Veröffentlicht in Drabble, Kurzgeschichten

Nachts

Drabble

Ihre Angst war groß. Wird er sie wieder holen, so wie er es fast jede Nacht tat? Nur selten entkam sie ihm. Wenn es ihr manchmal gelang, ihn abzuwehren, konnte es passieren, dass er sie am helllichten Tag, in einem Moment ihrer Unachtsamkeit, doch noch erwischte.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie angestrengt in die Dunkelheit. Nur wachsam bleiben, konzentriert, dann würde sie merken, wenn er kommt. Dann würde sie eine Chance haben, seinen Fesseln zu entfliehen. Eine Chance zu siegen.
All’ ihre Mühe war jedoch vergebens.
Der Schlaf übermannte sie und beförderte sie direkt in die Klauen ihres Albtraumes.


Das war’s auch schon – das vierte und letzte Drabble … Vorerst. Man kann ja nie wissen, was noch kommt …😉

Ein Drabble ist eine pointierte Geschichte, die aus exakt 100 Wörtern besteht.
Die Überschrift wird nicht mitgezählt.

Veröffentlicht in Drabble, Kurzgeschichten

Der Farbmalkasten

Drabble

Als sie sich langsam nach vorne bückt (diese verdammten Rückenschmerzen!), erkennt Vera endlich den Gegenstand. Ein Farbmalkasten liegt unter der Parksitzbank. Er sieht neu aus! Vera lächelt. Als sie klein war, hatte sie so gern gemalt! Sie erinnert sich noch lebhaft an ihre ersten Aquarellfarben, die bunten Stifte und den schönen, dicken Malblock.
Vera hebt den Farbmalkasten auf und legt ihn vorsichtig auf die Bank. Vielleicht findet ihn ein Kind und freut sich darüber!
Am nächsten Morgen öffnet sie wie gewohnt die Lokal-Zeitung. Sie erstarrt, als eine schwarze Schlagzeile ihr direkt ins Auge springt.
Sprengstoff im Farbmalkasten – Zehnjähriges Mädchen getötet!


Ein Drabble ist eine pointierte Geschichte, die aus exakt 100 Wörtern besteht.
Die Überschrift wird nicht mitgezählt.

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Drabble

Mit Drabbles tue ich mich schwer. Vor Jahren einmal hatte ich es versucht und ganze vier davon hergezaubert 😉. Ich gebe zu – das ist sehr mager. Irgendwie fehlen mir die Ideen dafür. Liegt es daran, dass ich nicht besonders schlagfertig für eine Pointe bin? Fehlt mir der richtige Blickwinkel? Ich weiß es selbst nicht. Jedenfalls ist meine Drabble-Reihe äußerst überschaubar. Nachfolgend eins davon – das allererste.

(Ich denke, die meisten wissen, was ein Drabble ist – eine pointierte Geschichte, die aus exakt 100 Wörtern besteht. Die Überschrift wird nicht mitgezählt).

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Veröffentlicht in Kurzgeschichten

Lauf ins Verderben

Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu. Gibt es noch Hoffnung für Anja und ihren Freund? Eine gruselige Kurzgeschichte? Science-Fiction? Oder doch Humor? Entscheide selbst.

Kurzgeschichte

Anja eilte aus dem Haus, ohne zu frühstücken. Sie hatte – trotz Tabletten – eine weitere schlaflose Nacht hinter sich, in der sie einer Idee nachhing, die immer mehr Besitz von ihr ergriff. Es war nur ein Strohhalm, aber sie klammerte sich an ihn wie an einen Balken.
Die junge Frau las nochmals die kurze WhatsApp-Nachricht, die sie am Nachmittag vor vier Tagen von Alexander erhalten hatte: „Süße, kann heute früher abhauen, bin in fünfzehn Minuten bei dir.“
Klare Worte, kurzer Satz … Kein Problem, die zwei Kilometer Entfernung vom Arbeitsplatz bis zu ihrer Wohnung zurückzulegen. Aber so einfach es zu sein schien – Alex kam nie an.
Warum nicht? Was geschah an diesem Tag mit ihm?
Er hatte ja nicht einmal den berühmt berüchtigten Gang zum Kiosk angetreten, um Zigaretten zu holen! Nein, er ging nicht von ihr, er wollte zu ihr. Und auf diesem Weg löste er sich einfach in Luft auf?
Nicht einmal polizeiliche Ermittlungen hatten bis jetzt etwas ergeben.

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Veröffentlicht in Kurzgeschichten

Die Entscheidung oder Wer zuerst?

Kurzgeschichte

Sarah und Lara sind aufgeregt. Sie stehen kurz vor einer neuen Lebensphase. Sie wollen heiraten.
Die Leiterin des Standesamtes ruft das Blanko-Formular auf, wirft einen Blick in die vor ihr ausgebreiteten Dokumente, lächelt und fragt: „Wen soll ich zuerst eintragen? Normalerweise ist dies der Name des Mannes. In einem Fall wie dem Ihren nehmen wir zur Vereinfachung jedoch stets den Namen der älteren Person. Also?“
Abwartend hält sie die Finger über der Tastatur bereit und zwinkert den beiden zu.

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Veröffentlicht in Kurzgeschichten, Menschsein

Du bist frei!

In dieser Geschichte geht es um die Transsexualität. Es sind Worte einer Mutter an ihr schon erwachsenes Kind, dabei spielt es keine Rolle, ob an eine Transtochter oder einen Transsohn. Wichtig ist, dem Kind wird signalisiert, dass es nicht allein ist. Das Kind wird von seiner Mutter so akzeptiert und geliebt, wie es ist, bekommt Unterstützung und Ermutigung in seinen Entscheidungen.

* * *

„Im eigenen Körper und im Leben gefangen, erwartet mich nichts mehr auf dieser Welt.“
Dieser Satz, ruhig, wie eine längst beschlossene Sache ausgesprochen, traf sie mitten ins Herz …

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Ich kann ja fliegen!

(Für Julia)

Ach, wie schön es ist, zu leben! Die Sonne, die Wärme zu spüren! Die Blumen, ihre prachtvollen Farben und Formen, ihre Vollkommenheit zu bewundern, von ihren köstlichen Säften zu trinken!

Ich liebe diese Welt, und obwohl ich sie gerade erst betreten habe, kenne ich schon viele ihrer Geheimnisse. Zum Beispiel weiß ich: Das riesige Wesen, das in der Nähe auf der grünen Wiese sitzt, mich mit großen Augen betrachtet und die Hand nach mir ausstreckt, ist eigentlich noch ganz klein. Es ist ein kleiner Mensch, ein Kind. Ich weiß sogar, dass es ein Mädchen ist und dass es mich noch nie zuvor gesehen hat. Auch ich sehe es heute zum ersten Mal.

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