Veröffentlicht in Elfchen

Gedanken im Elfchen-Format

Ein Elfchen ist ein kurzes Gedicht mit einer vorgegebenen Form. Es besteht aus elf Wörtern, die in festgelegter Folge auf fünf Verszeilen verteilt werden. Für jeden Vers wird eine Anforderung formuliert, die (je nach gegebenenfalls vorhandener didaktischer Vorgabe) variiert werden kann.
Wikipedia

Typischerweise sieht der Aufbau eines Elfchens so aus:

ZeileWörterInhalt
11Ein Gedanke, ein Gegenstand, eine Farbe, ein Geruch o. ä.
22Was macht das Wort aus Zeile 1?
33Wo oder wie ist das Wort aus Zeile 1?
44Was meinst du?
51Fazit: Was kommt dabei heraus?

Universum,
geheimnisvoll, unerschöpflich.
Ich bin mittendrin - 
im Wunder des Lebens.
Unsterblich!

Glaube.
An Gott?
Nein, an mich!
Denn ich bin stark.
Leben!

Fliegen - 
im Traum.
Ich schwebe dahin,
über Dächer und Bäume.
Frei!

Kind,
zart, zerbrechlich.
Entsetztes Gesicht, flehend:
"Nein, tu das nicht!"
Qual!

Stern
fern, unerreichbar,
so wie du ...
Er funkelt mich an.
Abschied!

Panik,
heiß, vernichtend.
Sie überwältigt mich,
raubt mir den Willen.
Gefangen!

Grauenhaft,
mein Traum.
Ich muss aufwachen,
kann mich nicht bewegen.
Schrei!

Worte,
mutmachend, tröstend.
Sie beruhigen mich.
Spülen den Schmerz fort.
Hoffnung!

Waffe,
blank, gnadenlos,
vor meinem Gesicht.
Ich werde nun sterben.
Gewissheit!

Notizbuch.
Meine Gedanken - 
Schwarz auf Weiß,
machen die Seiten lebendig.
Faszinierend!

Nachtgedanken,
dunkel, erdrückend.
Fern schimmerndes Licht.
Birgt Hoffnung, birgt Frieden?
Vergebens!

Schwarz,
deine Jacke.
Du gehst fort.
Ich sehe dir nach.
Sehnsucht!

Spaziergang
am Meer.
Sonnenuntergang. Wellen rauschen.
Wir lächeln uns an.
Urlaub!

Schwarzensee in Österreich (2017)
Schwarzensee in Österreich (2017)

Autor:

Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern für meine Blogs und für die Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: "In der sibirischen Kälte" und "Andersrum". Einige meiner Texte sind auch als eBooks im Internet frei zugänglich.

12 Kommentare zu „Gedanken im Elfchen-Format

  1. Gefallen mir sehr gut, deine „Elfchen“: Man könnte aus jedem einzelnen Elfchen eine Geschichte machen und doch erzählt jedes Elfchen schon in elf Worten eine Geschichte, keine spezielle Geschichte, aber mancher könnte seine Geschichte auf diesen Worten aufbauen. Erinnert an japanische Kurzformen, aber mit mehr Freiheit und einem gedanklichen Paukenschlag am Ende.

    Die Texte treffen direkt in die Seele, ohne verbale Purzelbäume und poetischen Schnickschnack und doch sind sie voll wahrer Poesie. Da würd ich mir einen ganzen Band von dir wünschen.

    Apropos Band: Hab „Andersrum“ gerade bekommen und bin schon von der Haptik und der Umschlaggestaltung begeistert. Schön auch, dass die Schrift groß ist und ich ohne Lesebrille an die Texte komme. Das Papier, worauf der Text gedruckt steht, ist auch auch nicht so blütenweiß wie das Umschlagsinnere, was nochmal die Augen beim Lesen schont.

    Das Thema trifft den Puls der Zeit, weil heute aufgearbeitet werden muss, was damals schief lag: Man war zur Zeit deiner Kindheit noch als Kind der Autorität der Erwachsenen unterstellt. Was Erwachsene sagten oder taten, mussten Kinder als Gesetzt hinnehmen. Die Prügelstrafe war zudem noch nicht abgeschafft und ein Kind war somit der Besitz derer, von jenen es abhängig war. Da gab es gute und schlechte Menschen im Umfeld eines Kindes und das ist ja heute leider immer noch so.

    Kinder sollten immer unter dem besonderen Schutz der Allgemeinheit stehen und doch passiert es immer wieder, dass Kinder manipulierend missbraucht und eingeschüchtert werden. Eine Kinderseele töten ist wie ein Mord. Das Trauma besteht ein ganzes Leben und manche werden nie mehr glücklich. Bücher wie deins können helfen, die dunklen Dinge, die im Geheimen geschehen ans Tageslicht zu befördern.

    Ich hab noch keine einzige Zeile gelesen, außer dem Text auf der Rückseite und weiß doch schon in etwa, was auf mich zukommt. Missbrauch spielt sich hauptsächlich in der Familie ab und das sollte keiner leugnen dürfen. Ich selbst wurde niemals sexuell missbraucht, eher emotional, weil meine geschiedenen Eltern mich gegeneinander ausspielten. Dennoch verfüge ich über die Gabe, mich bis zu einem gewissen Punkt in die Kinderseele einzufühlen, indem ich mich mit dem betroffenen Menschen für die Zeit der Lektüre identifiziere.

    Niemals werde ich die wirkliche Not nachvollziehen können, niemals die Hilflosigkeit in ihrer wahren Dimension körperlich und seelisch so real empfinden können, wie der wehrlose und ausgelieferte kleine Mensch, der nur leben möchte und voller Hoffnung und Glaube in diese Welt getreten ist.

    Aber ich werde mein Bestes geben, dir eine gerechte Rezension zu schreiben bei Amazon. Das versprech ich dir, das verspreche ich der kleinen Rosa. Und die kleine arglose Rosa hatte nur eine Hoffnung damals und das war die Hoffnung auf die große Rosa. Und die große Rosa hat die kleinen Rosa aus der Zukunft Mut zugesprochen und sie niemals im Stich gelassen.

    Das berührt mich sehr tief. Wir dürfen das Kind in uns niemals aufgeben, niemals verlassen, denn es braucht uns in der Vergangenheit. Nur wer ohne die Zeitebenen denken kann, wird verstehen, was ich meine.

    LG Sven ❤

    Gefällt 3 Personen

    1. Lieber Sven,
      du hast mich mit deinen Worten wieder für einen Moment sprachlos gemacht. Es sind Worte, die ich selbst über mein kleines Büchlein und über das Thema sagen würde, und noch mehr … Es ist so unfassbar schlimm, was so vielen Kindern angetan wird. Sie werden als Ware benutzt, ohne Rücksicht, ohne Skrupel, ohne Erbarmen, und ich habe den Eindruck – die Ausmaße werden immer größer. Hört es irgendwann auf? …
      Die Zukunft ist düster …
      Aber ich freue mich sehr, dass auch du jetzt die kleine Lisa kennenlernst. Ich bin mir sicher – du wirst sie in dein Herz schließen. Und auch den geheimnisvollen Duh, denn er leistet Unglaubliches. Wenn doch jedes Kind in Not so einen Freund hätte! Aus dem Nachwort wirst du auch verstehen, warum er so ist wie er ist. Hoffe ich zumindest. ☺️
      Es freut mich auch, dass dir die Gestaltung des Buches gefällt. Ich habe es ja selbst herausgegeben, aber das Cover ist nicht von mir und ich hatte eine hervorragende Lektorin.
      Dann wünsche ich dir viel Freude beim Lesen trotz des schweren Themas.

      Mit den Elfchen habe ich mich früher schon mal befasst und jetzt festgestellt, dass es immer noch Spaß macht, sie zu kreieren. Es ist dazu auch noch eine gute Übung.

      Danke sehr für deinen Kommentar! 💕
      Zum Schluss noch dieses wunderbare Lied, das wahrhaftig unter die Haut geht.

      Gefällt 1 Person

  2. „Kinder sind der Spiegel unser Sitten ..“ Ein wahres Lied.

    Ich wollte eben, nachdem ich deinen Kommentar geschrieben habe, dein Buch nur anlesen, aber konnte nicht mehr aufhören und hab es zuende gelesen in einem Zug. Am Ende einen Kloß im Hals und nasse Augen. Eine Kurzgeschichte verfügt über einen Wendepunkt: Hier sind zwei Wendepunkte enthalten. Der erste Wendepunkt, als Duh mit dem Bruder spricht und der flüchtet, der zweite, als eine neue Mitschülerin vorgestellt wird, die „Asil“ heißt und einen zweiten Höhepunkt der Geschichte am Ende bringt, was mir zeigt, wie gut durchkomponiert das Buch von Anfang bis Ende ist.

    Eine traurige Geschichte mit Happyend? Wohl eher nicht, aber mit einem positiven Neubeginn. Ich bin begeistert, auch über den bis zum Ende erhaltenen Spannungsbogen, der mich dazu zwang, immer weiterzulesen. Erfrischend auch die Einmischungen der Autorin in den Ablauf, wo man dann doch weiß, da ist jemand, der alles steuert und für Gerechtigkeit sorgt.

    Ich werde in meiner Rezension kein Wort verraten über den Hergang der Geschichte, nur Neugierde erzeugen. Für mich ist die Erfindung von „Duh“ ein einmalig schöner Kunstgriff, um innserseelischen Vorgängen ein Gesicht zu geben, auch wenn es dunkel bedeckt ist. Niemals hat mich die schwarze Verdeckung abgeschreckt oder irritiert, sie gehört zu der Person, die gar kein Gesicht haben darf, um authentisch zu wirken.

    Für mich ein Werk, das zu den psychologischen Büchern gehört, die jeder Student dieser Wissenschaft gelesen haben sollte, weil es aus der Wirklichkeit greift und aus der Wahrheit der Seele. Dabei hervorragend ge- und beschrieben. Schöne Prosa, die man gerne liest und wo man gleich die Worte vergisst und sich im Kopf ein Film abspult, den man bis zum Ende anschauen möchte, weil kein Wort, kein Komma zuviel ist, sondern alles dem inhaltlichen Fortgang dient.

    Im Kopf ist meine Rezension schon fertig, aber mit deinem Buch bin ich noch lange nicht fertig, da muss ich wohl noch lange dran knabbern: Keine leichte Kost, wie du selbst gesagt hast.

    Es gibt Bücher, die legt man nach der Lektüre weg und hatte sich gut unterhalten und es gibt Bücher, die beschäftigen einen noch lange .. Dein Buch gehört zur zweiten Kategorie.

    Alles Liebe, Sven ❤

    Gefällt 3 Personen

    1. Was soll ich sagen? … Danke, Sven! Du hast als Einziger die Erzählung so gesehen, wie ich sie mir beim Schreiben auch gedacht habe, sozusagen meine Gedanken im Hintergrund erfasst / „gehört“. Obwohl – ich muss schon sagen – von dem Buch sind alle begeistert, die es bis jetzt gelesen haben. Es ist wirklich auch für mich eine besondere Geschichte – so wie du sie in einem Zug gelesen hast, so ungefähr floss sie aus meiner „Feder“. Ich schrieb sie mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf.
      Übrigens dachte ich ja, du wärst an dem Buch „In der sibirischen Kälte“ interessiert, deswegen schrieb ich dir in einem Kommentar, dass es „keine leichte Kost“ sei. Denn das sind die wahren Geschichten meines Lebens, die einigen meiner Verwandten so sehr aufstoßen. Was seltsam ist – gerade die, die am meisten geschrien haben und ab und zu immer noch schreien – die haben es gar nicht gelesen, nur davon „gehört“. So sind sie, die Menschen. Solche Exemplare kennst du sicher auch.
      Ich freue mich sehr auf deine Rezension und schicke dir ganz viele Herzchen.
      💗💗💗💗💗…
      Rosa

      Gefällt 2 Personen

      1. Ich kenn ja dern Gerno von Amazon und der hats für mich gleich veröffentlicht. Ich hab zuletzt noch druntergeschrieben: „Fünf Sterne und einen gedachten von mir dazu“

        „In der sibirischen Kälte“ kommt dann halt später mal dran :*

        Gefällt 1 Person

      2. Gerade habe ich die Rezension gelesen. Wow! Das geht ins Herz! 💗 Danke! Auch dafür, dass du daran gedacht hast, die Rezension ebenso unter das eBook zu setzen. Sehr umsichtig und aufmerksam!
        Also, wer diese Rezension liest, der kann gar nicht anders, als das Buch zu bestellen und zu lesen. 😉
        Liebe Grüße in den Abend von der großen und der kleinen Rosa/Lisa 💕

        Gefällt 2 Personen

  3. PS: Hab die Rezension grad hochgeladen, aber kann sein, dass es mir die Absätze verhauen hat. Werd ich dann nach der Veröffentlichung noch einsetzen und Schreibfehler beheben. Dauert aber noch ein bis zwei Tage, bis die es bringen. Einfach Geduld haben .. 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Sehr inspirierende Verslein, liebe Rosa! Von Elfchen hatte ich nie zuvor gehört/gelesen, ihre Kürze, die einerseits sicher schwierig zu gestalten ist, um den Kern zu erfassen, machen andererseits Lust, sich auch mal übend daran zu wagen.

    Gefällt 2 Personen

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