dannen. Mit der getanen Arbeit ist sie zufrieden, nun braucht sie eine Abwechslung – jemand anderes, den sie weiter demütigen kann. Zum letzten Mal dreht sie sich um und zwinkert mir zu: „Bin weg, komme aber wieder – verlass dich drauf!“
„Wir werden sehen, hau bloß jetzt ab!“


Veröffentlicht in Autobiografie, Blogparade, Persönliches

Für die Ewigkeit

Beitrag für Blog q5 zum Thema „Zeit anhalten“

Sie läuft stetig weiter – die Zeit, unerbittlich, unbeeindruckt von Katastrophen und Geschehnissen des menschlichen Daseins. Sie lässt sich nicht abstellen, neu aufziehen oder anhalten. Man hat sogar den Eindruck, ihre Fahrt nimmt zu, mit jedem gelebten Jahr schreitet sie schneller voran.
Ich blicke zurück auf die breite Zeitspanne von 66 Jahren und denke: Das meiste hast du schon hinter dir, das wenigste bleibt dir noch. Ich suche nach Momenten, die in meinem Leben einmalig waren, nach Augenblicken des vollkommenen Glücks. Welche würde ich verewigen, wenn mir das möglich wäre?

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Veröffentlicht in Humor, Kurzgeschichte

Deine Ignoranz produziert meinen Pessimismus

Versuch einer Fremdwörtergeschichte

Du ignorierst meine Existenz. Ich exponiere mich für dich auf jedem Event. Das Resultat? Negativ! Every time. Die Konkurrenz ist mega groß! Ich bin desillusioniert, bis hin zu frustriert, dann explodiere ich. Das amüsiert dich nur. Ich korrigiere mein Agieren und präsentiere mich cool-ironisch. Du reagierst extrem und der Cutter in deiner Hand transformiert meine Ironie just in Respekt … Prompt setzt deine Ignoranz wieder ein. Ich diagnostiziere bei mir eine progressive Migräne, in meinem Schädel pulsiert es, mein Denkprozess ist instabil. Ich balanciere zwischen Depression und Aggression. Ich will einen fairen Dialog, keine Kontroverse, aber auch die simple Konversation mit dir deprimiert mich … Hast du eine Aversion gegen mich? … Eventuell einen Super-Lover?

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Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Diese Rosa

In Russland war es ja so: Bevor der zum Militärdienst Eingezogene die Familie verließ, fand eine Abschieds-Feier statt. Die gab es auch für meinen Bruder. Wie allbekannt, trinken die Russen meistens Wodka. Den tranken zwangsläufig auch die Deutschen dieses Landes.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Literatur

Die Freude am Schreiben

Die letzte Rezension (bei Amazon) zu meinem Buch ist sehr lobend und ich freue mich über diese so positive Bewertung, denke aber auch, „Phänomen“ ist zu hoch gegriffen. 😉 Nein, ich bin kein Phänomen; ich schreibe einfach darüber, was mich bewegt, und das gibt mir ein wunderbares, ein befreiendes Gefühl. In gewisser Weise lege ich damit auch meine Last ab, jedoch nicht um sie jemand anderem aufzuerlegen, sondern um mich mitzuteilen und vielleicht auch zu zeigen, dass Offenheit in so manchen Lebenssituationen der bessere Weg ist. Außerdem macht es mir viel Freude, nach den richtigen Wörtern zu suchen, sie zu finden, sie harmonisch miteinander zu verbinden, ihnen eine besondere Bedeutung zu geben und letztendlich Menschen damit zu ergreifen … Schade nur, dass ich so spät mit dem Schreiben angefangen habe. 😦

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Veröffentlicht in Autobiografie, Blogparade, Persönliches

Sie war meine Rettung

Beitrag zur Blogparade des Q5-Blogs zum Thema: Erinnerungen + Freundschaft

Ich hatte Glück, eine beste Freundin in meiner Kinder- und Jugendzeit zu haben. Die neue Mitschülerin, die eines Tages – es war im zweiten Schuljahr – in das Klassenzimmer trat, wurde schon bald zu einem der liebsten Menschen in meinem Leben. Ohne dieses fröhliche Mädchen mit den Grübchen in den Wangen und dem ansteckenden Lächeln wäre mein Leben grau und trostlos.

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