Heute einmal andersherum: eine (durch KI unterstützte) Übersetzung aus dem Russischen ins Deutsche. Quelle: https://bessmertnybarak.ru/article/spasibo_tovarischu_stalinu/
Hinweis auf der Plattform „Bessmertnybarak.ru“ (von mir übersetzt):
Jede Verwendung und jeder Nachdruck der Materialien werden von der Redaktion des Projekts begrüßt. Die Materialien stammen aus verschiedenen Quellen, häufig handelt es sich um Familienerinnerungen. Wir sind überzeugt, dass Informationen über diese wichtigen Seiten der Geschichte frei verbreitet werden können und keinen Einschränkungen unterliegen dürfen. Es ist unsere Geschichte, und wir sind verpflichtet, sie zu kennen und zu bewahren.
Russischer Text: K. J. Starochamskaja (К. Ю. Старохамская)
Welche Launen des Schicksals und welcher Zynismus.
Eines der bekanntesten Plakate aus der Zeit des Persönlichkeitskults ist das Plakat mit dem Foto Stalins, der ein Mädchen auf dem Arm hält. Doch wie dieses Mädchen hieß, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Manchmal schreibt man, es sei „Stalin und Mamlakat“. Das ist jedoch falsch – es handelt sich um eine historische Verwechslung. Auf den Armen des Führers sitzt Gelja Markisowa – ein burjatisches Mädchen, ein Symbol des Dankes für eine glückliche Kindheit. Mamlakat hingegen steht auf einem anderen Foto hinter Stalins Rücken – ein früh gereiftes orientalisches Mädchen mit Kopftuch und einem einfachen bäuerlichen Gesicht.

Stalin und GeljaAllerdings entstand diese Verwirrung nicht zufällig. Gelja wurde in der Familie des Volkskommissars für Landwirtschaft der Burjat-Mongolischen Autonomen Republik Ardan Markisow geboren. Im Januar 1936 war Ardan Markisow einer der Leiter der Delegation aus Burjat-Mongolei, die nach Moskau gekommen war. Das hübsche Mädchen wurde eigens für das Treffen mit Stalin mitgenommen und entsprechend vorbereitet. Bei dem Treffen reichte Gelja Stalin einen Blumenstrauß mit den Worten:
„Diese Blumen überreichen Ihnen die Kinder der Burjat-Mongolei.“
Der gerührte Führer hob das Mädchen auf die Arme und küsste sie. Dieser Moment wurde von zahlreichen anwesenden Fotografen und Kameraleuten festgehalten. Bereits am nächsten Tag erschien das Foto Stalins mit Gelja auf dem Arm in allen Zeitungen, versehen mit der Aufschrift:
„Danke dem Genossen Stalin für unsere glückliche Kindheit!“
In der Folge wurde dieses Foto massenhaft vervielfältigt: Nach ihm wurden Plakate und Gemälde angefertigt, Hunderte Skulpturen hergestellt.


1937 wurde Ardan Markisow verhaftet, der Vorbereitung eines Attentats auf Stalin beschuldigt und erschossen. Bald darauf verlor Gelja auch ihre Mutter: Auch sie wurde verhaftet. Gelja durchlief sowjetische Kinderheime und Spezialanstalten, in denen niemand glaubte, dass sie tatsächlich jenes Mädchen auf dem berühmten Foto sei. Die ehemalige Artek-Pionierin Ella Olchowskaja erzählt:
„1935 wurde das tadschikische Mädchen Mamlakat Nachangowa berühmt. Jemand hatte sich ausgedacht, aus ihr eine Stachanowka zu machen, und zwang das dunkle, ungebildete Mädchen, Baumwolle mit beiden Händen zu pflücken. Damals war das ein echter Boom (Baumwolle wurde immer nur mit einer Hand gepflückt). Man erzählte, Mamlakat habe angeblich eine wahnsinnige Menge Baumwolle gesammelt und die Norm weit übererfüllt. Stalin empfing sie persönlich, zeichnete sie mit einem Orden aus und schenkte ihr eine goldene Uhr. Im ABC-Buch war auf dem Titelblatt ein Gedicht abgedruckt:
Bei den Tadschiken klingen Namen hell,
Mamlakat – die Heimat, unser Quell.
Vor dem Krieg trugen fast alle Kinder bestickte mittelasiatische Tjubetejkas. Sie kamen wegen Mamlakat in Mode. In dem Buch Die vierte Höhe über die Pionierin Gulja Koroljowa wurde geschrieben, dass Gulja im Artek Mamlakat kennenlernte und sich mit ihr anfreundete. Das Schicksal Mamlakats verlief gut: Sie wurde nicht hochmütig, verwandelte sich nicht in eine Paradefigur für Parteitage und Kundgebungen, sondern konnte eine Ausbildung erhalten, Englisch lernen und in die Vereinigten Staaten ausreisen. Man kann sagen, sie hatte großes Glück.“

Stalin und MamlakatDa von dem Foto des Führers mit der Tochter des in Ungnade gefallenen Volkskommissars Markisow eine unüberschaubare Menge an Plakaten, Gemälden, Statuen und anderem Agitationsmaterial hergestellt worden war, ließ sich dieses unmöglich aus dem Verkehr ziehen. Deshalb beschlossen die Ideologen im Schutz des allgemeinen Trubels, die unzuverlässige Gelja in die robuste Bäuerin Mamlakat „umzubenennen“. Vielleicht war es ihnen auch schlicht egal. Was machte es schon für einen Unterschied, ob das Mädchen tadschikisch oder burjatisch war? Also entschieden sie, das sechsjährige Mädchen auf Stalins Armen zur Baumwollarbeiterin Mamlakat zu erklären, obwohl sie schon rein körperlich unmöglich den Leninorden für die harte Arbeit hätte erhalten können.
Doch selbst wenn jemand bemerkt hätte, dass hier etwas nicht stimmte – es waren nicht die Zeiten, in denen man Fragen stellte. Wer weiß, was mit demjenigen hätte geschehen können, der daran zweifelte, dass in der Sowjetunion ein sechsjähriges Mädchen die doppelte Baumwollnorm erfüllen oder der große Führer mit Leichtigkeit eine erwachsene Baumwollarbeiterin mit einer Hand hochheben konnte?

Stalin und Mamlakat, die das Mädchen Gelja ersetzen mussteSpäter wurde Gelja Markisowa von einem Verwandten ihrer Mutter ausfindig gemacht und unter seinem Familiennamen aufgezogen, was sie vermutlich rettete. Sie erhielt eine Ausbildung, arbeitete am Institut für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften, heiratete glücklich und – was interessant ist – ging ebenfalls ins Ausland, allerdings nach Indien. Sie arbeitete ein halbes Leben lang in Indien, wurde Doktor der Wissenschaften und starb im Jahr 2004.
In der Episode mit dem Foto „Für unsere glückliche Kindheit“ gibt es ein amüsantes Lebensdetail, das die offiziellen Lexikonartikel aus Wikipedia und anderen Quellen deutlich lebendiger und menschlicher macht. Während Stalin das Mädchen auf dem Arm hielt und freundlich in die Kamera lächelte, sagte er zu seinen Gefolgsleuten:
„Momashore eg tiliani.“
Diese Worte des geliebten Führers, gesprochen in einer fremden Sprache, bewahrte Gelja viele Jahre lang ehrfurchtsvoll in ihrem Gedächtnis und trug sie durch alle Prüfungen ihres Lebens. Doch ihre Bedeutung erfuhr sie erst, als sie bereits erwachsen war. Aus dem Georgischen übersetzt, heißt es so viel wie: „Schafft mir dieses verlauste Ding vom Hals!“
Beitragsbild: Ein Plakat aus den Zeiten der Diktatur. Die russische Unterschrift lautet, wörtlich übersetzt: Für jeden von uns sorgt Stalin im Kreml. [Oh ja!]

