Veröffentlicht in Übersetzungen – Переводы и русские тексты, Persönliches

Zwei Sprachen und die Freiheit der Übersetzung

Nell sagt:

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Geboren bin ich 1954 in einem deutschen Dorf in Westsibirien (Gebiet Omsk), lebe seit 1992 in Deutschland. Nach 18 Jahren Bibliotheksarbeit in Omsk und 20 Jahren in der Stadtbücherei Lüdenscheid bin ich nun seit Dezember 2019 Rentnerin. Ich schreibe gern auf meinem Blog und verfüge über eine Homepage. Es gibt zwei Buchveröffentlichungen von mir: Autobiografisches „In der sibirischen Kälte“ und Novelle „Andersrum“. Außerdem bin ich Mitautorin in einigen Almanachen des BKDR Verlages und in verschiedenen anderen Anthologien.

7 Kommentare zu „Zwei Sprachen und die Freiheit der Übersetzung

  1. Auf dem Gymnasium hatte ich einmal die Gelegenheit ein Jahr lang eine Sprach-AG „Russisch“ zu belegen, kann aber nur rudimentär die Lettern lesen. Meine Mutter und ihre Familie hatte in der Zeit der SBZ und der frühen DDR-Jahre Russisch in der Schule lernen müssen und später in einem sowjetischen Betrieb gearbeitet. Deshalb interessierte mich die Sprache und ich mochte ihre ‚Musikalität‘. Viele empfinden die Sprache als hart, das sah ich anders. Leider war ich zu jung, zu faul, um die Sprache weiter zu vertiefen, was ich heute bedauere.

    Du, liebe Rosa, schreibst: „Was mir jedoch die Freude an dieser Sprache trübt, ist das derzeit aggressive Putin-Regime in meiner alten Heimat. Dadurch erscheint mir die russische Sprache ebenfalls verdorben und ich würde es lieber vermeiden, sie öffentlich zu sprechen.“ Eine Sprache ist so viel mehr, als dass man sie sich vom ‚Missbrauch‘ verderben lassen sollte. Wie viele Sprachen wären aus diesen Gründen verschwunden? Ginge es danach, dürfte ich kein deutsches Wort mehr sprechen! Gerade wenn man so empfindet, sollte man alles geben, um dem sprachlichen Ausdruck wieder positive Aspekte zu verleihen und sie von missbräuchlicher Verunreinigung zu befreien. Ich kann leider nicht mitlesen, aber du musst weitermachen (vor allem: zur Versöhnung und für dich selbst!)

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    1. @hmkaufmann – Vielen Dank, in Absatz 2 gibt es einen Denkanstoß zum Gebrauch von Sprachen, der auf den Punkt bringt, dass man sich eine Sprache nicht verderben lassen sollte.

      Liebe Rosa,

      ich verstehe Deine Emotionen gut, wenn es darum geht, russisch zu schreiben oder zu sprechen. Du hast leider sehr viel erleiden müssen …

      Ich muss wieder einmal genauer hinhören, wenn Russisch gesprochen wird, um zu erleben, welche Stimmungen bei mir geweckt werden.

      Ich sehe es auch so, viele Sprachen (die meisten?) wären längst verschwunden, würden wir sie sozusagen nach ethischen Gesichtspunkten einordnen. Dabei wäre es ganz wunderbar, könnten sie Menschen untereinander versöhnen. Sprachen sind verbale Brücken von Menschen zu Menschen. Menschen können sie zu solch stabilen Brücken machen, jede Sprache dieser Welt.

      Herzensgruß zu Dir, C Stern

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      1. Liebe C Stern, auch Deinen Worten stimme ich gern zu. Das mit den Brücken hast Du schön gesagt. Dann werde ich doch versuchen, meinen Teil zu solch einem Brückenbau beizutragen.
        Herzliche Grüße
        Rosa

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    2. Du hast ja recht, liebe Heather. Und doch kann ich dieses Gefühl nicht einfach wegwischen. Hinzu kommt, dass die Sprache so stark von Schimpf‑, Fluchwörtern und Obszönitäten durchsetzt ist. Das ist mir viel zuwider. Ich glaube, in keiner anderen Sprache ist das so verbreitet.
      Aber ja – ich mache weiter mit meinen Übersetzungen. Danke dir für deinen Zuspruch.

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