Auf meinem Handy schlummern über 3000 Fotos. Als ich das neulich sah, konnte ich bloß mit dem Kopf schütteln. Unglaublich! Aber was sage ich da – im Vergleich zu meiner Frau liege ich noch weit hinten. Ihr iPhone zeigt über 5000 Bilder an.
Und wie war das früher? Viel früher? Nun, früher gab es, wie allgemein bekannt, noch keine Smartphones mit integrierter Kamera. Früher war eben alles anders, einfacher. Oder doch nicht so einfach?
Ich schaue mir übrigens gern alte Schwarz-Weiß-Fotografien an. Manche sind echte Schätze, andere eher missratene Versuche. Offen gestanden: Die meisten sind von bescheidener Qualität.
In meiner Kindheit und Jugend war Fotografieren (im Dorf in Sibirien, wohlgemerkt) ein Luxus, der Zeit und Geld kostete. Also – nicht einfach. Mein drei Jahre älterer Bruder hatte einen Fotoapparat, und so entstanden einige Aufnahmen. Heute sind sie über die ganze Welt verstreut. Da es damals üblich war, bei Besuchen die Fotoalben der Gastgeber durchzublättern, und bei Gefallen Fotos heimlich zu entwenden*, sind mir nur wenige davon geblieben.
Das Zeitalter der Digitalisierung hat in diesem Bereich alles verändert: Schon mit einem Smartphone gelingen gestochen scharfe Fotos in allen Farbspektren und in schier endloser Menge. Wer will, kann sogar ohne Kamera Bilder erschaffen – mithilfe von KI. Doch diese zaubert keine echten Erinnerungen, sondern Fantasiewelten, die oft so grotesk sind, dass man nur lachen kann.
* Dieses heimliche „Bilderklauen“ war damals wirklich gang und gäbe. Da scherte sich niemand um das Urheberrecht! Eine nahe Verwandte war darin besonders gut. Eines Tages hatte ich einige meiner verschwundenen Fotos in ihren Alben entdeckt – allerdings festgeklebt. So konnte ich sie nicht einmal zurückholen, ohne dass ich sie dabei zerstört hätte. Aber eine ordentliche Standpauke hat sie von mir bekommen.
Im Anschluss an meine Gedanken gibt es noch ein paar schwarz-weiße Fotos aus der Vergangenheit.

Mitarbeiterinnen der Abteilung „Katalogisierung und Buchbearbeitung“ der Universitätsbibliothek in Omsk. In der Reihe der Stehenden die zweite von links - das bin ich (etwa 1983, da war ich 29 Jahre alt).
Die drei Schwestern (geb. Schütz) – von links nach rechts: Ida, Rosa, Aneta. 1971.
Meine Schwester Ida (* 1947 – † 2016).
Das bin ich mit meinem ältesten Sohn (ca. 1976). So ernst in die Kamera zu schauen, war damals üblich, ebenso wie die Dauerwelle bei Frauen. 😉
Mit meinem Jüngsten, 1986.
Im Winterurlaub in Kasachstan, 1989.
Rosa und Ida.
So könnte doch ein Selfie von damals aussehen.😃
Die Großeltern von meinem Exmann Jewgenij.
Jewgenij (Eugen) Ananitschev (* 1947 – † 2005) mit seinem jüngeren Bruder Alexandr und ihrer Mutter im ersten Schuljahr von Jewgenij, 1954. Aus der Familie ist niemand mehr am Leben.Der heutige winterliche Tag sieht in Schwarz-Grau-Weiß-Tönen übrigens auch gar nicht so schlecht aus. 😃

Winter 2026 – gewollt in Schwarz-Weiß.Beitragsbild: PublicDomainArchive/Pixabay.com


Sehr interessante Zeitdokumente sind das !
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Heute ist es anders als früher, aber einfach ist es wahrhaftig nicht…
Vieles wirkt komplizierter als es ist.
Viele interessante Bilder von Dir und Deinen Lieben, liebe Rosa
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Das stimmt. Danke, liebe Bruni!
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Liebe Rosa,
dass Fotos aus Fotoalben entwendet wurden (werden), habe ich so noch nie gelesen oder gehört. Das ist schon eine seltsame Art und Weise, sich Erinnerungen zu verschaffen. Ich verstehe Deine Emotionen gegenüber Menschen, die sich derart verhalten haben.
Meine Schwester und ich haben vor längerer Zeit etwas in der Wohnung meiner Eltern geräumt – und da gab es auch das eine oder andere Foto, das wir mitgenommen haben. Das geht aber in Ordnung, weil die Wohnung sowieso geräumt werden muss und diese Fotos meine Eltern nicht mehr interessieren. Ihr Fokus ist längst auf andere Dinge gerichtet. Ich selbst habe eine ganze Lade und mehrere Alben mit Fotos, die noch mit analogen Kameras entstanden sind. Meine alte Kamera habe ich auch noch, darin eingespannt ein Film – wäre spannend, wie die entwickelten Fotos aussehen würden, denke ich manchmal.
Es sammeln sich viele Fotos an, ob auf Smartphones oder digitalen Kameras. Und so wie Du schaue ich mir ebenfalls von Zeit zu Zeit alte Fotos an, die noch analog entstanden sind. Damals musste mal sich viel länger Zeit damit lassen, ein Foto zu „schießen“, denn es konnte im Nachhinein nicht mehr bearbeitet werden.
Als ich meine digitale Kamera geschenkt bekam, war ich zunächst darüber gar nicht glücklich, ich fühlte mich übergangen, denn ich habe mir so eine gar nicht gewünscht. Die ersten Versuche damit machten allerdings immer größere Freude und daher möchte ich sie heute keinesfalls mehr missen. Auch bei mir sind es inzwischen einige tausend Fotos, die sich im Laufe von dreizehn Jahren ergeben haben.
Bei Portraits finde ich SW-Fotos oftmals viel reizvoller als in Farbe. Warum genau, kann ich gar nicht wirklich sagen, aber ich glaube, ich sehe genauer hin. Der Ausblick aus Eurer Wohnung ist wunderschön, eine kraftvolle Ruhe strahlt diese Umgebung aus und ähnelt meinem Lebensraum.
Schicke Dir herzliche Grüße, C Stern
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Danke Dir, liebe C Stern, für Deine Gedanken und eigene wertvolle Erinnerungen.
Herzlichst
Rosa
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