Die meisten Leserinnen und Leser dieses Blogs kennen, wenn auch nur grob, meine familiären Verhältnisse. Nach der Veröffentlichung meines autobiografischen Buches haben sich einige Familienmitglieder, darunter zwei meiner Geschwister, von mir distanziert. Ich wurde sozusagen aus der Verwandtschaftsliste gestrichen.
In einem früheren Beitrag schrieb ich einmal:
Vielleicht tut es denjenigen, die mich der Lüge bezichtigt und verstoßen haben, inzwischen leid? Aber ihnen als Erste die Hand zu reichen, dazu bin ich nicht bereit. Sie leben noch, sie können ihren Verstand nutzen, ihr Fehlverhalten eingestehen und versuchen, es wiedergutzumachen. Wenn sie das nicht wollen, dann bleibt es eben so – bis ans Ende ihrer und meiner Tage.
Damals klangen meine Worte hart, vielleicht sogar kompromisslos. Sie waren Ausdruck meiner Bitterkeit und zugleich ein Versuch, mich selbst zu schützen. Ich glaubte, es gäbe noch Zeit. Zeit für Einsicht.
Nun ist die Zeit abgelaufen:
Meine älteste Schwester ist gestorben.
Sie hat es nicht mehr geschafft, mit mir zu sprechen oder zu klären, was ihr – trotz meiner deutlichen Worte im Buch – so unverständlich war. Jetzt ist es endgültig. Zu einer späteren Einsicht, einem „Wir hätten früher reden sollen“, wird es nicht mehr kommen. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass manche Gespräche nicht beliebig auf ein „Irgendwann“ verschoben werden können.
Beitragsfoto: Meine älteste Schwester in jungen Jahren.


Trotz dieser, zu ihrer Lebzeit unüberwindbaren, Hürde, mein aufrichtiges Beileid, denn es ist immer ein Verlust, wenn ein Familienmitglied für immer geht. Gerade das Nichtgeklärte wiegt dann schwer. Ich bin zwar nicht gläubig im herkömmlichen Sinne, denke aber, dass es eine Aussöhnung auch nach dem Tod geben kann, selbst wenn sie einseitig scheint. Alles Liebe🖤
Danke, liebe Heather!
Im Grunde war ich ihr nicht unbedingt böse. Ich weiß nicht, ob sich vielleicht doch ihre Meinung noch geändert hat. Wenn ja, dann nimmt sie das jetzt mit ins Grab. Beerdigt ist sie, soweit mir bekannt ist, noch nicht. Wann die Beerdigung stattfindet, hat mir keiner aus ihrer Familie gesagt. Ach was, ich habe nicht einmal von dem Tod von ihnen erfahren, sondern von Erna, meiner jüngsten Schwester! Das sagt viel aus, vor allem, dass ich auf der Trauerfeier nicht gewünscht bin. Tja, dann ist es so.
😢.
Das tut mir sehr leid, liebe Rosa. Wir wünschen dir von Herzen, dass du für dich auch deine Trauer durchleben kannst, die ja dennoch vorhanden ist. ….. Wir haben, auch wenn es für viele jetzt unverständlich oder sogar verrückt klingen mag, unseren 2001 verstorbenen Vater 2021 über ein Medium zur Rede gestellt. Was immer man davon halten mag, es hat uns außerordentlich geholfen mit Vorwürfen abzuschließen, die wir Jahrzehnte in uns trugen. Wir konnten ihm die Verantwortung für sein Handeln zurück geben. Wir sind überzeugt, dass Kommunikation über den Tod hinaus möglich ist und vielleicht sogar noch einmal auf einer anderen Ebene möglich wird. Wir stehen dazu, auch wenn wir wissen, dass viele Menschen nichts damit anfangen können und können das auch gut verstehen. Wir wollten es dennoch erzählen, dass es unserer Ansicht nach noch Kontakt geben könnte.
Alles Liebe und Gute 🍀❤️
Warum auch nicht – ich bin für alles offen. 😉
😀
Menschlich und normal ist dieses zudeckende Verhalten, man muss es hinnehmen! Ich glaube, sie schützen sich dadurch, und wir glauben, es ginge ihnen durch Therapie oder/ und Aufdeckung besser.
Du trauerst, und das mit deiner Schwester tut mir sehr leid, liebe Rosa
Danke dir!
Hingenommen habe ich es ja, bloß ist es kein schönes Gefühl, wenn die eigene Schwester, die dich seit der Geburt kennt, dir nicht glaubt. Nicht glauben will! Wir hatten seit zehn Jahren kein Wort miteinander gewechselt.
Aber sei’s drum, ist ohnehin nicht mehr zu ändern.
Das tut mir leid liebe Rosa.
Doch lag das Problem nicht bei dir. Hätte sie sich bei dir gemeldet, du hättest dich mit ihr über alles unterhalten.
Ich wünsche dir, das du mit dem Tod deiner Schwester gut klar kommst.
Liebe Trude,
ich habe deinen Kommentar erst jetzt (mal wieder) im Spamordner entdeckt und freigeschaltet.
Danke dir für die lieben Worte!
Doch, ich komme klar. Sie hat ja auch ein stolzes Alter von 90 Jahren erreicht.
Das ist echt traurig, liebe Rosa. Mein Beileid hast du auf jeden Fall. Sicher gab es auch schöne Zeiten mit deiner Schwester. Was wahr ist, was Lüge ist, ist im Konflikt schwer zu klären, weil jeder sich im Recht sieht. Jeder besteht auf seine Wahrnehmung.
Darf ich fragen, was deiner Familie in deinem Buch so sauer aufgestoßen ist, dass man sich von dir distanzierte?
Danke sehr!
Natürlich gab es auch schöne Zeiten mit meiner Schwester, wir hatten uns eigentlich gut verstanden – bis zu diesem Moment, als sie erfuhr, dass ich unseren Bruder des sexuellen Missbrauchs beschuldige (ich war ein fünfjähriges Kind und er war 22 Jahre alt; die Erinnerungen daran kamen in mir erst mit Mitte 50 hoch). Darüber schrieb ich unter anderem in meinem Buch. Statt mit mir zu reden, war ihre Reaktion: „Das kann gar nicht sein, so einer war er nicht! Die hat sich alles ausgedacht.“ So bin ich zu einer Lügnerin geworden, dazu auch noch zu einer Perversen (da ich ja eine Frau geheiratet habe).
Liebe Grüße
Rosa
Das ist leider auch oft typisch menschlich. Wenn man es leugnet oder noch wahr haben will, dann ist es auch nicht passiert. Die Wahrheit anzunehmen oder ihr auf den Grund zu gehen, schmerzt dann wohl mehr, als der Bruch mit der Schwester.
Es tut mir leid. Letztendlich hat der Bruder die Zwietracht zwischen euch gesät. Hat er dazu nie was gesagt?
LG Ostseemaus
Der ist gestorben, bevor ich ihn damit konfrontieren in der Lage war.
Das ist echt schwierig, weil es nicht wirklich geklärt werden kann. Nun auch deine Schwester, die es nicht wahr haben wollte,
Ich bin auch mit einer ähnlichen Anschuldigung konfrontiert worden, Meine Tochter erzählte mir erst kürzlich, das mein Onkel damals, als sie 10 Jahre alt war, sich anzüglich ihr genähert hatte. Er ist auch schon verstorben und klären wollte sie das mit dem Großonkel nicht. Er war ja auch nicht richtig übergriffig geworden. Aber ich brauchtest etwas, bis ich es glauben konnte. Aber dann fiel mir sein auffälliges Verhalten mal auf, als junge Mädchen in der Nähe waren. Damals dachte ich, er wäre betrunken gewesen, aber dem war dann wohl nicht so. Aber zuordnen konnte ich das Verhalten erst, als meine Tochter nach Jahrzehnten mir ihre Geschichte erzählte.
Zum Glück sind heute die Menschen schon besser dafür sensibilisiert.
Hab noch einen schönen Abend
LG Ostseemaus
Oh ja, das mit der Endgültigkeit, das verstehe ich seit Neuestem absolut. Es ist sehr schwer, das zu begreifen, dass es nicht mehr zu klären ist.
Mein herzliches Beileid, liebe Rosa! 🖤
Danke, liebe Lilli! ❤️
Das tut mir sehr leid, liebe Rosa, dass du deine Schwester verloren hast. Obwohl du wahrscheinlich schon vorher um die Schwester getrauert hast, die du nicht hattest, tut es bestimmt noch einmal weh, die Chance, sie noch zu bekommen endgültig verloren zu haben.
Ich konnte auch nicht alles klären mit meinem Mann, er wurde mir weggerissen. Aber ich glaube, man kann auch gar nicht alles lösen auf Erden. dafür ist der Himmel da ;-)
Jedenfalls habe ich ihm alles noch geschrieben, was mir auf dem Herzen lag und er (ich) hat auch sofort geantwortet. Er ist mir nicht böse, sagte er. Wir holen das alles noch nach, was wir versäumt haben :-)
Ich freue mich darauf.
Danke, liebe Brig, für deine tröstlichen Worte!
Das ist ein schöner Gedanke, alles irgendwann nachzuholen, doch – nicht für mich. Ich glaube ja nicht an ein Leben danach. 😊
Herzliche Grüße
Rosa
Das ist traurig, aber du weißt ja nicht, ob ein gutes Gespräch überhaupt möglich gewesen wäre …
Das stimmt allerdings. Ja, höchstwahrscheinlich wäre nichts Gutes dabei herausgekommen.
Bei so viel Unverständnis und dadurch über so lange Zeit entsprechend starrsinniges Verhalten deiner Schwester, wäre ein Gespräch wahrscheinlich nur in Streit ausgeartet, liebe Rosa… was nun gefühlsmäßig bestimmt noch schlimmer für dich gewesen wäre.
Mein tiefes Mitgefühl zum Verlust von Herzen für dich und lebe DEIN Leben in Frieden mit dir selbst, mit all dem Schönen was für dich noch kommt.🍀🤍⚘️
Danke, liebe Hanne!
Man weiß es nicht, aber ja – es wäre eher zum nächsten Streit gekommen. Wie dem auch sei, bei der Beerdigung bin ich (und schon gar nicht meine Frau) nicht gewünscht. Andernfalls hätte die Familie mich benachrichtigt.
Das finde ich sehr traurig und auch, man muss es aussprechen homophob von deiner Familie und das tut weh. Von Herzen alles Liebe dir damit umzugehen. ❤️🏳️🌈🍀💪🏼🤗
Ich habe mich damit arrangiert und kann an Ihrer homophoben Haltung nichts ändern. Das wird wohl so bleiben.
Schade, dass es solche Leute gibt.
Es tut mir sehr leid, dass es zu einer letzten Aussprache nicht mehr kommen sollte – obwohl für mich schwer vorstellbar ist, dass Deine Schwester Ihr Herz endlich aus seiner Erstarrung entlassen hätte.
Liebe Rosa,
Verluste hinterlassen Spuren, ich wünsche Dir, dass es vielleicht Nachkommen Deiner ältesten Schwester gibt, die Dir die Hand reichen können.
Eine virtuelle Umarmung, Herzensgrüße, C Stern
Liebe C Stern, danke für Deine Worte!
Ich denke, du schätz die Situation richtig ein, wie traurig das auch sein mag. Dass die Nachkommen mir die Hand reichen, bezweifle ich sehr. Wie ich schon in den Kommentaren schrieb, haben sie mich nicht einmal über Lillis Tod benachrichtigt. Das wäre aber das Mindeste für den ersten Schritt zur Versöhnung.
Herzliche Grüße
Rosa
Die Nachkommen deiner Schwester werden vielleicht auch von ihr Dinge über dich gehört haben, die der Wahrheit eben nicht entsprechen. Kennst du sie denn? Es könnte sich deren Verhalten ja auch noch ändern, wenn ihr z.B. ein gutes Verhältnis hattet, als sie Kinder waren.
Ja, die kennen mich gut – wir sind schließlich in einem Dorf aufgewachsen. Es ist eben so, dass ich nicht nach ihrer Vorstellung lebe, dazu auch noch, nach ihrer Überzeugung, „Lügen“ über meinen Bruder verbreite und somit die Familie schlecht mache. Warum ich das tun sollte? Na, weil ich Aufmerksamkeit haben will (!) Was der wahre Grund ist, was ich wirklich denke und fühle, interessiert sie herzlich wenig.
Das ist traurig. Unsere Mutter hat uns zuletzt eine Lügnerin genannt, weil wir „noch immer“ behaupten, von unserem Vater viele Jahre sexualisierte Gewalt erlitten zu haben. ….. In ihrer Verwirrung schafft sie es nicht mehr ihre wahren Gedanken zu verstecken. ….. Unser Bruder glaubt uns auch nicht wirklich, obwohl er noch immer Angst vor unserem Vater hat und bei seinem Tod nicht geweint hat, weil er eigentlich froh war, dass er weg ist. ….. Die Angst vor dem Despoten und den eigenen Gefühlen ist zu groß, um die Wahrheit zulassen zu können. Auch eine Art Stockholmsyndrom.