Veröffentlicht in Kurzgeschichte, Literatur

Julia schreibt

Julia ist meine Enkeltochter (geboren 2008) und ein sehr lebhaftes und fröhliches Mädchen. Sie erzählt gern, was sie so tagsüber in der Schule, zu Hause oder mit Freunden erlebt, sie lacht viel und fühlt sich wohl mit Menschen, die sie liebhat und die sie lieben.
Zu meiner Freude hat Julia entdeckt, dass nicht nur das Erzählen, sondern auch das Schreiben großen Spaß macht. Vielleicht hat sie das von ihrer Oma geerbt – wer weiß? Jedenfalls hat Julia angefangen, kleine Geschichten über Igor und seine Familie zu schreiben. Selbstverständlich habe ich ihr ein wenig geholfen – hier und da etwas verbessert, die Verbesserungen mit ihr besprochen und erklärt, warum ich es so richtiger finde.
Mit der Erlaubnis ihrer Eltern und zu Julias Begeisterung habe ich für ihre Geschichten eine Seite in meine Homepage eingebunden. Eine dieser Geschichten – Geschichten der Familie Müller 🙂 – möchte ich euch hier vorstellen. Die nächste ist übrigens schon in Arbeit 😉

Igor kommt ins Krankenhaus

Igor spielt im Garten mit seinem Freund Alex. Sie hüpfen auf dem Trampolin, lachen und haben viel Spaß. Dann passiert das Unglück. Igor verliert plötzlich das Bewusstsein und fällt um. Zutiefst erschrocken rennt Alex ins Haus und holt Natascha, Igors Mutter. Auch sie ist geschockt, aber sie weiß, was sie zu tun hat. Sie dreht Igor auf die Seite, sodass er besser atmen kann, und ruft den Notdienst an. Der Krankenwagen ist schnell da. Igor wird auf die Trage gelegt und die Trage hineingeschoben. Der Krankenwagen fährt sofort mit Blaulicht und Sirene los.
Inzwischen kommt Igor zu sich, nimmt aber kaum wahr, was um ihn herum geschieht. Er fühlt sich ein bisschen wie im Traum, weiß aber, dass Mama neben ihm sitzt und seine Hand hält. Nach ein paar Minuten sind sie auch schon am Krankenhaus angekommen und die Sanitäter bringen Igor ins Untersuchungszimmer.
Als Igor ganz wach ist, sieht er an seinem Arm einen dünnen Schlauch, der zu einer Flasche führt. Die Flasche ist mit dem Hals nach unten an einem hohen Gestell angebracht. Igor fragt: „Was ist das?“
„Das ist eine Infusion, die leitet Flüssigkeit in deinen Körper, damit es dir besser geht“, antwortet Natascha, die an seinem Bett sitzt.
„Was ist mit mir passiert?“, will Igor wissen.
Mama erzählt ihm in knappen Worten, dass er ohnmächtig geworden sei und sich jetzt im Krankenhaus befände. „Alles wird gut“, versichert sie ihm.
Die Krankenschwester kommt herein und fragt lächelnd, wie es Igor geht. Igor lächelt zurück. „Gut.“
„Ich muss dir jetzt Blut abnehmen, danach kannst du aufstehen, wenn du möchtest.“
Anschließend kommen Ärzte in Igors Zimmer und reden mit Natascha. Zu Igor sagen sie, dass er bis Mitternacht aufbleiben und am nächsten Tag schon um halb fünf aufstehen muss, weil sein Kopf untersucht wird. Später kommt auch Papa ihn besuchen und sie spielen zu dritt so lange Brettspiele, bis Igor ins Bett gehen darf.

Am nächsten Morgen wird er ganz früh geweckt. Eine Weile darf er noch spielen, dann bekommt er Tropfen, die ihn sehr müde machen. In einem Untersuchungsraum wird dann sein Kopf mit vielen Elektroden an ein Gerät angeschlossen. Das tut überhaupt nicht weh, und während der Untersuchung schläft Igor sogar.
Er schläft auch noch nach der Untersuchung in seinem Zimmer weiter.
Nach dem Mittagessen soll Igors Herz untersucht werden. Das nennt sich Ultraschall und tut ebenso kein bisschen weh. Igor ist ganz fasziniert, als er sein pulsierendes Herz auf dem Monitor sieht. Er fragt Mama, wie das funktioniert, aber Mama sagt, dass das ziemlich kompliziert ist, sie weiß nur, dass das Gerät Wellen erzeugt, die bis zum Herz und wieder zurückgeleitet werden. So entsteht ein Bild.

Eine ganze Woche bleibt Igor im Krankenhaus. Es soll ja herausgefunden werden, was für eine Krankheit der Junge hat, und Medikamente festgelegt, die er nehmen muss, damit er keine Anfälle mehr bekommt. Das Ergebnis – in der Medizin heißt es Diagnose – ist Igor jetzt auch bekannt. Er hat Epilepsie, aber die Ärzte sind guter Hoffnung, dass sie irgendwann ausheilt, vielleicht schon in der Pubertät. Und bis dahin ist es ja nicht mehr lange, sagt sich Igor selbst.
In der Kinderklinik fühlt er sich wohl, die Ärzte und Krankenschwestern sorgen sich um ihn, Mama und Papa besuchen ihn, sooft sie können, und manchmal bringen sie seine kleine Schwester Anna mit.

Als er wieder daheim ist, verkündet Igor seinen Eltern ganz feierlich, dass er unbedingt Kinderarzt werden möchte. Deswegen will er nach der Grundschule aufs Gymnasium gehen und fleißig lernen, damit er gute Noten bekommt. Die sind nämlich für das Medizinstudium sehr wichtig.

Julia schreibt - Oma hilft ;-)
Julia schreibt – Oma hilft 😉

Autor:

Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern für meine Blogs und für die Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: "In der sibirischen Kälte" und "Andersrum". Einige meiner Texte sind auch als eBooks im Internet frei zugänglich.

10 Kommentare zu „Julia schreibt

    1. Liebe Melinas,
      ich habe gerade nochmal alle Benachrichtigungen durchgesehen, ob ich eine Freischaltung übersehen hätte, aber nichts entdeckt 😦 Irgendwie hat das nicht geklappt mit Deinem Kommentar, so etwas ist mir auch schon passiert. Aber ich habe Julia die Kommentare bei FB gezeigt, sie hat sich darüber sehr gefreut. Julias Geschichtensammlung gibt es ja auf meiner HP: https://www.rosa-andersrum.de/julias-geschichten/geschichten-der-familie-m%C3%BCller/
      Herzliche Grüße
      Rosa

      Gefällt mir

  1. Da hast du ja wirklich eine tolle Enkelin: Hübsch, ehrliche Augen, offenes Lächeln, kreativ und mit ganz viel Mitgefühl.

    Die Geschichte gefällt mir wirklich gut: Kurz und bündig, ballastfrei auf den Punkt kommend in jedem prägnanten Satz und ein Thema, das Empathie zeigt, dazu die indirekte Rede beherrschend, was manchen Erwachsenen noch Schwierigkeiten bereitet.

    Julia (welch ein literaturbesetzter und wohlklingender Vornahme) schreibt solche hervorragenden Texte, als ich noch gar nicht richtig schreiben konnte. Über meine Deutschnote will ich erst gar nicht reden in diesem schweren und doch so schönen Alter, wo so viel auf einen jungen Menschen hereinbricht: Man ist fast schon erwachsen, aber wird noch wie ein Kind behandelt.

    Du solltest wirklich nicht zuviel Hilfestellung geben, höchstens sehr zart und vorsichtig, damit sie selbst auf ihre Schwachstellen kommt und jeder Text hat anfangs Schwachstellen und das sagt dir auch der beste Schriftsteller.

    Jedenfalls Daumen ganz hoch. Ich bin begeistert und möchte mehr lesen und wünschte mir, mein Kommentar würde zu ihrer Ermutigung beitragen. Doch der Weg wird kein leichter sein. Man muss dran bleiben, muss jeden Satz, jedes Wort, jedes Komma überdenken und muss manchmal auch einen unfertigen Text liegen lassen, damit er in der Seele reifen kann, die einem dann die Antwort irgendwann gibt.

    Alles Liebe euch beiden ❤ ❤

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    1. Danke dir, Sven! Ich werde auch Julia deine Worte weitergeben. Sie macht im Moment eine schwere Zeit durch (familiärer Art) und das Schreiben ist auf den hintersten Plan gerückt. Ich will hoffen, dass alles gut geht und wir uns einmal wieder am Schreibtisch zusammensetzen können …
      Schön, dass du meine Homepage besucht und Kommentare hinterlassen hast! Danke auch dafür. 😊
      Liebe Grüße 💕
      Rosa

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, ist ein schwieriges Alter, weil man schon fast erwachsen ist und noch wie ein Kind behandelt wird .. und dennoch versteh ich die Eltern, weil sie ihr Kind ja nur schützen wollen.

        Liebe Grüße zurück an dich ❤

        Gefällt 1 Person

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