Nicht zum ersten Mal greife ich das Thema Winter in meinem Blog auf. Jetzt haben wir sie auch wieder – diese Jahreszeit, kälter als üblich. Meine Frau und ich haben uns sogar Mützen gekauft, ein ungewohnter Anblick, denn bisher hatten wir nie das Bedürfnis danach. Was meint ihr, welche Mütze gehört zu meinem Kopf? 😉

Mütze für den Winter 1
Mütze für den Winter 2Ich bin froh, dass ich bei diesem Wetter nicht nach Lüdenscheid pendeln muss, wo der Schnee sich noch hartnäckiger hält. Stattdessen darf ich als Rentnerin die meiste Zeit zu Hause im Warmen verbringen. Denn Frost und Kälte sind längst zu meinen Feinden geworden.
In meiner Kindheit war das anders. Auf dem zugefrorenen Baggersee Schlittschuh laufen, rodeln oder mit den Skiern unterwegs sein – das war Winter, ein Winter, der Spaß machte. Die Freude am Schnee und an all den Möglichkeiten, die er bot, war groß. Man denke nur an Schneeballschlachten, den Bau von Schneemännern oder Burgen und viele andere Vergnügungen.

Das winterliche Schönfeld in Sibirien
Der winterliche Wald in SibirienDas nachfolgende Gedicht, das ich 1994 verfasst und auch schon einmal hier im Blog präsentiert habe, spiegelt die Stimmung der fünfzehnjährigen Rosa Schütz gut wider – ich halte es jedenfalls für gelungen. ☺️
Schneesturm
Im Gestern ist der Frost geblieben,
Der Winter aber noch in vollem Gange.
Der Wind hat seine kalte Wut vertrieben
Für kurze Zeit.
Was will ich mehr von ihm verlangen?
Er schenkt mir einen Schneesturm heute –
Mein Lieblingswetter. Mir zur Freude!
Der Wind ist sanft und dennoch kräftig.
Er wirft mir feine Nadeln ins Gesicht.
Er tobt und wirbelt mit Gelächter
Im Hexentanz.
Das macht er sicher nur für mich!
Ich tanze mit dem Wind durch Schnee,
Ich spüre keinen Druck in mir. Nicht mehr!
Ich fühle mich wie neu, bin aufgelebt.
Die kleinsten Sorgen sind verschwunden.
Mein Herz ist rein und unbeschwert,
Gedanken klar.
Mein Feind in mir ist festgebunden.
Wie herrlich ist das – frei zu sein,
Wenn im Herzen Sonnenschein.
Der Wind beruhigt sich fast plötzlich.
Am Abend wird es still. Es schneit.
Die Flocken fallen weich und zärtlich
Auf mein Gesicht,
Wie Teilchen aus der Ewigkeit …
Nur fünfzehn Jahre bin ich hier,
Auf dieser Welt. Mein Leben liegt vor mir.
Doch diese unbeschwerten Zeiten (ganz sorglos waren sie ohnehin nicht) sind längst vorbei. Klar: Als Erwachsene hatte ich im Winter mehr Probleme als Vergnügen, und die brauche ich gar nicht aufzuzählen. Hinzu kommt eine Kälteallergie, die sich durch Juckreiz, Hautrötungen und aufgeplatzte Fingerkuppenhaut zeigt, und mich bis heute belastet.
Der Winter in Deutschland ist kein sibirischer Winter – meist mild, oft schneelos. Und doch gelingt es mir nicht, die kindliche Liebe zu dieser Jahreszeit wiederzufinden. Sie ist verschwunden, und ich weiß: Sie wird nicht zurückkehren.


Das Gedicht ist dir wirklich sehr gelungen und ich denke, die Winter-1-Mütze gehört dir!
Liebe Grüße von einer, die bei Kälte auch lieber Daheim bleibt.
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Danke! Und du hast recht mit der Mütze. 👍😊
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Du bist die Mütze Nummer 2! 😁
Bei mir ist es mit dem Winter und der Kindheit anders als bei Dir. Ich bin zwar im Winter mit den Anderen Schlitten gefahren oder auf Plastiktüten den Berg runter gesaust. Ich erinnere mich aber noch gut an einen Moment, als ich innehielt und mich fragte, was daran jetzt so toll sein soll. So ein tiefer Genuss war es nicht für mich, eher oberflächlich, ich hab nur mitgemacht, weil die Anderen das gut fanden.
Aber jetzt mag ich Winter auch nicht, so wie Du. Auch ohne Allergie. Ich hab Angst vor Glätte beim Autofahren, hatte da schonmal einen Unfall. Deswegen ist es mir ohne Schnee lieber.
Du hattest wenigstens einmal diese kindliche Liebe zum Winter. Das ist doch ne schöne Erinnerung.
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Da sind wir doch wenigstens als Erwachsene einig. 😊 Ich bin die Mütze Nr. 1. 😉
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