Veröffentlicht in Literatur, Rezension

Erkenntnis

Der Mensch, das Leben, das Universum …
Die faszinierendsten und geheimnisvollsten Themen. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Hat unsere Existenz überhaupt einen Sinn?
Das Sterben … Was passiert mit uns, wenn wir aufhören zu atmen, was bleibt von uns, wenn wir nicht mehr da sind? Wir denken nicht viel darüber nach – solange wir zufrieden und gesund sind. Aber irgendwann, zu einem gewissen Zeitpunkt, werden viele von uns sich diese Fragen stellen – vielleicht auch ich. Wie schwer würde es mir fallen, zu realisieren, dass ich todkrank bin, dass mir vielleicht nur noch ein paar Monate zum Leben bleiben? Was würde ich tun, wie würde ich mich verhalten? …
Und wie geht es einem Kind, das erfahren muss, dass es nicht mehr lange zu leben hat?

Cecilie ist so ein Kind. In ihrem tiefsten Inneren weiß sie, dass sie nicht mehr gesund wird, obwohl sie ihre Gewissheit nicht zeigen will und tapfer gegen die Krankheit ankämpft. Sie könnte noch so vieles erleben; gerne würde sie wenigstens noch einmal in diesem Winter Ski laufen oder Schlitten fahren, im Sommer vielleicht wieder nach Kreta fliegen und am Strand wunderschöne Steine sammeln. Nun hat sie nicht einmal die Kraft, um selbständig das Bett zu verlassen und mit ihrer Familie Weihnachten zu feiern. Aber eines Nachts erscheint in ihrem Zimmer Ariel – der kleine Engel. Nach seinen eigenen Worten, ist er gekommen, um Cecilie zu trösten. Es ist seine Aufgabe, Menschen, die im Sterben liegen, zu helfen, sie auf die letzte Reise vorzubereiten.
Cecilie und Ariel – zwei Kinder Gottes … Sie reden miteinander, so unbefangen und selbstverständlich, wie es auch nur zwei Kinder tun können. Das Mädchen versucht, dem Engel zu erklären, wie es so ist, ein Mensch zu sein, und Ariel erzählt Cecilie eine Menge erstaunlicher Sachen über die Schöpfung, über Gott und die Seele und natürlich auch über sich selbst. Sie eröffnen sich gegenseitig das ganze Universum von völlig neuen, ungewöhnlichen Seiten …
Das Leben hat einen Sinn, auch wenn es noch so kurz ist! Das sagt uns
Jostein Gaarder in seiner wundervollen und tiefergreifenden Geschichte „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“ – einer Geschichte über das Mysterium der Schöpfung.

Zeitungsartikel - Lesetipp der Stadtbücherei Lüdenscheid

Diese Buchbesprechung schrieb ich im Auftrag der Bücherei für die Lokalzeitung im September 2000. Heute entdeckte ich die Zeitung zwischen alten Unterlagen. Als ich den Text noch einmal las, fiel mir plötzlich eine kleine, aber erstaunliche Ähnlichkeit mit meiner Novelle „Andersrum“ auf.
Zwar gibt es in der Geschichte über die kleine Lisa keinen Engel, sondern einen geheimnisvollen Duh – aber auch er kam, um Lisa zu helfen, um sie zu trösten und zu stärken. Ebenso wie Ariel es tat. Beide haben Wunderbares vollbracht! Dieser Gedanke erfüllt mich mit Freude. Wieder einmal wird mir bewusst, dass es gut und richtig war – von dem kleinen Mädchen und ihrem Leben zu erzählen.
Nein, vor 20 Jahren ‚ahnte‘ ich noch nichts von Lisa und ihrem Schicksal, aber schon damals bewegte mich Jostein Gaarders Roman zutiefst. Auch wenn ich an Gott nicht glaube, ist diese Geschichte für mich eine Art Offenbarung gewesen. Offenbarung darüber, dass das Leben ein Wunder ist, ganz gleich, wie lange es dauert.
Und es spielt keine Rolle, ob man mithilfe Gottes, eines Engels, eines anderen Wesens oder einfach nur aus eigener Kraft zu dieser Erkenntnis kommt.

Autor:

Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern für meine Blogs und für die Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: "In der sibirischen Kälte" und "Andersrum". Einige meiner Texte sind auch als eBooks im Internet frei zugänglich.

2 Kommentare zu „Erkenntnis

  1. Die Erkenntnis habe ich gerade gelesen und es ist vielleicht gar kein Zufall, dass Dir die Ähnlichkeit zu Deiner Novelle Andersrum auffiel. In unserer Schöpfung gibt es so viele Geheimnisse, die Menschen nur so nach und nach offenbart werden. Manchmal in oder vor einer besonders schwierigen Lebensphase erkennen wir diese besonderen Geschenke. GLG.Michi

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