Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen und aus der Hand gelegt hatte, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf.
Traurig – die Geschichte einer Liebe, die glücklicher und erfüllter sein könnte, wenn die Beteiligten über ihre Gefühle gesprochen und nicht nur pflichtbewusst gehandelt, wenn sie für ihre Liebe gekämpft hätten … Aber konnten sie das überhaupt – zu dieser Zeit, in diesem Land? Wo es doch damals oft ums nackte Überleben ging, wo Gefühle unterdrückt und so zur Nebensache werden mussten?
Streiten
Liebe Schreibende,
bestimmt gab es schon in eurem Leben den einen oder anderen Streit, sei es mit dem Partner/Partnerin, mit dem Kind oder mit den Eltern. Auseinandersetzungen sind meistens mit Ärger, Unmut, Unzufriedenheit oder noch Schlimmerem verbunden. Wer hat das schon gern? Ich zum Beispiel gar nicht, ich bin ein Mensch, der das Gleichgewicht braucht, mit anderen Worten – ich bin sehr harmoniebedürftig. 😊 Nach einem Streit versuche ich immer so schnell wie möglich alle Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen, mich wieder zu versöhnen. Geht es euch nicht auch so? Ist das nicht ein schönes Gefühl, wieder Frieden geschlossen zu haben, verstanden worden zu sein. Versöhnung – ein wunderbares Wort! Vielleicht habt ihr Lust, darüber eine Geschichte zu schreiben? Sie kann autobiografisch oder auch fiktional sein, vielleicht sogar mit einer Illustration eures Kindes …
Näheres erfahrt ihr, wenn ihr dem Link folgt.
https://blogq5.de/literatur/schreib-und-malwettbewerb-auf-blog-q5-vom-streiten-und-zusammenraufen/https://blogq5.de/literatur/schreib-und-malwettbewerb-auf-blog-q5-vom-streiten-und-zusammenraufen/
Vergebung
Die meisten meiner zahlreichen und bunten Träume lösen sich gleich nach dem Aufwachen wieder auf und geraten schnell in Vergessenheit. Manchmal aber erlebe ich im Traum etwas Außergewöhnliches, etwas, das mir Stoff zum Nachdenken gibt und mir für immer erhalten bleibt. So auch diesmal …
„Vergebung“ weiterlesenOhne Nebenwirkungen
Ehrlich gesagt, hatte ich nicht vor, mich impfen zu lassen. Nicht weil ich Corona-Leugnerin und Impfgegnerin bin, ich wollte mir einfach die Freiheit nehmen, es nicht zu tun. Es kam anders.
Eigentlich wollte meine Frau nur unseren zwei Freundinnen am Telefon bei der Online-Anmeldung helfen und die notwendigen Schritte mit ihnen durchgehen. Dann rief sie plötzlich zu mir in das andere Zimmer: „Ha, ich habe jetzt selbst einen Termin! Und schau mal, es geht sogar mit Partneranmeldung! Soll ich? …“
Ich fühlte mich überrumpelt. „Muss ich jetzt zwischen Tür und Angel so eine Entscheidung treffen? So spontan geht das aber nicht!“
„Gut, ich kann auch allein, dann bleibt’s eben bei einem Termin nur für mich.“
Tja, was soll ich sagen? Es ging doch spontan!
Nun bekamen wir am 15. April den berühmt-berüchtigten AstraZeneca-Impfstoff gespritzt. Alles lief reibungslos. Wir durften immer zu zweit in den Raum, sei es für die Aufklärung oder für die Behandlung selbst, und brauchten somit nicht aufeinander zu warten. Das Witzige dabei – unsere Freundinnen hatten die Termine am selben Tag, zur selben Zeit.
Nach der Prozedur machten wir vier noch Scherze, im Sinne – sollten wir allesamt eine Thrombose bekommen und daran sterben, können wir auch gleich in einer Gruft begraben werden, schließlich sind wir Spielgefährtinnen (gemeint sind die gemeinsamen Spielabende).
Eine Woche ist seitdem schon vergangen. Die Nebenwirkungen blieben aus.
Inspiriert durch Corona
Vor einiger Zeit riefen die Freunde der Stadtbücherei Lüdenscheid zu einem Schreibwettbewerb auf. Thema: „Erfahrungen mit der Coronapandemie“. Die Idee dazu kam von einer Lüdenscheiderin. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer übernahm die Schirmherrschaft über das Projekt. Nun sind einige Texte und sogar Gedichte zusammengekommen. Mit dabei auch ein Beitrag von mir: „Corona und die Diktatur“. Es ist mehr oder weniger eine Zusammenfassung meiner Gedanken, die ich schon in diesem Blog mit euch geteilt habe.
Die Textsammlung gibt es nur online. Ihr findet sie auf der Homepage: Freunde der Stadtbuecherei Luedenscheid – Aktuelles.
Mein Beitrag:
Corona und die Diktatur
Was passiert da gerade in Deutschland, in der ganzen Welt? Wir alle befinden uns in einer Krise, die großen Schaden anrichtet. Man kann sie Pandemie, man kann sie Covid-19, man kann sie Corona nennen – die Bezeichnung ändert diesen Zustand nicht. Menschen sterben, die Wirtschaft leidet, Unternehmen werden insolvent. Das unsichtbare Virus spaltet gleichwohl unsere Gesellschaft und ruft eine Vielzahl Querdenker hervor, deren Sichtweise größtenteils extremer Natur ist. Da wird Coronaimpfung mit Mord gleichgestellt und Quarantäne mit einem Konzentrationslager verglichen. Es wird behauptet, Coronapandemie sei bloß ein Trick, ausgedacht und verbreitet von einer geheimen Weltmacht, um die Bevölkerung der Erde zu versklaven, und die Regierung Deutschlands gehöre dazu. Angela Merkel will uns in die finstere Diktatur führen; sie hat sich das gar zum Ziel gesetzt – auch solche Stimmen sind laut.
„Wir werden bald tief mittendrin sein. Wir sind schon mittendrin!“, lese ich in dem einen oder anderen Blogbeitrag und alles sträubt sich in mir dagegen: „Diktatur? Überall? Oder nur in Deutschland?“ und ich frage die Verfasserin oder den Verfasser: „Weißt du überhaupt, was eine Diktatur ist?“
Wie erwartet, kommen Antworten, in denen es um die Nazipartei, Hitler, die Jahre 1933 bis 1945 geht.
Sieht es in Deutschland denn tatsächlich so aus, als ob eine Partei oder eine Person die Macht übernommen hätte, um alle anderen zu unterdrücken? Werden Coronamaßnahmen, von „oben“ aufgezwungen, dazu benutzt, um uns in den Abgrund zu treiben?
Ich weiß nicht, ob alles richtig ist, was die Regierung macht. Es ist schlimm, dass die Geschäfte und Restaurants geschlossen sind, dass es den Selbstständigen so schlecht geht. Auch ich stehe skeptisch einigen Regelungen gegenüber. Es könnte doch sein, dass alles übertrieben ist, dass es andere Wege gibt. Aber ich denke auch – wer weiß schon, was in solcher Situation angemessen und was falsch sein soll? Und ich sage mir – wir haben immer noch unsere grundsätzlichen Freiheiten, die uns in einem demokratischen Land keiner so einfach wegnimmt.
Ich bin keine Medizinerin, keine Wirtschaftsexpertin, keine Politikerin, sondern bloß eine Frau, die sich ihre Gedanken macht. Ich komme aus einer anderen Welt, wenn man das so sagen darf, und ich weiß, was Diktatur wirklich heißt. Eine Diktatur, die mehr als 70 Jahre lang dauerte, die es heute noch in einigen Ecken der Welt gibt, auch immer noch bedingt in meiner alten Heimat – in Russland. Eine Diktatur, von der zwar nicht ich betroffen war, aber meine Großeltern und Eltern sowie Millionen Menschen, die verfolgt, vertrieben, dem Hunger und der Kälte ausgesetzt, in Lager gesperrt, gefoltert, vergewaltigt und ermordet wurden. Nicht „nur“ ein paar Millionen – zig Millionen! Ich will hier keine Zahlen nennen, denn darum streiten sich selbst die Historiker – ich möchte hier bloß ein paar Wahrheiten einbringen.
1933. Die Tyrannei nimmt weiter Fahrt an. Meine Großeltern (mit fünf Kindern) werden aus ihrer Heimat in der Ukraine nach Sibirien deportiert. Grund: sie waren christlich, „reich“ und dazu auch noch deutscher Nationalität. Also – selbst schuld.
Vier Jahre später. 1937 – der Höhepunkt der Repressalien. Wieder trifft es Großvater, der zusammen mit seinem Sohn und acht weiteren Dorfbewohnern verhaftet wird. Neun Männer, darunter Großvater und mein Onkel, werden schon wenige Wochen danach hingerichtet, einer bekommt zehn Jahre Straflager. Grund? Es gab keinen, außer dass sie angeblich Volksverräter wären. Von ihrem Schicksal erfuhren die Familien erst Ende der 80er-Jahre.
1942. Mein Vater wird für sieben Jahre in die Trudarmija (Arbeitsarmee) Zwangs-mobilisiert, obgleich zwei kleine Kinder zurückbleiben und meine Mutter ein drittes Kind erwartet. Grund: er war ein Deutscher, also ein potenzieller Faschist, also hatte er seine Schuld zu begleichen und dem Vaterland (dem Diktator) zu dienen.
Das betrifft nur eine (meine) Familie. Wie viele solcher Familien gab es in der UdSSR (nicht nur deutsche), wie viele Dörfer und Städte? Wollen wir einmal die Schicksale zusammenrechnen? …
Nein, diejenigen, die jetzt in Deutschland auf die Straßen gehen (habt ihr eigentlich eine Ahnung, wie viele Neonazis und dergleichen da mitmarschieren?), schreien und die Diktatur voraussagen – ihr wisst nicht, was eine Diktatur ist. Aber wenn ihr wollt – ihr könnt sie wahrhaftig und am eigenen Leib erfahren, schon jetzt, schon heute. Dazu braucht ihr nur nach Belarus zu fahren. Oder nach Tschetschenien. Oder meinetwegen auch nach Russland. Geht doch dort einmal zum Protestieren auf die Straßen. Was meint ihr, geschieht dann mit euch? …
Ich frage mich immer wieder: warum? Warum denken die Querdenker so … so radikal „quer“?
„Wischt euch den Sand aus den Augen und fasst Mut, die Dinge so zu sehen, wie sie tatsächlich sind – auch wenn es vielleicht nicht so leicht fällt, sich einzugestehen, dass man Mitläufer und Feigling war und ist“, lese ich in einem Blogartikel, und es kocht in mir hoch.
Wenn dann noch auf meinen Kommentar die Antwort kommt, dass jeder für sich prüfen müsse, ob er in antidemokratischen Verhältnissen leben wolle, und wenn nicht, ist er aufgefordert mutig Stellung zu beziehen (wobei natürlich ich gemeint bin), kann ich es kaum fassen.
Ich muss so etwas nicht einmal prüfen, um Stellung zu beziehen – ich weiß, wie ich leben will.
Wie kommt man darauf, dass Menschen, die nicht die gleiche Querdenker-Meinung haben, in antidemokratischen Verhältnissen leben wollen, dass sie von „Mainstreammedien“ manipuliert sind, dass sie keinen Mut haben? Alle Menschen, die ich kenne, sind für die Demokratie, auch wenn sie sich nicht unbedingt als Querdenker bezeichnen, auch wenn sie die Pandemie-Regeln befolgen und die meisten von ihnen vorhaben, sich impfen zu lassen. Warum nimmt man sich heraus, sie zu beschuldigen, sie wären Feiglinge und Mitläufer. Mitläufer wohin? In die finstere Diktatur? …
Warum sind Querdenker überzeugt, dass sie in allem recht haben? Vielleicht sollten sie doch nicht ausschließlich quer denken, sondern auch manchmal schlicht gerade, und vielleicht liegt die Wahrheit ja dazwischen, oder ganz woanders, und unsere Demokratie ist trotzdem nicht gefährdet? … Wenn man nur quer denkt, läuft man Gefahr, eines Tages stecken zu bleiben oder gänzlich in den Verschwörungstheorien zu versinken, die zurzeit das Internet überschwemmen und zum Teil so absurd sind, dass sie schon lächerlich wirken.
Diese Regierung macht einiges falsch – das streite ich gar nicht ab. Aber ihr zu unterstellen, dass sie (zusammen mit anderen Regierungen) sich Corona ausgedacht hat, dass sie absichtlich die Demokratie zunichtemachen und das Land in den Ruin treiben will, ist schier ungeheuerlich. Es sind Behauptungen, die keinen Boden haben.
Eine interessante Frage kommt mir gerade in den Sinn: Gegeben der Fall, es wären keine Maßnahmen ergriffen, alle Bürger hätten frei zu entscheiden, wie sie sich verhalten, es würde nicht nach Impfstoffen geforscht, nicht geimpft – wie würden Querdenker dann reagieren? Ich fürchte, ihre Empörung wäre dann noch größer, nur ginge sie in die umgekehrte Richtung.
Oder resultiert meine Stellung zum Thema „Corona und die Diktatur“ daraus, dass ich selbst aus dem totalitären Regime komme? Dass ich zu viel darüber weiß? Sehe ich das Ganze hierzulande deswegen mit anderen Augen, weil ich mir nicht eingestehen will, dass ich aus einer Diktatur in die andere hineingeraten bin? Ist das mein „Problem“?
Ja, es ist mir zuwider, Deutschland auch nur ansatzweise mit der ehemaligen Sowjetunion, der DDR oder einem anderen totalitären Staat zu vergleichen! Ich kann es nur fortwährend wiederholen – ich erkenne in Deutschland keine Diktatur, weder jetzt noch in absehbarer Zukunft.
Sollte ich mich irren, dann … dann verstehe ich die Welt nicht mehr.
Hier geht es direkt zur PDF-Datei:
Das Grab meiner Mutter
Es ist für mich inzwischen so selbstverständlich – mein Leben im Wohlstand, in der Demokratie. Und doch denke ich oft an vergangene Zeiten, daran, was für ein Glück (im Unglück) ich hatte, in Russland als Deutsche geboren zu sein. Sonst wäre meine Familie dem totalitären Regime wohl niemals entkommen.
Eigenartig, dass das Land mir erst im Nachhinein wie ein Albtraum vorkommt. Als ich noch dort lebte und keine Alternativen kannte, schien mir mein Leben normal zu sein.
Ich hatte zu arbeiten und meine Kinder zu versorgen, mich um meinen Mann zu kümmern und meine Freundschaften zu pflegen. Natürlich hatte ich reichlich Kummer, aber auch viele Glücksmomente.
Was der Sozialismus wirklich bedeutet, zeigte sich den Menschen erst in den letzten Jahren der Sowjetunion. Denn als das morsche System in sich zusammenbrach, erblickten wir die zahllosen Leichen im Keller. Die ganze Welt erschauderte angesichts der unmenschlichen Verbrechen an der eigenen Bevölkerung.
Neuer Schreibwettbewerb
Ein neuer spannender Literaturwettbewerb, ausgeschrieben vom Q5 Verlag, ist am Start. Schon ab heute können Texte eingesandt werden.
Macht mit!
Wie es geht?
Klickt einfach auf den Link oder das Bild unten und ihr werdet alles erfahren. 😉
Für den guten Zweck – Spendebücher des Q5 Verlags
Im Schatten
Alles, was in Deutschland nicht zu gebrauchen war, ließ ich in Russland zurück, nicht nur materielle Dinge, auch veraltete Lebenseinstellungen und einige Gewohnheiten im Alltag. Nur die Depression konnte ich nicht so einfach loswerden, sie blieb in meinen Schatten versteckt und sobald sie die erstbeste Gelegenheit bekam, trat sie hervor. Lange hatte sie nicht warten müssen, schon bei der Ankunft am 4. Dezember 1992 im Frankfurter Flughafen schlug sie erbarmungslos zu. Seitdem läuft sie zwar meistens nebenher, findet jedoch ab und an immer noch ein passendes Schlupfloch, um sich zu zeigen und mir den Weg zu erschweren.
„Im Schatten“ weiterlesenCharlie
Diese Geschichte schrieb ich vor vielen Jahren. Ja, obwohl ich kein Haustier haben möchte (und so wird es auch bleiben), heißt es nicht, dass ich keine Tiere mag. Charlie hatte ich jedenfalls sehr lieb …
„Charlie“ weiterlesenNicht im Krieg, nicht in der Dürrezeit …
(aus dem Russischen)
Winter 1932–1933 in Rostow am Don. Ich bin sieben Jahre alt. Immer öfter höre ich das Wort Hunger. Es gibt auch andere neue Wörter: Essensmarke, Bons, Torgsin*. Torgsin ist für mich so etwas wie ein Märchen, ein Schlaraffenland. Mama bringt ihren Ring und ein paar silberne Löffel dorthin. Ich stehe am Schaufenster und sehe Würstchen, schwarzen Kaviar, Süßigkeiten, Schokolade, Törtchen. Ich verlange nicht danach – verstehe ich doch sehr gut, dass meine Mutter das nicht kaufen kann. Aber ich bekomme etwas Reis und ein Stückchen Butter.
„Nicht im Krieg, nicht in der Dürrezeit …“ weiterlesenNichts für Querdenker …
… Oder vielleicht doch?
Dokumentation im Fernsehen gestern Abend. Sehr sehenswert!
https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/geklaute-geschichte---querdenker-und-unsere-vergangenheit-100.html
Es empfiehlt sich auch, das Geschehen der letzten Tage auf den Straßen Russlands vor Augen zu halten – davon gibt es massenhaft im Internet und auf Facebook. Erschreckende und erdrückende Bilder und Videos, die allen zu denken geben sollten.
Bin ich gegen die Demokratie?
Immer wieder lese ich darüber, auch hier – bei WordPress – dass Angela Merkel und Co. uns in die Diktatur führen würden, dass sie sich das gar zum Ziel gemacht hätten. Bei Facebook sind manche Posts noch extremer. Dort wird die Impfung mit Mord gleichgestellt und Quarantäne mit dem KZ.
„Bin ich gegen die Demokratie?“ weiterlesenIm Januar 1938
Die Waffen in den Händen der kühnen Tschekisten, mit denen nicht nur Männer, auch Frauen, Kinder und alte Menschen getötet wurden, kühlten keinen Tag lang ab. Die Vollstrecker, treu dem „Führer aller Nationen“ hatten sie dauernd im Gebrauch. Jeder dieser Tage hat sich für immer als blutiger Fleck in die Geschichte Russlands eingebrannt.
„Im Januar 1938“ weiterlesenDas Alte von Neuem?
Dezember überstanden, wieder einmal. Der Januar und somit das Jahr 2021 nimmt seinen Lauf. Meine Stimmung hat sich gebessert. Bis zum nächsten Dezember oder bis zu irgendeinem Vorfall, der mich wieder aus der Bahn wirft. Da braucht es eigentlich nicht viel. Ich sage nur: Mein Kind. Meine Sorgen. Mein Sorgenkind. Das ist etwas, das ich nicht lösen kann, da hilft auch keine Therapie. Irgendwie muss ich allein einen Weg finden. Oder weiter mir selbst Angst machen, mich quälen …
„Das Alte von Neuem?“ weiterlesenGraues Grinsen
Jedes Jahr hoffe ich, dass ich „diesmal“ von ihrem Besuch verschont bleibe. Aber nix da – sie kommt, ohne auch nur anzuklopfen, und macht sich wie selbstverständlich in mir breit. Sie weiß – es ist ihre Zeit, der letzte Monat ist für sie quasi reserviert. So war es schon immer … Und so wird es auch bleiben, sagt sie mir und grinst selbstgefällig. Sie vertreibt meine Lebensfreude, sät dafür nagende Unruhe, Hoffnungslosigkeit, Schwermut und noch einiges mehr von dieser Art Empfindungen. Sie holt meine Sorgen um Menschen, die mir lieb sind, in den Mittelpunkt und lässt sie langsam wachsen, bis hin zur Unerträglichkeit. Sie versteht und beherrscht es gut, die Seele zu quälen – dafür ist sie geschaffen. Das ist ihre Aufgabe, ihr Lebensziel. Aber ich habe andere Ziele, sage ich ihr voller Verzweiflung. Sie schweigt darauf bloß und hört nicht auf zu grinsen. Ich weiß, sie wird nicht einfach so nachgeben – ich muss die „Notbremse“ ziehen … Es gefällt ihr nicht, das Grinsen verblasst in ihrem Gesicht und all‘ die Abscheulichkeiten, die sie in ihrem Gepäck hat, werden etwas leichter …
Wenn endlich der Dezember vorbei ist, verabschiedet sie sich und zieht von dannen. Mit der getanen Arbeit ist sie zufrieden, nun braucht sie eine Abwechslung – jemand anderes, den sie weiter demütigen kann. Zum letzten Mal dreht sie sich um und zwinkert mir zu: „Bin weg, komme aber wieder – verlass dich drauf!“
„Wir werden sehen, hau bloß jetzt ab!“
Feedback der besonderen Art
… und das Autorenherz schlägt höher. 💗
Eine Leserin aus Hemer ist so sehr von meinem Buch „In der sibirischen Kälte“ beeindruckt, dass sie das Buchcover nachgemalt und das Bild vor ihrer Haustür aufgestellt hat.
Ich bin überwältigt …




Zum Thema Diktatur – Mischas Verbrechen
Diesen Beitrag schrieb ich vor fast genau drei Jahren und heute möchte ich ihn noch einmal veröffentlichen – aus aktuellem Anlass.
In Gedenken an alle, die in den Zeiten des kommunistischen Terrors und unter Stalins Regime leiden und sterben mussten.
Übersetzung (von mir) aus dem Russischen und Fotos – mit freundlicher Genehmigung von Andrej Schalajew – dem Gründer und Betreiber der russischen Internet-Plattform Bessmertny Barak
Wir wissen nicht viel über das Leben von Mischa Schamonin, nur – wie es zu Ende ging. Er war ein Straßenkind und dreizehn Jahre alt, als er am 4. Dezember 1937 in Hungersnot zwei Brotlaibe stahl. Dabei wurde er erwischt und der Miliz übergeben. Es passierte in einem Laden, also war es Unterschlagung von Staatseigentum und somit ein besonders schweres Verbrechen. Kinder zu töten, erlaubte Stalin schon 1935, indem er die Anwendung des höchsten Maßes an Sozialschutz – die Erschießung – ab dem zwölften Lebensjahr legalisiert hatte.
„Zum Thema Diktatur – Mischas Verbrechen“ weiterlesenÜber die Diktatur
Was geht vor in der ganzen Welt und was passiert da gerade in Deutschland? Wir alle befinden uns in einem Ausnahme-Zustand, in einer Krise. Man kann sie Pandemie, man kann sie Covid-19, man kann sie Corona nennen – es ändert diesen Zustand nicht. Einige nennen sie jedoch: „Der Weg in die Diktatur“ und prophezeien – wir werden bald tief mittendrin sein. Wenn ich das höre und lese, dann stellen sich mir die Haare zu Berge und ich denke: „Wie jetzt – Diktatur überall, in allen Ländern? Oder nur in Deutschland?“ und: „Wisst ihr überhaupt, was eine Diktatur ist?“
Ja, wisst ihr das?
Du bist (m)ein Schatz
Du hast mich wieder beruhigt, mein lieber Sohn. Nach dem Telefonat mit dir geht es mir schon besser. Du kannst das anscheinend genauso gut, wie dein Vater es konnte. Egal, wie groß meine Sorgen waren, er hat es immer geschafft, mir die Schwere aus den Gedanken zu nehmen. Das war von Anfang an und bis zu seinem Tod so. Auch als wir schon nicht mehr zusammen waren, brauchte ich ihn nur anzurufen und ihm von meinem Problem zu erzählen – er fand jedes Mal die richtigen Worte für mich. Es war der Ton, wie er es gesagt hatte, das Zuversichtliche, das in seiner Stimme lag, die Besorgnis um mich … Vielleicht war es auch das Zusammenspiel von alledem plus eine andere Fähigkeit, die nur er besaß – ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass er dieses Einzigartige (unter anderen guten Eigenschaften) an dich weitergegeben hat.
Du bist ein Schatz – nicht nur für mich, deine Mutter, sondern auch für alle Menschen, die dich kennen und lieben, und – die du liebst.
Für die Ewigkeit
Sie läuft stetig weiter – die Zeit, unerbittlich, unbeeindruckt von Katastrophen und Geschehnissen des menschlichen Daseins. Sie lässt sich nicht abstellen, neu aufziehen oder anhalten. Man hat sogar den Eindruck, ihre Fahrt nimmt zu, mit jedem gelebten Jahr schreitet sie schneller voran.
Ich blicke zurück auf die breite Zeitspanne von 66 Jahren und denke: Das meiste hast du schon hinter dir, das wenigste bleibt dir noch. Ich suche nach Momenten, die in meinem Leben einmalig waren, nach Augenblicken des vollkommenen Glücks. Welche würde ich verewigen, wenn mir das möglich wäre?








