Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Betreffend Familie

Zwanzig der insgesamt hundert Fragen habe ich nun beantwortet und … bin stecken geblieben. Demnächst soll es um die Eltern, Großeltern und Geschwister gehen. Darüber habe ich jedoch schon viel in meinem Buch und in früheren Beiträgen geschrieben. Das Gleiche noch einmal zu wiederholen oder zu umschreiben würde wenig Sinn ergeben und es fühlt sich auch irgendwie falsch an. Deshalb habe ich beschlossen, nicht weiterzumachen.
Ob ich vielleicht die eine oder andere der übrigen Fragen doch als Thema für einen Blogartikel aufgreife? Das überlege ich mir noch. 😉

Die Buttons unten führen zu drei meiner bereits auf der Homepage und in diesem Blog veröffentlichten Texte.

Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches, Psyche

Vor dem Morgengrauen

20. Waren Sie als Kind oft krank?

Als Kind war ich kaum krank. Ich hatte zwar ab und zu Ohren- oder Halsschmerzen, aber sonst, was den Körper angeht, nichts Gravierendes. Zum Glück hatte ich auch keine Zahnprobleme und blieb somit von den damaligen grausigen Behandlungen verschont.
Die Psyche ist eine andere Geschichte. Erst im erwachsenen Alter ist mir klar geworden, dass ich als Kind depressiv war. Wenn man mich gefragt hätte, was mir fehlt, hätte ich das damals nicht sagen, nicht beschreiben können. Es war wie ein unangenehmer Beigeschmack am Dasein, wie ein Ziehen und Nagen an der Seele … Wie ein Schatten in der Ferne, über dem grünen Waldstreifen; ich spürte ihn, wenn ich meinen Blick an den Horizont richtete. Etwas Dunkles schaute mir entgegen und mein Herz zog sich zusammen.

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Veröffentlicht in Persönliches, Reise

Zwei Orte – zwei Charaktere

Im Beitrag „Ein Ort zum Innehalten“ habe ich schon erwähnt, dass meine Frau und ich auf dem Nachhauseweg aus Bayern einen Abstecher nach Kirchheimbolanden machen werden, in den Ort, aus dem die Vorfahren meiner Mutter kommen.
Das haben wir auch getan.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Spielen – drinnen und draußen

Autobiografisch geht es weiter.

13. Was war Ihr Lieblingsspielzeug? 14. Was war das liebste Spiel draußen?

Jetzt bin ich aber am Grübeln. Spielzeug? … Ich könnte sagen – ich hatte keins, und das würde auch so ziemlich der Wahrheit entsprechen. Kann man den Puppenkopf, mit dem ich auf einem Kinderfoto zu sehen bin (an die Puppe selbst erinnere ich mich nicht einmal), als Spielzeug betrachten?

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Veröffentlicht in Autobiografie, Memorial, Persönliches

Das Grab meiner Mutter

Es ist für mich inzwischen so selbstverständlich – mein Leben im Wohlstand, in der Demokratie. Und doch denke ich oft an vergangene Zeiten, daran, was für ein Glück (im Unglück) ich hatte, in Russland als Deutsche geboren zu sein. Sonst wäre meine Familie dem totalitären Regime wohl niemals entkommen.
Eigenartig, dass das Land mir erst im Nachhinein wie ein Albtraum vorkommt. Als ich noch dort lebte und keine Alternativen kannte, schien mir mein Leben normal zu sein.
Ich hatte zu arbeiten und meine Kinder zu versorgen, mich um meinen Mann zu kümmern und meine Freundschaften zu pflegen. Natürlich hatte ich reichlich Kummer, aber auch viele Glücksmomente.
Was der Sozialismus wirklich bedeutet, zeigte sich den Menschen erst in den letzten Jahren der Sowjetunion. Denn als das morsche System in sich zusammenbrach, erblickten wir die zahllosen Leichen im Keller. Die ganze Welt erschauderte angesichts der unmenschlichen Verbrechen an der eigenen Bevölkerung.

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Veröffentlicht in Übersetzung, Memorial

Nicht im Krieg, nicht einmal in der Dürrezeit …

Erinnerungen von I. G. Hentosch

(aus dem Russischen von Rosa A. übersetzt)

Winter 1932-1933 in Rostow am Don. Ich bin sieben Jahre alt. Immer öfter höre ich das Wort Hunger. Es gibt auch andere neue Wörter: Essensmarke, Bons, Torgsin*. Torgsin ist für mich so etwas wie ein Märchen, ein Schlaraffenland. Mama bringt ihren Ring und ein paar silberne Löffel dorthin. Ich stehe am Schaufenster und sehe Würstchen, schwarzen Kaviar, Süßigkeiten, Schokolade, Törtchen. Ich verlange nicht danach – verstehe ich doch sehr gut, dass meine Mutter das nicht kaufen kann. Aber ich bekomme etwas Reis und ein Stückchen Butter.

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Veröffentlicht in Menschsein, Persönliches, Psyche

Das Alte von Neuem?

Dezember überstanden, wieder einmal. Der Januar und somit das Jahr 2021 nimmt seinen Lauf. Meine Stimmung hat sich gebessert. Bis zum nächsten Dezember oder bis zu irgendeinem Vorfall, der mich wieder aus der Bahn wirft. Da braucht es eigentlich nicht viel. Ich sage nur: Mein Kind. Meine Sorgen. Mein Sorgenkind. Das ist etwas, das ich nicht lösen kann, da hilft auch keine Therapie. Irgendwie muss ich allein einen Weg finden. Oder weiter mir selbst Angst machen, mich quälen …

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Veröffentlicht in Menschsein, Persönliches

Du bist (m)ein Schatz

Du hast mich wieder beruhigt, mein lieber Sohn. Nach dem Telefonat mit dir geht es mir schon besser. Du kannst das anscheinend genauso gut, wie dein Vater es konnte. Egal, wie groß meine Sorgen waren, er hat es immer geschafft, mir die Schwere aus den Gedanken zu nehmen. Das war von Anfang an und bis zu seinem Tod so. Auch als wir schon nicht mehr zusammen waren, brauchte ich ihn nur anzurufen und ihm von meinem Problem zu erzählen – er fand jedes Mal die richtigen Worte für mich. Es war der Ton, wie er es gesagt hatte, das Zuversichtliche, das in seiner Stimme lag, die Besorgnis um mich … Vielleicht war es auch das Zusammenspiel von alledem plus eine andere Fähigkeit, die nur er besaß – ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass er dieses Einzigartige (unter anderen guten Eigenschaften) an dich weitergegeben hat.
Du bist ein Schatz – nicht nur für mich, deine Mutter, sondern auch für alle Menschen, die dich kennen und lieben, und – die du liebst.

Veröffentlicht in Elfchen, Persönliches

Menschen in meinem Leben

Elfchen

Elfchen über Menschen zu schreiben ist schwieriger als „normale“, habe ich für mich festgestellt. In elf Wörtern etwas über eine Person und die Beziehung zu ihr auszusagen – geht das überhaupt? Ich habe es versucht …

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Veröffentlicht in Brief, Persönliches

Was bleibt …

Nachtrag zu „Begegnung“

Aus dem Mailaustausch mit Tatjana Enns zum Blogartikel „Begegnung“.

Tatjana:
„Hallo liebe Rosa,
wow, wie wundervoll, dass Du solch lebendige, kraftvolle Bilder siehst bzw. träumst. Wenn du mich fragst, hat dein Unterbewusstsein dir auf alle Fälle eindeutige Botschaften geschickt. Die Interpretation von Lilli finde ich zutiefst faszinierend. Sie hat dazu ein Talent, wirklich!
Interessant ist zu lesen, dass du diese Sicht des Traumes zwar annehmen kannst, und dir dennoch dabei etwas zu fehlen scheint.
Man kann es natürlich, wie Lilli es schrieb, sehen. Etwas in mir sagt mir, dass du sicher weißt, dass du DEINEN ungeborenen Sohn gesehen hast. Dass er dir ein (einziges) und letztes Mal Lebewohl sagen wollte und dir zeigen wollte, dass nun alles gut ist. Dass es ihm drüben gut geht.
Was ich noch als Impuls gerade bekomme, ist … Es fühlt sich so an, als ob dein Sohn ohne Namen noch eine wichtige Botschaft für dich hat… die er dir noch überbringen möchte. Deshalb hat er gesagt, dass er bald wiederkommen wird oder auch nicht.
Man kann in Hypnose in die Vergangenheit reisen, ohne dabei an den schlimmen Gefühlen zu sterben. Doch diese alten, unverarbeiteten Gefühle möchten einfach nur nochmal gefühlt, gesehen und angenommen werden … So kann wirkliche Heilung geschehen. Meiner Meinung und Erfahrung nach der einzige Weg, seelische Wunden zu heilen. Dann kann auch in dir endlich alles heilen (Farbe Grün).
Ich kann dich bei diesem Prozess begleiten, das weißt du?
Das sind so meine Impulse dazu.“

Meine Antwort:
Liebe Tatjana,
danke für deine Deutung des Traumes. Die wahre Geschichte dazu („Das Geburtshaus“) kennst du ja aus meinem Buch. Spannend – Lillis Version und deine zusätzliche.
Was ich darüber denke … Ich glaube nicht, dass mein Kind, das sich seines Lebens noch gar nicht bewusst sein konnte, mir etwas sagen wollte. Es ist mein Unterbewusstsein, das mir auf diese Weise signalisiert: es ist alles gut, lass diesen Stein fallen, es ist nichts mehr zu ändern, schließe Frieden mit der Geschichte. Darin sind wir ja uns einig. Ob ich das kann, ist eine andere Frage. Daran zu denken macht mich immer noch traurig, aber das ist doch auch normal. Wie soll es denn gehen ohne Trauer? Aber dieser Traum hatte doch seine beruhigende Wirkung und ich kann damit leben. Es ist so, als ob mein ungeborener Sohn Gestalt angenommen, ein Gesicht bekommen hätte, und dieses Bild von ihm habe ich in meinem Herzen aufgenommen und kann es für immer behalten und bewahren. Vielleicht hätte er im Leben ganz anders ausgesehen, aber das ist unwichtig. Wichtig ist: so wie ich ihn gesehen habe, in seinem grünen Hemd, so bleibt er in meinem Herzen.🙂
Danke auch für dein Angebot. Ich weiß das zu schätzen, denke aber, dass dieser Weg nicht für mich geeignet ist.

Es ist alles gut so wie es ist. Und ich freue mich, dass ich so viele tolle Menschen um mich habe, da kann ich doch nur dankbar sein. Auch deine Freundschaft bedeutet mir viel …“

Webseite von Tatjana Enns: Glück – Entspannung – Gelassenheit

Bild von Astri Thea Rahmanita auf Pixabay
Bild von Astri Thea Rahmanita auf Pixabay

Veröffentlicht in Brief, Persönliches

Begegnung

Aus dem Mailaustausch mit meiner Nichte Lilli
(veröffentlicht mit ihrer Zustimmung)

Lilli hat mich Anfang des Jahres im Internet „entdeckt“ und angeschrieben. Seitdem stehen wir im engen Kontakt miteinander. Sie ist eine wunderbare, außergewöhnliche, sehr kreative Frau. Uns verbinden nicht bloß das Familiäre und die Vergangenheit, wir haben auch andere Gemeinsamkeiten. Dazu lasse ich nur ein Wort fallen: Schreiben …

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Veröffentlicht in Autobiografie, Blogparade, Persönliches

Auf dem Weg

Der Mensch mag sich wenden, wohin er will, stets wird er auf jenen Weg wieder zurückkehren, den ihm die Natur einmal vorgezeichnet hat. Johann Wolfgang von Goethe

Wie oft stehen wir Menschen vor einer Entscheidung, die unser Schicksal beeinflusst und dem eigenen Leben eine völlig andere Richtung gibt, oder aber uns – fast ohne eigenes Zutun – nur ein paar Schritte weiter auf dem Weg geleitet, den wir ohnehin schon eingeschlagen haben.

Auch in meinem Leben gab es kleinere, auf den ersten Blick, kaum bedeutsame Wendungen, und es gab solche, die mir viel abverlangten, alles aufwirbelten und die Zukunfts-Karten neu mischten. Die größten solcher Umgestaltungen sind 1992 und 1997 geschehen. Der ersten Jahreszahl ist ein grundlegender Umbruch zuzuordnen – die Ausreise nach Deutschland, der zweiten – ein nicht weniger gravierender Schnitt, wenn auch anderer Art – mein Comingout.

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Veröffentlicht in Persönliches, Social Media

Nichts passiert einfach so

Folgendes Feedback erreichte mich per Messenger aus Berlin. (Veröffentlichung mit Erlaubnis der Absenderin):

Liebe Rosa,

Dein Buch „In der sibirischen Kälte“ wurde mir auf Facebook als Werbung angezeigt.
Zufall? Nichts passiert einfach so!
Ich hatte es mir bei Thalia bestellt. Dann kam die Corona-Epidemie und die Bestellung wurde storniert. Bei Amazon war das Buch nicht lieferbar. Nachdem in Berlin die Geschäfte aufgemacht hatten, kaufte ich es doch noch bei Thalia.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Persönliches

Orden des mütterlichen Ruhms

In einer Schubladenecke zwischen den alten, noch aus meiner früheren Heimat mitgebrachten Zeugnissen, Scheine und Urkunden, fand ich neulich ein kleines festes, rotes Büchlein – ein sogenanntes Orden-Zertifikat (Орденская книжка). Ausgestellt wurde es 1959 auf den Namen und zu Ehren meiner Mutter, die im Oktober 1957 (damals war sie 44 Jahre alt) ihr siebtes und letztes Kind zur Welt gebracht hatte. Der Orden selbst muss wohl noch in Russland abhandengekommen sein. Meine Schwester (die Verursacherin sozusagen) besitzt ihn jedenfalls nicht, kann sich aber noch erinnern, wie er aussah und auch daran, dass ihr zur Hochzeit von den Eltern 600 Rubel überreicht worden waren, eine Summe, die im Laufe der Jahre aus dem Kindergeld zusammenkam. Ich weiß nicht, wie lange das Geld gezahlt wurde, aber es waren 10 Rubel im Monat. Ein lächerlicher Betrag, der immerhin zu einem schönen Hochzeitsgeschenk angewachsen worden war, wenn man bedenkt, dass ich als Bibliothekarin (zum Beispiel) nicht mehr als 90 Rubel monatlich verdient hatte.

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