Wir sind wieder, nach knapp zwei Wochen, zu Hause. Die erste Woche in Holland würde ich mit einer Drei bewerten. Darüber lohnt es sich auch nicht, viel zu schreiben. Die Wohnung (auf den Bildern im Internet sah sie super aus) war sparsam eingerichtet und nicht wirklich sauber. Außerdem mussten wir, um in unser Schlafzimmer zu gelangen, eine steile Wendeltreppe hochklettern – fast im wahrsten Sinne des Wortes. Das hat meinen ohnehin angeschlagenen Knien ziemlich zugesetzt, sodass sie sich jetzt erst einmal erholen müssen.
Trotzdem zeige ich hier noch ein paar Bilder.







Der Pfannkuchen war aber lecker: mit gegrilltem Hähnchen, getrockneten Tomaten und Currymayonnaise.Jedenfalls haben wir beschlossen, künftig lieber in Deutschland Urlaub zu machen, auch wegen der Sprache.
Die zweite Woche haben wir an der Ostsee, in Boltenhagen, verbracht. Dort gefiel uns alles ausgesprochen gut: die hervorragend ausgestattete Wohnung, der Ort selbst, die Umgebung, die Nähe zum Wasser, die zwei Promenaden, der Strand. Wir haben sogar dieselbe Unterkunft bereits fürs nächste Jahr reservieren lassen.
Die dritte Etappe war dann Berlin, das Heim meiner Schwester Aneta. Wir hatten uns dort ein Gästesimmer gebucht, bekamen somit gewissermaßen einen kleinen Vorgeschmack auf das Altenheimleben. Das Zimmer war gar nicht so schlecht, sogar ein Föhn war vorhanden, der uns übrigens in Holland gefehlt hatte. Es gab für vier Euro Frühstück vom Buffet – mit allem, was man so am frühen Morgen normalerweise isst, zwar in einem Speiseraum mit den alten Leuten1, aber das hat uns nichts ausgemacht. Die waren alle freundlich, einige quatschten uns sogar an.
Aneta hat sich sehr über unseren Besuch gefreut. Ihr geht es inzwischen wieder deutlich besser. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde ihr Gehirn gar nicht mehr richtig mitmachen. Sie kam ins Krankenhaus, konnte praktisch nichts mehr, nicht einmal stehen, und musste sogar gefüttert werden. Nach einer Woche kehrte sie wie ausgewechselt zurück. Sie kann sich wieder verständigen, erkennt alle Menschen um sich herum und redet kein wirres Zeug mehr.
Der Grund für ihre zunehmende Verwirrtheit wurde zum Glück in der Klinik schnell entdeckt. Im Heim hatte sie ein Medikament gegen Panikattacken erhalten, das eigentlich nur bei Bedarf eingenommen werden sollte. Aneta bekam es jedoch zweimal täglich, zudem in einer zu hohen Dosierung. Nachdem das Medikament abgesetzt worden war, ging es mit ihr rasch wieder bergauf.
Wer letztlich dafür verantwortlich ist, wissen wir nicht. Ob der Fehler im Heim gemacht wurde oder bei der Psychiaterin lag, die das Medikament möglicherweise verordnet hat, ohne selbst vor Ort zu sein (blicken lässt sie sich im Heim schon lange nicht), wird uns wohl niemand mehr verraten.
Besonders glücklich ist Aneta darüber, dass wir ihr ermöglicht haben, wieder Musik zu hören, die sie so liebt. Wir haben ihr ein Gerät gekauft, das auch MP3-Dateien abspielt, und ich habe einen Stick mit den Songs ihrer Lieblingssängerinnen und -sänger bespielt. Nun braucht sie nur den Schalter zu drehen und schon geht es stimmungsvoll los.
Ich hatte mir fest vorgenommen, endlich meiner Schwester von Mikels Tod zu erzählen, und doch brachte ich es nicht über mich. Ihr Sohn macht derzeit Urlaub in der Türkei, und sie sorgt sich ständig und über alle Maße um ihn. Sie hat große Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte. Diese Sorge wollte ich nicht noch verstärken. Sie würde sich nur noch mehr verrückt machen.
Als sie die Fotos von Mikel auf meinem Handy sah, lächelte sie und sagte: „Ist der aber ein hübscher junger Mann geworden.“ Ich schwieg. In diesem Moment schnürte sich mir die Kehle zu. So gern hätte ich ihr die Wahrheit gesagt … Ich weiß nicht, ob sie jemals erfahren wird, dass Mikel nicht mehr lebt. Vielleicht wird dieser Moment nie kommen. Die Zeit läuft weiter, und eines Tages wird es zu spät sein. Dieser Gedanke tut weh …

- Als meine Frau den Entwurf las, sah sie mich schmunzelnd an. „Alte Leute? Und was ist mit uns? Gehören wir nicht auch schon zu den Alten?“
Ich lachte und musste ihr recht geben. ↩︎


Finde ich gut, dass du so vorsichtig bist mit der Information über Mikel. Es ist schon sehr traurig…
Und doch habe ich dabei kein gutes Gefühl und trage Zweifel in mir, ob es richtig ist, zu schweigen.
Schön, dass Du wieder da bist! Das war ja ne richtig große Tour!
Du siehst toll aus auf den Fotos! Vor allem neben Deiner Schwester. Man merkt Deine Zuneigung zu ihr.
Wünsche Dir, dass Du Dich wieder gut zuhause einlebst! 🍀🌞
Das werde ich sicher. Danke für das Kompliment. Mit Aneta habe ich schon seit der Kindheit eine besondere Verbindung. 😊
„Ein Rollator ist etwas für alte Leute, die sich dämlich anstellen!“ Sagte meine Mutter. Und war selbst schon weit über 80 🤣😂
Na, dann dürfen wir ja erst recht solche Ausdrücke verwenden. 😃