Man schreibt mir zu, eine starke und mutige Frau zu sein. Ich selbst würde sagen, dass ich auf jeden Fall kämpferisch bin und nicht so leicht aufgebe. Und doch sitzen so manche Ängste in mir, die sich nicht austreiben lassen. Einige davon sind auf den ersten Blick kaum zu erklären. Dazu gehört die Furcht vor der Dunkelheit, davor, nachts allein schlafen zu müssen. Sie begleitet mich schon seit jungen Jahren, aber ich denke, in Wirklichkeit seit meiner Kindheit. Bloß als Kind konnte ich sie nicht wahrnehmen, da es in der großen Familie praktisch nie dazu kam, dass ich allein im Haus war.
Zum ersten Mal wurde ich mit dieser Angst konfrontiert, als ich schon verheiratet war und mein Ehemann für ein paar Tage zum Lehrerseminar musste, das in einem anderen Ort stattfand. Ich geriet regelrecht in Panik und flehte ihn an, die Teilnahme abzusagen – das ging natürlich nicht. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich das überstanden habe, aber nun – ich lebe noch. 😃 Ein andermal, als ich in der gleichen Not war, hatte sich eine meiner Nichten, die in derselben Stadt wohnte, bereit erklärt, bei mir zu übernachten.
Es sind unvermeidbare Situationen im Leben (nicht wenige Menschen wohnen und schlafen allein), also sollte auch ich damit umgehen können. Was bleibt mir auch anderes übrig, als das Beste daraus zu machen, wenn meine Frau zum Beispiel ein paar Tage im Krankenhaus verbringen muss? Dann muss ich zusehen, wie ich zu Hause ohne sie klarkomme. Aber keine Sorge – ich habe mich mit dieser unangenehmen nächtlichen Angst arrangiert. Ich beschwichtige sie mit einer dezenten Lichterkette, die bis zum Morgengrauen im Flur eingeschaltet bleibt, und mit Ohrstöpseln in den Ohren. Mag seltsam klingen – das mit den Ohrstöpseln, ist aber besser so, denn dann höre ich kein komisches Knacken, Brummen oder Ähnliches, das mich immer wieder aufhorchen und aufschrecken lässt. Lautere Geräusche, wie Telefonklingeln oder Klopfen, bekomme ich ja trotzdem sofort mit.
Eine andere Art der Angst ist noch seltsamer und ebenso schwer zu ergründen – die Angst vor Familientreffen … wenn ein Besuch der Angehörigen ansteht. Besonders ausgeprägt ist sie in der Weihnachtszeit. Dabei geht es ausschließlich um meine Familie. Bereits Tage vorher spüre ich eine wachsende Unruhe in mir, die letztlich in mal mehr, mal weniger starker Panik gipfelt. Bemerkenswert – sobald alle meine Lieben da sind, bin ich erleichtert und fühle mich ausgesprochen gut. Wie es beispielsweise am vergangenen Sonntag war, als die Enkel zum Kaffee kamen. Wir hatten einen schönen Nachmittag, viel erzählt und viel gelacht. Insofern bestand doch keinerlei Anlass zur Panik! 😊
Woher stammen die Ängste? Ich habe neulich das Thema bei meiner Psychiaterin angesprochen. Zwar bin ich erst seit einem Jahr bei ihr in Behandlung, aber sie kennt meine Geschichte. Die Ärztin meint (und das ist auch meine Vermutung), dass die Quelle dieser Empfindungen in meiner Kindheit liegt, dass sie mit dem Missbrauch zusammenhängen. Wenn ich so darüber nachdenke, dann neige ich dazu, ihr recht zu geben. Es ist nur logisch, wenn man die Stichwörter wie Kettenglieder aneinander reiht: Familientreffen (Weihnachten, Bruder kommt zu Besuch), Nacht, Dunkelheit (da kann viel passieren), Hilflosigkeit, Furcht, Panik, Depression …
So oder so – ich muss mit diesen Ängsten wohl oder übel leben und mit ihnen fertig werden. Das tue ich auch. Kämpferisch. Was sonst? 😉
Beitragsbild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay


Liebe Rosa,
Wie sehr kommt mir einiges davon bekannt vor, auch wenn es sich bei mir anders darstellt. So kann ich weder alleine noch mit anderen Personen in der Wohnung schlafen. Zumindest gibt’s tatsächlich nur zwei Personen, die mir nahe genug stehen, um mit ihnen in derselben Wohnung überhaupt schlafen zu können. Von meiner Familie gehört definitiv niemand dazu.
Auch das Paradoxon, dass Ohrstöpsel dem Schlaf dienen, weil diese leisen Geräusche dann nicht hörbar sind, kennen wir extrem gut.
Ja, einerseits müssen wir mit all diesen Einschränkungen leben und dennoch sind wir nicht bereit es als Teil unseres Alltags bis zu unserem Ende hinnehmen zu wollen. Wir suchen und finden auch immer wieder Hilfe und können ein bisschen davon auflösen. Das wünschen wir dir auch sehr, dass das gelingt. Vielleicht lassen sich ja auch all diese Ängste noch auflösen?
Herzliche Grüße und weiterhin viel Kraft. 🍀💪🍀🤗🍀💪🍀
„Benita“
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Danke, liebe Benita!
Wie es aussieht, muss ich wirklich mit meinen Ängsten weiterhin zurecht kommen. Ich weiß ja, was ihnen zugrunde liegt, aber die Wurzeln sitzen wohl zu tief, sind sozusagen mit mir verwachsen. Solange es nicht schlimmer wird, ist alles gut. 😊
Herzliche Grüße
Rosa
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Liebe Rosa,
Das mit den Familientreffen kommt mir bekannt vor. Ich denke aber, das es sich bei mir dabei um leichtes Lampenfieber handelt 🤔
An das alleine schlafen habe ich mich inzwischen gewöhnt. Beim einschlafen hilft mir ein Plüschtier, das mir mein Mann einst geschenkt hat.
🫂
😘😎
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Das da ein Plüschtier hilft, kann ich mir gut vorstellen. Bloß besaß ich nicht einmal als Kind ein Kuscheltier und es wäre echt komisch, wenn ich jetzt damit anfangen würde. 🥹
Liebe Grüße 😍
Rosa
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Mit meinen 57 Jahren komme ich mir da auch ein wenig komisch mit vor.
Aber es hilft mir und mich sieht so alleine ja keiner 🤷🏻♀️
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Nein, ich finde das überhaupt nicht komisch und würde sogar gern selbst zu solch einem „Beruhigungsmittel“ greifen. Aber – wie gesagt … 😉
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Dann hinderst du dich also nur selbst?
Probier es doch einfach aus – das brauch doch keiner wissen ….
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Das mit den Ohstöpseln kenne ich auch. Wenn man in seinem Kopf Stimmen hört, helfen die komischerweise auch, damit man zur Ruhe kommt. Das kann ich echt gut nachvollziehen, dass das hilft, zur Ruhe zu kommen.
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Liebe Nell (ich glaube, dass das dein Kommentar ist),
Stimmen höre ich allerdings keine, außer dem einen oder anderen Ohrwurm. Aber Ohrwürmer sind auch eine echte Plage, doch dagegen wirken Ohrstöpsel leider nicht. 🤨
Danke dir und herzliche Grüße 🌹
Rosa
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Ja, richtig geraten. Ich vergesse immer, dass bei Dir auf der Webseite mein Nutzername nicht übertragen wird. Ich muss im Reader kommentieren, dann klappt das besser.
Ja, mit Ohrwürmern kenne ich mich eher weniger aus. Ich kenne nur den Spruch: „Gegen einen Ohrwurm hilft nur ein anderer.“ Mehr weiß ich darüber auch nicht.
Grüßle zurück! 🙂🍀🙋🏻♀️
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Ich denke auch, dass es auf frühkindliche Erlebnisse zurück geht. Aber es gäbe noch eine Möglichkeit, weil es vielen Frauen so geht. Und zwar ist das eine Urangst vor der Dunkelheit, vor unheimlichen Geräuschen und Ähnlichem. Wir tragen alle noch unseren Affen bzw. unseren Steinzeitmenschen in uns. Und wenn die Männer auf der Jagd waren, musste Frau allein in der Höhle sehr vorsichtig sein. Sprich das ruhig mal bei deiner Therapeutin an. Bin gespannt, was sie dazu sagt.
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Eine Therapeutin habe ich im Moment nicht, denke auch, dass ich keine Therapie mehr brauche. Und die Psychiaterin hat sich ja schon zum Thema geäußert. 😊
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Deine Psychiaterin ist ja deine Therapeutin, aber wenn es dir gut geht, ist alles perfekt .. Ich hatte auch mal einen Psychiater, doch der kam mir vor, als brauchte er selbst Therapie. Deshalb hab ich die Therapie nach vier Sitzungen abgebrochen ..
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Psychiater und Therapeut sind zwei verschiedene Fachrichtungen, sozusagen. Es sei denn, dein Arzt war beides. Meine Ärztin ist nur Psychiaterin und behandelt die Depression medikamentös. Für die Therapie müsste ich mir jemand anderes suchen …
Ja, so mancher dieser Ärzte brauchet wohl selbst eine Therapie. 😉
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Mein Therapeut war ein Arzt, der nebenbei auch Psychologe war. Wir redeten in vier Sitzungen immer eine bestimmte Zeit und wenn diese um war, brach er das Gespräch mitten im Thema ab und verabschiedete mich. Ich kam mir vor wie ein Mittel zum Zweck des Geldverdienens:
Psychologie
Der Hummer liebte die Languste,
Was aber unerwidert blieb,
Die Liebe sank ins Unbewußte
Und wurde dort zum Todstrieb.
Der Psychologe untersuchte
Den Fall und fand ihn gar nicht klar,
Der Hummer lief davon und fluchte,
Er fand zu hoch das Honorar.
Der Psychologe nun verübelte
Ihm dies Verhalten, wenn auch stumm,
Doch sein gescheites Köpfchen grübelte
Noch länger an dem Fall herum.
Auch ohne Arzt genas der Hummer
Und fand ein andres Liebesglück,
Der Arzt führt aber seinen Kummer
Auf einen Geldkomplex zurück.
– Hermann Hesse –
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Ich glaube, Du kannst inzwischen mit Deinen Ängsten ganz gut umgehen, liebe Rosa. Du kannst auch darüber schreiben, das ist schon sehr viel.
Meine Ängste versuchte ich mal in einer Gesprächstherapie zu ergründen und nach einigen Jahren sprach mein Therapeut: Sie brauchen keine Therapie, sie kommen ohne ganz wundervoll klar.
Entweder bilde ich mir meine Ängste also ein oder sie sind so klein und ganz normal, daß eine Therapie unnötig ist.
Schwierig mit den Ängsten. Vermutlich brauchen wir sie, um einigermaßen gut leben zu können. Oder?
Lieber Gruß von Bruni und schöne Weihnachten für Dich und Deine Lieben
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Liebe Bruni, ich denke, es ist tatsächlich so, wie der Therapeut schlussfolgerte – Du bist stark genug, um sich Deinen Ängsten zu stellen und mit ihnen gut umgehen zu können. 😊 Da haben wir ja dann etwas gemeinsam, auch wenn unsere Ängste vielleicht nicht die gleichen sind. 😍
Herzliche Grüße und auch Dir und Deiner Familie wünsche ich schöne Weihnachten.
Rosa
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